Alles Geschichte! 8, Schulbuch

129 Über 500 Vertreter/innen von unterschiedlichen Interessengruppen, wie Bäuerinnen und Bauern, Indigenen, Landarbeiterinnen und -arbeitern sowie Konsumentinnen und Konsumenten, trafen sich 2007, um Kriterien für eine weltweite Ernährungssouveränität zu formulieren. Erklärung von Nyéléni (2007) Ernährungssouveränität ist das Recht der Völker auf gesunde und kulturell angepasste Nahrung, nachhaltig und unter Achtung der Umwelt hergestellt. Sie ist das Recht auf Schutz vor schädlicher Ernährung. Sie ist das Recht der Bevölkerung, ihre Ernährung und Landwirtschaft selbst zu bestimmen. Ernährungssouveränität stellt die Menschen, die Lebensmittel erzeugen, verteilen und konsumieren, ins Zentrum der Nahrungsmittelsysteme, nicht die Interessen der Märkte und der transnationalen Konzerne. Sie verteidigt das Wohlergehen kommender Generationen und bezieht sie ein in unser vorsorgendes Denken. […] Erzeugung, Verteilung und Verbrauch der Lebensmittel müssen auf sozialer, wirtschaftlicher und umweltbezogener Nachhaltigkeit beruhen. Ernährungssouveränität fördert transparenten Handel, der allen Völkern ein gerechtes Einkommen sichert und den KonsumentInnen das Recht verschafft, ihre Nahrungsmittel zu kontrollieren. Sie garantiert, dass die Nutzungsrechte auf Land, auf Wälder, Wasser, Saatgut, Vieh und Biodiversität in den Händen jener liegen, die das Essen erzeugen. Ernährungssouveränität bildet und stützt neue soziale Beziehungen ohne Unterdrückung und Ungleichheit zwischen Männern und Frauen, Völkern, ethnischen Gruppen, sozialen Klassen und Generationen. M3: Online auf: https://nyeleni.org/en/erklarung-von-nyeleni-­ nyeleni-gemeinde-selingue-mali/ (16.2.2026). Militärische Konflikte und Klimakrise Laut Welternährungsorganisation (WFO) sind Konflikte und Kriege neben Klimawandel, extremen Wetterereignissen und Wirtschaftskrisen jene Faktoren, die die Versorgung mit Lebensmitteln und damit die Ernährungssicherheit gefährden können. Durch sie kann es in der weltweit vernetzten Nahrungsmittelindustrie schnell zum Ausfall von Lieferketten kommen. Beispielsweise gab es in weiten Teilen Europas aufgrund des russischen Einmarschs in der Ukraine Engpässe bei Sonnenblumenöl, da der Rohstoff nicht mehr verfügbar war. Auch Afrika hatte einen Mangel an Weizen, Mais und Raps zu verzeichnen, da aus der Ukraine kein Nachschub geliefert werden konnte. In den Fokus rücken nun neue Ansätze bei der Ernährung wie künstlich gezüchtetes Fleisch aus dem Labor, Lebensmittel aus dem 3D-Drucker sowie Insekten als tägliche Proteinquelle. M2: Friso Gentsch: Insektenburger aus Buffalo-Würmern. Fotografie, 2018 „Planetary Health Diet“ und „Ernährungssouveränität” Die Planetary Health Diet von 2019 zeigt einen Plan auf, der die Menschen und den Planeten gleichermaßen im Fokus hat. Dieser sieht vor, dass bis 2050 10 Milliarden Menschen gesund ernährt werden können, ohne die natürliche Lebensgrundlage zu zerstören. Dieser Plan wurde von der sogenannten „EAT-Lancet“-Kommission begründet, die sich aus internationalen Fachleuten aus dem Gesundheits-, Nachhaltigkeits-, Wirtschafts-, Landwirtschafts- und Politikbereich zusammensetzt. Die Basis des Plans ist eine grundlegende Veränderung der Ernährungsgewohnheiten, indem beispielsweise mehr Obst und Gemüse sowie Hülsenfrüchte und Nüsse gegessen werden, jedoch Fleisch und Zucker halbiert werden. Darüber hinaus müsste sich die Lebensmittelproduktion anpassen, indem Abfälle minimiert werden. Jetzt bist du dran: 1. Erläutere auf Basis von M1 und des Autorentextes die aktuellen Herausforderungen für Bäuerinnen und Bauern. 2. Arbeite aus dem Autorentext und M3 den Unterschied zwischen den Begriffen „Ernährungssouveränität“, „Ernährungssicherheit“ und „Ernährungsgerechtigkeit“ heraus. 3. Fasse den Ausschnitt aus der „Erklärung von Nyéléni“ (M3) in deinen eigenen Worten zusammen. Überprüfe, inwiefern in Österreich schon Maßnahmen zur Ernährungssouveränität umgesetzt werden. 4. Begründe, welche im Autorentext, in M2 und M3 dargestellten Trends und Bewegungen rund um die Ernährung du sinnvoll findest und welche nicht. Erörtere ihre jeweiligen Vor- und Nachteile. Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

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