125 Pro/kontra Nutzung der Kernenergie damals In den 1950er- und 1960er-Jahren entstanden immer mehr Atomkraftwerke für die zivile Energieversorgung. Sie wurden für moderner, preiswerter und ressourcenschonender gehalten als die Energiegewinnung mit Kohle oder Erdöl. Erst in den 1970er-Jahren wurden Störfälle in AKWs öffentlich bekannt, 1979 in Three Miles Island in den USA. Dies führte weltweit zu Anti-AKW-Protesten. Auch in Europa bildete sich Widerstand in Form von Protesten, Demonstrationen und zivilem Ungehorsam, z.B. gegen den geplanten Bau der AKWs in den deutschen Orten Gorleben und Wyhl. M2: Anne Lund: Anti-Atomkraft-Bewegung. Logo, 1975 Chemiker Frank Haenschke (1977) Der Hunger nach Energie verführt uns dazu, zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit Technologie einzusetzen, an deren unmittelbaren Folgen Hunderte von Generationen nach uns zu tragen haben. M3: Aus: Der Spiegel, 13.2.1977. Online auf: www.spiegel.de (11.9.2024). In Österreich hatte man 1972 mit dem Bau eines ersten AKWs in Zwentendorf (Niederösterreich) begonnen. Dieses wurde nach österreichweiten Protesten und einer darauffolgenden Volksabstimmung 1978, die eine Stimmenmehrheit gegen das AKW brachte, nie in Betrieb genommen. Weiteren Aufwind erfuhr die Anti-Atomkraft-Bewegung nach der Tschernobyl-Katastrophe 1986. Nach dem Reaktorunfall von Fukushima 2011 beschloss die Regierung Deutschlands, bis 2023 aus der Atomenergie auszusteigen. Pro/kontra Nutzung der Kernenergie heute Heute ist die Anti-Atomkraft-Bewegung stark international vernetzt und koordiniert ihre Bemühungen über Ländergrenzen hinweg. Dazu gehören gemeinsame Aktionen, Proteste und der Austausch von Erfahrungen. Damals wie heute sind NGOs zentral bei der Mobilisierung gegen Atomkraft. Sie setzen sich für eine Beendigung des Baus und Betriebs von AKWs ein und fordern den Umstieg auf erneuerbare Energiequellen, wie Solar-, Wind-, Wasserkraft oder Geothermie. Sicherheitsbedenken, hohe Kosten und die problematische Entsorgung des radioaktiven Abfalls sind ihre Argumente gegen den Bau und Betrieb von AKWs. Viele Staaten, wie Frankreich, China, Russland oder Indien, setzen auf den AKW-Ausbau mit dem Argument, die Kernenergie sichere die Rohstoff-Unabhängigkeit, sie könne dem Klimawandel entgegenwirken, da AKWs bei ihrem Betrieb keine CO2-Emissionen ausstoßen, und sei keine endliche Ressource wie Erdöl, Erdgas und Kohle. Kommentar von Joachim Wille zu EU-Klassifizierung der Kernenergie als nachhaltige Investition (2022) Strahlengefahr? Atommüll, der eine Million Jahre sicher endgelagert werden muss? Riesige Umweltschäden durch den Uranerz-Bergbau? Das alles scheint die EU-Kommission nicht zu interessieren. Sie stellt die Reaktoren […] auf eine Ebene mit Solar- und Windkraftanlagen. Investoren sollen ihr Geld in die Atomkonzerne stecken können, weil sie damit ja etwas für das Ziel der Klimaneutralität tun – und das auch noch guten Gewissens. Absurder geht’s kaum. M4: Wille: Giftiges Grün, in: Frankfurter Rundschau, 2.1.2022. Online auf: https://www.fr.de (11.9.2024). Jetzt bist du dran: 1. Nenne mindestens fünf Länder, in denen deines Wissens noch heute Atomkraftwerke in Betrieb sind. 2. Beschreibe das Logo der Anti-Atomkraft-Bewegung (M2). Stelle eine Vermutung an, weshalb dieses Symbol gewählt wurde. 3. Überprüfe auf Basis der Texte M3 und M4 sowie des Fotos M1 die Frage, wie nachhaltig Atomkraft ist. Beziehe dazu auch Wissen aus anderen Fächern mit ein. Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv
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