MATURATRAINING 150 Maturaaufgabe: Österreich (Die Zweite Republik) Aufgabenstellungen 1. Geben Sie die Kernaussagen der Moskauer Deklaration wieder. Nehmen Sie dabei Bezug auf M1. (Reproduktion) 2. Analysieren Sie die Moskauer Deklaration vor dem Hintergrund der tatsächlichen Rolle der Bevölkerung Österreichs während der Zeit des nationalsozialistischen Terrorregimes. (Transfer) 3. Skizzieren Sie wesentliche Entwicklungen bzw. Probleme des politischen und wirtschaftlichen Wiederaufbaus zwischen 1945 und 1955. (Reproduktion) 4. Bewerten Sie anhand M1 und M2 die Stationen und Positionen der österreichischen Entnazifizierungspolitik. Ziehen Sie dabei auch die Debatte um den österreichischen Bundespräsidenten Kurt Waldheim heran. (Reflexion) Materialien (M) Die Moskauer Deklaration über Österreich (30. Oktober 1943) Die Regierungen des Vereinigten Königreiches, der Sowjetunion und der Vereinigten Staaten von Amerika sind darin einer Meinung, dass Österreich, das erste freie Land, das der typischen Angriffspolitik Hitlers zum Opfer fallen sollte, von deutscher Herrschaft befreit werden soll. Sie betrachten den Anschluss Österreichs durch Deutschland am 15. März 1938 als null und nichtig. Sie betrachten sich durch keinerlei Änderungen, die in Österreich seit diesem Zeitpunkt durchgeführt wurden, als irgendwie gebunden, sie erklären, dass sie wünschen, ein freies unabhängiges Österreich wiederhergestellt zu sehen und dadurch ebensosehr den Österreichern selbst wie den Nachbarstaaten, die sich ähnlichen Problemen gegenübergestellt sehen werden, die Bahn zu ebnen, auf der sie politische und wirtschaftliche Sicherheit finden können, die die einzige Grundlage für einen dauerhaften Frieden ist. Österreich wird aber auch daran erinnert, dass es für seine Teilnahme am Krieg an der Seite Hitlerdeutschlands eine Verantwortung trägt, der es nicht entrinnen kann, und dass anlässlich der endgültigen Abrechnung Bedachtnahme darauf, wieviel es selbst zu seiner Befreiung beigetragen haben wird, unvermeidlich sein wird. M1: Online auf: https://www.parlament.gv.at/PAKT/VHG/VII/NRSITZ/NRSITZ_00019/imfname_158364.pdf (12.9.2024). Rede von Alexander Van der Bellen anlässlich der Eröffnung der neuen österreichischen Länderausstellung „Entfernung – Österreich und Auschwitz“ am 4. Oktober 2021 […] Der Rassismus und Antisemitismus der Nationalsozialisten ist nicht vom Himmel gefallen. Die Konzentrations- und Vernichtungslager sind nicht vom Himmel gefallen. ‚Auschwitz‘ ist nicht vom Himmel gefallen. Denken wir nur an Karl Lueger, der von 1897 bis 1910 Wiener Bürgermeister war. Und zugleich glühender Antisemit, der Zuwanderergruppen gegeneinander ausspielte. Zu Recht wurde übrigens der Dr. Karl-Lueger-Ring im Juni 2012 in Universitätsring umbenannt. Antisemitismus und Rassismus waren in der österreichischen Gesellschaft schon vor dem März 1938 sehr präsent. Der Boden war bereitet, der Samen war gesät, als Nazideutschland im März 1938 unter vieltausendfachem Jubel am Heldenplatz in Österreich einmarschierte. Und die Saat ging auf. Während die einen noch jubelten, wurden anderen die Türen eingetreten. Im Zuge der Novemberpogrome 1938, dem geplanten, gewalttätigen Vorgehen gegen Jüdinnen und Juden, gegen jüdische Geschäfte, Synagogen und Bethäuser sowie anderen jüdischen Einrichtungen wurden zahlreiche Juden ermordet, viele nahmen sich das Leben. Und Nachbarn, die zuvor friedlich mit Jüdinnen und Juden zusammengelebt hatten, wurden plötzlich Täter, die sich an jüdischem Vermögen bereicherten. Aus der Abwertung wurde Entwürdigung und Diskriminierung, schließlich Entmenschlichung und Ermordung. Und all das gipfelte im systematischen, mit industriellen Methoden durchgeführten Völkermord, dem Holocaust, für den das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau zum Symbol geworden ist. 1,1 Millionen Menschen wurden hier von den Nationalsozialisten ermordet, darunter auch zehntausende Menschen aus Österreich, in der Mehrzahl Jüdinnen und Juden, aber auch Roma und Sinti, Homosexuelle, Menschen mit Behinderung, politisch Verfolgte, Widerstandskämpfer und Deserteure, Kriegsgefangene aus der Sowjetunion, Vertreter der polnischen Intelligenz. Und auch, wenn Österreich als Staat nicht mehr existierte, sondern als „Ostmark“ Teil des sogenannten Dritten Reiches war, so waren doch viele Menschen unseres Landes, teils an führender Stelle, unter den Tätern und Täterinnen in diesem Vernichtungsprogramm […] doch war es lange Zeit Staatsdoktrin, dass Österreich das erste Opfer des Nationalsozialismus sei. Unter Ausblendung der Vorgeschichte und der Täter- und Täterinnenschaft vieler Menschen unseres Landes. Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv
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