Alles Geschichte! 8, Schulbuch

23 Österreich bewarb sich mehrmals erfolgreich um die Ansiedelung von UN-Organisationen. Wien wurde 1957 Standort für die Internationale Atomenergie-Behörde (IAEA) und 1966 für die UN-Organisation für Industrielle Entwicklung (UNIDO). 1979 wurde Wien neben New York und Genf (1966) ein Amtssitz der UNO. Im Vienna International Centre (VIC), auch UNO-City, arbeiten etwa 5 000 Menschen aus mehr als 125 Ländern, ungefähr ein Drittel davon Österreicher/innen. Weltweit sind viele Menschen aus Österreich in UN-Organisationen tätig. Der ehemalige Außenminister und spätere Bundespräsident Kurt Waldheim war für zwei Perioden von 1972 bis 1981 UN-Generalsekretär (s. Alles Geschichte! 7, S. 90–91). Der Ungarnaufstand 1956 Das Wehrgesetz vom 7. September 1955 begründete mit der allgemeinen Wehrpflicht das Österreichische Bundesheer (ÖBH). Schon elf Tage nach dem ersten Einrückungstermin führte der Aufstand in Ungarn am 26.10.1956 zum ersten Einsatz der Soldaten. Gemeinsam mit Polizei und Gendarmerie sicherten sie die Grenze zu Ungarn, um das Übergreifen von Kämpfen auf österreichisches Staatsgebiet zu verhindern. Das ÖBH half, die folgende Fluchtbewegung von etwa 180 000 ungarischen Zivilpersonen und Soldaten in das Burgenland zu bewältigen. Der Großteil dieser geflüchteten Menschen wanderte in andere Länder weiter, etwa 20 000 blieben in Österreich. Die Maßnahmen zur Grenzsicherung konnten Ende Dezember eingestellt werden. (s. Alles Geschichte! 7, S. 116) Vermittler zwischen Ost und West Ab den 1960er-Jahren bot sich Österreich als neutraler Vermittler zwischen dem westlichen und dem östlichen Machtblock an. Anfang Juni 1961 trafen sich der Regierungschef der Sowjetunion, Nikita Chruschtschow, und US-Präsident John F. Kennedy in Wien. Abwechselnd mit dem ebenfalls neutralen Finnland fanden zwischen 1969 und 1972 Abrüstungsverhandlungen von USA und UdSSR (SALT) in Helsinki und in Wien statt und die Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) tagte 1986 bis 1989 ebenfalls in Wien. Der Prager Frühling 1968 Der Einmarsch der Truppen des Warschauer Pakts in der Nacht vom 20. zum 21. August 1968 in die Tschechoslowakei (ČSSR) erfolgte überraschend (s. Alles Geschichte! 7, S. 116). Uneinigkeit in der Einschätzung der Lage und Kompetenzstreitigkeiten der Regierung führten dazu, dass das ÖBH erst am Nachmittag des 21. August teilalarmiert wurde. General i. R. Siegbert Kreuter, Chef des Stabes der I. Jägerbrigade (1993) Nicht nur durfte die bereits abmarschbereite Truppe nicht ausrücken. Sie blieb in den Kasernen, hatte aber auf etwaige Anfragen zu antworten, dass sie schon ausgerückt war. […] Bei der Bevölkerung wurde das Bild 1968 durch das Fehlen des Heeres geprägt – nicht von der Einsatzbereitschaft der Truppe in den Kasernen. Das resultierende Gefühl war eindeutig: Das Bundesheer ist zu nichts fähig und lässt die Bevölkerung im Stich. M3: Steiger: Das Bundesheer in den Jahren 1968 bis 1975, 2004, S. 159. Auch wenn von der Bundesregierung eine strikte Neutralitätspolitik verfolgt wurde, nahm Österreich etwa 200 000 Flüchtlinge aus der ČSSR auf, wovon nur etwa 10 000 in Österreich blieben. ORF-Korrespondenten in Prag berichteten ausführlich über die Ereignisse. Nachrichten wurden auch in tschechischer Sprache gesendet, um die Flüchtlinge in Österreich und die Bevölkerung in der ČSSR über die Vorgänge zu informieren. Dies führte zu Unstimmigkeiten mit der Bundesregierung, die befürchtete, dass der ORF neutralitätswidrig berichtete. M4: Unbekannt: Grenze zwischen Gmünd und České Velenice. Fotografie, 1953. Jetzt bist du dran: 1. Vergleiche die Schlagzeilen von M1 mit der späteren Würdigung der Ereignisse in M2. Lässt sich aufgrund von M1 ein Erfolg des Prozesses erwarten? 2. Vergleiche anhand der Aussage in M3 die Grenzsicherungen 1956 und 1968 und bewerte, ob diese einer Neutralität entsprechen. 3. Gmünd und České Velenice (M4) waren getrennte Städte. Gehe auf Google Maps und untersuche den Grenzverlauf. Welches Bild ergibt sich daraus für die Zeit des Kalten Krieges? Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

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