53 Der „Brexit“ „Brexit“ ist eine Wortneuschöpfung aus den Wörtern „Britain“ und „Exit“ und meint den EU-Austritt Großbritanniens. Der britische Premierminister David Cameron ließ 2016 ein Referendum über den Verbleib Großbritanniens in der EU abhalten. Sein Ziel war vermutlich, die EU-Gegner/innen in seiner Partei, der Conservative Party, unter Kontrolle zu halten, da er hoffte, dass sich die Bevölkerung für den Verbleib in der EU aussprechen werde. Die Wahlkampagnen der Brexit-Befürworter/innen richteten sich auf emotionale Themen, wie die innereuropäische Arbeitsmigration. Außerdem argumentierte die „Vote Leave“-Kampagne mit falschen Daten, z.B. über die britischen Zahlungen an die EU. Im Referendum 2016 stimmten dann 52 % der Britinnen und Briten für den EU-Austritt Großbritanniens. Der Großteil davon war älter als 45 Jahre. Die 18- bis 44-Jährigen hatten mehrheitlich für den Verbleib gestimmt. In England und Wales hatte die Bevölkerung mehrheitlich für den Austritt gestimmt, in Schottland und Nordirland jedoch für den Verbleib. M2: Daniel Leal-Olivas: Pro-EU. Fotografie, 2016. Der ehemalige Premierminister Tony Blair über die britische „EU-Skepsis“ (2010) My theory – but this may be total nonsense – is that our problem with Europe is that we didn’t invent it; or at least weren’t a founding member. M3: Blair: A Journey, 2010, S. 534. Großbritannien trat nach komplizierten Verhandlungen am 31. Januar 2020 offiziell aus der EU aus. Entwicklungen nach dem „Brexit“ Mit dem Slogan „Take Back Control“ hatten die Austrittsbefürworter damit geworben, weltweit neue Handelsverträge mit besseren Konditionen zu schließen. Dies ist allerdings ein mehrjähriger Prozess, da Großbritannien mit den Ländern einzeln verhandeln muss. Währenddessen sind britische Exporte mit Zöllen belastet, was einen Nachteil für den Handel mit Waren bedeutet. Mit einem Handels- und Kooperationsabkommen zwischen Großbritannien und der EU wurden Regelungen gefunden, die eine weitere Zusammenarbeit in bestimmten Bereichen ermöglichen. Beispiele sind der Handel mit Waren und Dienstleistungen und der Datenschutz. „Nordirland-Protokoll“ und „Windsor- Rahmen“ Erst 2023 einigten sich Großbritannien und die EU endgültig über spezifische Handelsregeln für ein Problem mit großem Konfliktpotenzial: die Außengrenze der britischen Provinz Nordirland zur Republik Irland und damit zur EU. An dieser Grenze wäre es nach dem EU-Austritt Großbritanniens zu Grenzkontrollen gekommen. M4: Paul Faith: Plakat an der irisch-nordirischen Grenze. Fotografie, 2017. Nach jahrzehntelangen gewaltsamen Konflikten um die Wiedervereinigung der irischen Insel war die Lage in Nordirland seit dem Abkommen von Belfast („Karfreitagsabkommen“) 1998 stabil. Dabei war die offene Grenze zwischen Nordirland und Irland ein wichtiger Faktor. Nun befürchtete man eine neuerliche Befeuerung dieses Konfliktes. Im Nordirland-Protokoll von 2020 wurde festgelegt, dass es auf der irischen Insel keine „harte“ Grenze mit strengen Kontrollen geben werde. Der „Windsor-Rahmen“ legte die Details, z. B. für den Warenverkehr, fest. Jetzt bist du dran: 1. Arbeite aus dem Autorentext und M3 heraus, wieso ein Brexit in Großbritannien absehbar gewesen sein könnte. 2. Formuliere auf der Grundlage von M1 und M2 Argumente für den Wiederbeitritt Großbritanniens zur EU. 3. Fasse auf Basis des Autorentextes und M4 die Schwierigkeiten einer „harten“ inneririschen Grenze zusammen. Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv
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