Alles Geschichte! 8, Schulbuch

132 LÄNGSSCHNITT Jugendbewegungen und -kulturen In Wien gab es neben der Swing-Jugend die aus der Arbeiterschaft kommenden Schlurfs und in Deutschland die Edelweißpiraten. Gegen diese Jugendkulturen ging das NS-Regime hart vor. Jugendkulturen nach 1945 Die Wirtschaft entdeckte ab den 1950er-Jahren Jugendliche als Zielgruppe für jugendspezifische Produkte. Jugendkulturen äußern sich auch durch ein bestimmtes Konsumverhalten oder eine Konsumverweigerung. Einen großen Einfluss übte seit den 1950er-Jahren die musikalische Popkultur aus, beginnend mit dem Rock ’n’ Roll. Mods und Rocker Die Jugendkultur der Mods entstand Ende der 1950er-Jahre unter britischen Jugendlichen der Arbeiterklasse und der unteren Mittelschicht. Ihr musikalisches Interesse umfasste Soul, Rhythm and Blues, Jazz und britische Beatmusik. Bands wie etwa The Who oder The Kinks kamen aus der britischen Mod-Szene. Statussymbole der Mods waren italienische Motorroller, teure Markenkleidung und Parkas. Bei der Rockerbewegung, die ihren Ursprung ebenfalls in England hatte, stand das nach dem Krieg leistbar gewordene Motorrad im Mittelpunkt. Die Motorräder wurden im Stil der damaligen Rennmotorräder umgebaut. Die Rocker trugen robuste Arbeitshosen (Jeans) und oft mit Nieten oder Patches verzierte Lederjacken. Ihre Musik war der Rock ’n’ Roll. Mit den heutigen Motorradclubs (MC) besteht kein Zusammenhang. M1: (links): Mary Evans: Mods auf ihren Motorrollern in Brixton. Fotografie, 1963 M2: (rechts): Mary Evans: Rocker auf seinem Motorrad in London. Fotografie, 1963 Erste Jugendbewegungen Vor 1900 war die kindliche und jugendliche Lebenswelt von Arbeit und Schule geprägt. Nur Kinder und Jugendliche aus privilegierten Schichten hatten Freizeit, die unter anderem zur musischen Erziehung genützt wurde. Das Kindes- und das Jugendalter wurden um 1900 von der Reformpädagogik als eigenständige Lebensabschnitte anerkannt und berücksichtigt. Eine der ersten deutschen (ab 1896) und österreichischen (ab 1911) Jugendbewegungen war der Wandervogel, dessen Gruppen als Ausgleich zu den bürgerlichen Normen unter anderem Wanderungen unternahmen. Um 1913 wurde die Bewegung zunehmend deutschnational und antisemitisch vereinnahmt. Die Arbeiterjugend-Bewegung wurde 1894 in Wien mit dem „Verein jugendlicher Arbeiter“ begründet. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde sie als Sozialistische Jugend Österreichs neu gegründet und besteht bis heute. Mitte des 19. Jh. entwickelten sich im deutschsprachigen Raum Organisationen kirchlicher Jugendarbeit wie katholische Gesellenvereine und katholische Jünglingsvereine. 1946 wurde die Katholische Jugend (KJ), eine offizielle kirchliche Jugendorganisation, geschaffen, deren Aufgabe die seelsorgliche Betreuung der Jugendlichen war. Jugendkulturen Eine Jugendkultur entsteht vielfach aus einer Jugendbewegung, die durch gemeinsame Werte und besondere Ausdrucksformen gekennzeichnet ist. Als Jugendkultur werden die kulturellen Aktivitäten, Ausdrucks- und Verhaltensformen innerhalb einer Gruppe (Szene) bezeichnet. Meistens wendet sich eine Jugendkultur gegen gesellschaftliche Normen der Erwachsenenwelt und gegen die Ideale der Elterngeneration. Jugendkulturen können auf die Gesellschaft Einfluss nehmen. Viele Jugendliche orientieren sich an einer Jugendkultur, werden aber kein Teil von ihr. Jugendkulturen in der NS-Zeit Zur Zeit des Nationalsozialismus bildete sich die Swing-Jugend als kulturelle Opposition zur Hitlerjugend. Musikalisch vom amerikanischen Jazz und Swing geprägt, trugen sie bevorzugt amerikanische und englische Mode, was sich bei den Burschen in längeren Haaren, Koteletten und Sakkos äußerte. Durch ihr Auftreten grenzten sie sich gegenüber dem nationalsozialistischen Ideal der sportlichen, disziplinierten NS-Jugend ab. Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

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