24 2.6 Europäische Integration: Eine Neuausrichtung Die weltpolitische Situation änderte sich Ende der 1980er- und Anfang der 1990er-Jahre grundlegend. Während Österreichs Außenpolitik zur Zeit des Kalten Krieges durch die geografische Lage zwischen dem westlichen und dem östlichen Machtblock und eine aktive Neutralitätspolitik geprägt war, kam es durch den Fall des Eisernen Vorhangs zu einer veränderten Sicherheitslage für Österreich. Abbau des Grenzzauns zu Ungarn Nachdem die Grenzhindernisse des Eisernen Vorhangs zwischen Ungarn und Österreich veraltet waren, beschloss Ungarn Anfang 1989, diese abzubauen. Ungarische Bürgerinnen und Bürger bekamen bereits seit dem 1. Jänner 1988 einen für alle Länder der Welt gültigen Pass ausgestellt, und so wurden die Grenzzäune nicht mehr als wichtig erachtet. M1: Unbekannt: Abbau des Eisernen Vorhangs an der österreichisch-ungarischen Grenze am 2. Mai 1989. Fotografie, 1989 M2: Bernhard J. Holzner: Die Außenminister Österreichs und Ungarns, Alois Mock und Gyula Horn, durchtrennen den Eisernen Vorhang am 27.06.1989. Fotografie, 1989 Am 19. August 1989 wurde von ungarischen Oppositionsparteien das Paneuropäische Picknick an der ungarisch-österreichischen Grenze in Sopronpuszta veranstaltet. Das völkerverbindende Treffen für die Menschen in Österreich und Ungarn stand unter der Schirmherrschaft des ungarischen Kulturministers Imre Pozsgay und des Abgeordneten des Europaparlaments Otto Habsburg. Im Zuge des Picknicks konnten mehrere hundert DDR-Bürgerinnen und -Bürger nach Österreich fliehen. Der damalige Oppositionspolitiker und Mitorganisator László Nagy zur Flucht (2001) Die Flüchtlinge aus der DDR trafen nach dem Abflauen der ersten Welle ununterbrochen in Gruppen, als Familie, aber auch einzeln am Grenzübergang ein. In dem ganzen Durcheinander führten die ungarischen Grenzsoldaten die Paßkontrolle der österreichischen Pässe anders als vereinbart durch, indem sie mit dem Rücken zur ungarischen Seite standen. Die Flüchtlinge strömten, die ungarischen Grenzsoldaten von hinten umgehend, […] über die Grenze. Die österreichischen Gäste ergaben sich ihrem Schicksal und machten den Flüchtlingen höflich einen Gang in Richtung St. Margarethen frei. […] Als der Bürgermeister [von St. Margarethen] sah, was geschah, fuhr er sofort zurück ins Dorf und bat Pensionen und Restaurants telefonisch um Hilfe für die Unterbringung und Verpflegung der Flüchtlinge; ihnen sollte zudem die Möglichkeit eingeräumt werden, zu telefonieren: die Kosten hierfür übernahm die Gemeinde. Er telefonierte mit der BRD-Botschaft in Wien und in Abstimmung mit ihr bestellte er Busse für den Transport der deutschen Bürger. M3: Nagy: Das Paneuropäische Picknick und die Grenzöffnung am 11. September 1989, 2001, S. 36 (alte RS). Aber die Grenzkontrollen waren noch nicht aufgehoben. Zwei Tage später wurde ein Paar aus der DDR mit Sohn bei einer unbewilligten Grenzüberschreitung von einer ungarischen Grenzpatrouille gestellt, wobei der Mann bei einem Handgemenge mit einem Grenzsoldaten auf österreichischem Bundesgebiet erschossen wurde. Er war das letzte Todesopfer am Eisernen Vorhang. In der Nacht vom 10. auf den 11. September 1989 wurde die Grenze zu Ungarn schließlich geöffnet. Am 17. Dezember 1989 folgte die Öffnung der Grenze zur Tschechoslowakei. Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv
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