Alles Geschichte! 8, Schulbuch

70 5 (Neue) Medien zwischen Politik, Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft 5.1 Bildmanipulation und KI Wusstest du, dass … … Joseph Nicéphore Niépce 1826 das erste beständige Bild aufzeichnete? Die mit Asphalt beschichtete Zinnplatte musste acht Stunden lang belichtet werden. … Hippolyte Bayard 1840 die erste Bildkomposition anfertigte und somit die erste Bildfälschung? … Thomas Sutton 1861 das erste Farbfoto anfertigte? Erst 70 Jahre später wurde ein anwendungsfreundliches Verfahren entwickelt. … Bildmanipulation kein neues Phänomen ist? Schon 1855 gewann Franz Hanfstaengl auf der Pariser Weltausstellung eine Goldmedaille für die Vorführung retuschierter Fotografien. Jedes Bild birgt eine Deutung der Realität durch den Produzenten oder die Produzentin des Bildes. Das betrifft in besonderem Maß inszenierte fotografische Abbildungen: Die Aufstellung der Personen, ihre Körperhaltung, was sie gerade tun, die Perspektive auf Personen oder Gegenstände, der Bildausschnitt usw. werden gestaltet, sodass eine vorbestimmte Realität dargestellt wird. Eine unreflektierte Betrachtung und ein Fehlen des Kontextes, also des Entstehungszusammenhangs, können daher zu einer falschen Interpretation des Bildinhaltes führen. Gerade in der Erinnerungskultur an historische Ereignisse sind Bilder in Ausstellungen und Dokumentationen allgegenwärtig. M2: Allan Jackson: In Torgau an der Elbe trafen am 25.4.1945 das erste Mal US-amerikanische Soldaten und Rotarmisten aufeinander. Der Handschlag wurde am 26.4.1945 vom eigens dazu angereisten Fotografen Jackson auf der zerstörten Brücke inszeniert. Prähistorische und frühe historische Bilder sind meistens sehr vereinfacht, abstrakt oder symbolisiert. Wirklichkeitsgetreue Abbildungen kamen erst im Spätmittelalter und in der Renaissance auf. Doch es gibt ab der Neuzeit auch geschönte Darstellungen, z. B. bei Porträts. Bis Ende des 20. Jh. stand die Geschichtswissenschaft Bildern als Quelle eher skeptisch gegenüber. In vielen Fällen wurden Bilder als Illustrationen wahrgenommen und nicht als eigenständige Bedeutungsträger. Mit dem „Pictorial Turn“ bzw. „Iconic Turn“ Anfang der 1990er-Jahre kam es in den Kulturwissenschaften verstärkt zu einer Erforschung visueller Phänomene. Dabei wurden die Bilder und ihre Botschaften an die Betrachter/innen auch in den gesellschaftlichen Zusammenhang gestellt und erforscht. Der Geschichtsdidaktiker Hans-Jürgen Pandel zu Schwächen und Stärken von Bildern (2015) Schwächen: Bilder können keine Negationen ausdrücken; sie können nicht sagen, dass etwas nicht der Fall ist. Bilder können nur begrenzt quantifizieren und deshalb auch keine Häufigkeitsaussagen über Ereignisse machen. Ob ein Ereignis „einmalig“ ist oder „selten“, „immer“, „häufig“ vorkommt, kann im Bild nicht ausgedrückt werden. Stärken: Bilder halten die Zeit an. Sie konservieren flüchtige Augenblicke und stellen Momentaufnahmen dar. Dadurch liefern sie Bilddokumente, Existenzbeweise und Tatortfotos. Bilder überwinden Sprachbarrieren. Sie können über Sprachgrenzen hinweg Sinn transportieren. Zwar sind sie kulturabhängig und an kulturelle „Leseräume“ gebunden, aber sie sind nicht von einer bestimmten Sprache abhängig. M1: Pandel: Bildinterpretation, 2015, S. 20. Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

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