Alles Geschichte! 8, Schulbuch

18 KOMPETENZTRAINING 2.3 Vorstellungen/Begriffe der Geschichte kritisch hinterfragen und anpassen: Perspektivität auf/von „Volksgruppen“ Perspektivität Darunter versteht man die Abhängigkeit der Wahrnehmungen und der Urteile von der Position des wahrnehmenden bzw. urteilenden Individuums. Die Ursprünge der Volksgruppen in Österreich Slawische Gruppen siedelten ab Ende des 6. Jh. in den südlichen und südöstlichen Gebieten des heutigen Österreichs. Die Eigenbezeichnung Slowenen wurde das erste Mal im 16. Jh. schriftlich dokumentiert. Durch die Konflikte mit dem Osmanischen Reich war das heutige Burgenland Ende des 16. Jh. weitgehend entvölkert, woraufhin Menschen aus Kroatien, Schwaben und Ostungarn angesiedelt wurden. Die ersten Zeugnisse von herumziehenden Sinti in Mitteleuropa gehen auf das 15. Jh. zurück. Am Reichstag 1498 wurden diese als „vogelfrei“ erklärt und damit aus der Gesellschaft ausgeschlossen. In den folgenden Jahrhunderten wurden diese fahrenden Händler/innen und Handwerker/innen wechselweise unter Schutz gestellt, vertrieben oder zwangsweise angesiedelt (Assimilation). Als Roma werden jene Gruppen bezeichnet, die ost- bzw. südosteuropäischer Herkunft sind. Tschechische, slowakische und ungarische Menschen zogen ab der zweiten Hälfte des 19. Jh. in die östlichen Regionen Österreichs, begünstigt durch das Aufkommen der Eisenbahn als Massentransportmittel und den Bedarf an Arbeitskräften. M1: George C. Beresford: Fantasietracht einer Sintiza oder Romni. Fotografie, um 1900. Viele junge bürgerliche Frauen ließen um 1900 solche Porträts von sich anfertigen. Fachliche Begriffe/Konzepte des Historischen auf Fallbeispiele kritisch anwenden und adaptieren In der Geschichtswissenschaft werden historische Begriffe und Konzepte eingesetzt, um übergeordnete gemeinsame Strukturen von historischen Abläufen abzubilden. Sie sind grundlegend für die Erklärung von Sachverhalten und deren Verständnis. Aufgrund der großen Zahl von Konzepten in der Geschichte werden diese zu Basiskonzepten zusammengefasst. Basiskonzepte können z. B. in historische (Zeiteinteilung, Zeitpunkte), epistemische (Belegbarkeit, Perspektivität, Konstruktivität) und gesellschaftliche (Vielfalt, Kommunikation, Handlungsspielräume, Normen, Macht) Konzepte eingeteilt werden. Allerdings werden diese in der Geschichtswissenschaft oftmals unterschiedlich definiert. Auch außerhalb der Geschichtswissenschaft haben Menschen bestimmte Vorstellungen (Präkonzepte) über die Welt und den Ablauf der Geschichte. Mit der hier ausgeführten Teilkompetenz zur historischen Sachkompetenz sollst du lernen, deine eigenen Vorstellungen zu reflektieren, zu erweitern und zu verändern, um dein Verständnis von historischen Vorgängen zu vertiefen. Begriffe/Konzepte analysieren, reflektieren und anpassen – so gehst du vor: − Notiere, welche Vorstellungen du persönlich mit diesem Begriff/Konzept verbindest. − Recherchiere unterschiedliche Erklärungen zu dem Begriff/Konzept. − Vergleiche diese Erklärungen und arbeite die Gemeinsamkeiten und Unterschiede heraus. Vor allem Unterschiede sind dabei interessant, da Begriffe/Konzepte meist keine allgemein gültige Auslegung haben. Überlege, wodurch diese Unterschiede begründet werden. − Nimm Stellung, ob sich deine ursprüngliche Vorstellung durch die Vertiefung verändert hat. Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

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