128 Ernährung im Wandel Für die meisten Mitglieder der sogenannten Wohlstands- und Überflussgesellschaft der Länder des Globalen Nordens sind sämtliche Nahrungsmittel globalisierungsbedingt im Allgemeinen immer und überall verfügbar. Während früher Produkte wie Kaffee, Kakao, Tee oder tropische Früchte selten und sehr teuer waren, sind sie heute vielfach erschwinglich und in jedem Supermarkt verfügbar. Möglich machen das unter anderem künstliche Bewässerung, chemische Düngemittel und verbesserte Technik, die die Erträge in der Landwirtschaft steigern. Industriell gefertigte Lebensmittel, die mittlerweile fester Bestandteil unseres Alltags sind, und die Gentechnologie stehen allerdings aufgrund gesundheitlicher Bedenken unter Kritik. Wachsender Wohlstand führte außerdem dazu, dass zunehmend außerhalb des eigenen Haushalts konsumiert wurde, beispielsweise in Restaurants oder Bars. Weltweit vertriebene Produkte und Restaurantketten entstanden und veränderten bzw. vereinheitlichten die Essgewohnheiten. Junkfood, Essen aus minderwertigen Lebensmitteln, hielt Einzug in die Speisepläne der Menschen. Trends Ein gegenläufiger Trend entwickelte sich in den letzten Jahrzehnten in Form von regionalen, saisonalen und auf Basis von nachhaltiger, biologischer Landwirtschaft angebauten Produkten. Das Konzept des sogenannten „Clean Eatings“ besteht beispielsweise darin, dass auf ausschließlich naturbelassene Lebensmittel wie frisches Obst und Gemüse sowie Fisch, Fleisch und Getreide gesetzt wird, ohne es mit künstlichen Zusätzen wie Geschmacksverstärkern oder Aromen zu versetzen. Die weltweit aktive Slow-Food-Bewegung besteht seit 1986. Sie produziert und unterstützt fair und nachhaltig hergestellte regionale Lebensmittel. Immer mehr Menschen entscheiden sich aus ethischen, ökologischen oder gesundheitlichen Gründen, auf Fleisch/ Fisch oder gar auf sämtliche tierische Produkte zu verzichten. Vegetarismus bzw. Veganismus sind heute zentrale gesellschaftliche Phänomene, die auch eine Lifestyle-Entscheidung widerspiegeln. Gefördert wird diese Entwicklung durch die steigende Verfügbarkeit von vegetarischen, veganen und Fleisch-/Milchersatzprodukten in Supermärkten und Restaurants. Herausforderungen für die Landwirtschaft Massentierhaltung, Ausstoß von klimaschädlichen Gasen, Belastung von Land und Gewässern durch Gülle und Kunstdünger, Rodungen für den industriellen Anbau (z.B. Soja, Palmöl) und Zerstörung der heimischen Biodiversität sind nur einige der Probleme, die die Nahrungsmittelproduktion mit sich bringt. Landwirt und Agrar-Blogger Bernhard Barkmann (2024) Grundsätzlich muss man feststellen, dass die Unzufriedenheit innerhalb der Land[wirt]schaft unheimlich groß ist, obwohl auf den Höfen in den vergangenen Jahren recht ordentliche Erträge erwirtschaftet wurden – zumindest im Schnitt. Das große Problem ist: Keiner weiß, wie es weitergehen soll. Wir bekommen immer mehr Auflagen. Es gibt eine Menge gesellschaftliche Anforderungen: Wir sollen die Biodiversität fördern, weniger Pflanzenschutzmittel einsetzen, den Klimaschutz verstärken. M1: Aus: Martin Hofstetter: Bauernproteste: Es fehlt ein Masterplan für die Landwirtschaft. Online auf: www.greenpeace.de (13.9.2024). Situation weltweit Bis zum Jahr 2050 soll die Menschheit schätzungsweise auf 9,7 Milliarden Menschen angewachsen sein. Es stellt sich also die Frage, wie sie alle ernährt werden können. Problematisch dabei ist, dass viele Lebensmittel nicht gerecht verteilt werden. Während in den Entwicklungsländern ein Mangel besteht, werden in den Industriestaaten massenhaft Lebensmittel weggeworfen, beispielsweise aufgrund von Überproduktion. Ein weiteres Problem ist, dass starkes Bevölkerungswachstum vor allem in jenen Ländern stattfindet, in denen es ohnehin schon Lebensmittelmangel gibt. Am stärksten betroffen sind Staaten südlich der Sahara sowie Ost- und Südostasiens. Hier leben 93 Prozent der weltweit unterernährten Personen (z.B. Jemen, Somalia, Afghanistan und Niger). Aber auch Übergewicht kann ein Zeichen von Armut sein, denn gesunde Lebensmittel sind teurer als ungesunde, minderwertige. Übergewicht ist vor allem ein Problem in den Industriestaaten. 4.3 Ernährung Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv
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