Alles Geschichte! 8, Schulbuch

72 5.2 Die klassische Medienlandschaft Österreichs Seit den 1980er-Jahren wird der Begriff Medien für die Gesamtheit aller Kommunikationsmittel und Kommunikationsunternehmen verwendet. Die Charakteristika von Massenmedien sind die technische Vervielfältigung der Informationen und ihre Verteilung an ein großes, räumlich verteiltes Publikum, ohne dass eine wechselseitige Interaktion zwischen den Aussendenden und den Empfängerinnen und Empfängern besteht. Zu den klassischen Massenmedien zählen Printmedien, Rundfunk, Fernsehen und Speichermedien wie DVDs. Die Zeitung Durch das von Johannes Gutenberg um 1445 entwickelte Druckverfahren mit beweglichen Lettern war es möglich, ein größeres Publikum mit aktuellen Informationen zu versorgen. Unregelmäßig erscheinende Einblattdrucke informierten über Neuigkeiten und Ereignisse. Anfang des 17. Jh. kamen die ersten periodisch erscheinenden gedruckten Nachrichtenblätter auf. 1703 erschien die erste Zeitung in Österreich, die spätere „Wiener Zeitung“, die bis 2023 als Printmedium veröffentlicht wurde. Mit der Zunahme der digitalen Medien im 21. Jh. werden immer mehr Zeitungen statt auf Papier als E-Paper herausgegeben. Austria Presse Agentur: „Wiener Zeitung“ zieht ein Jahr nach Print-Aus „klar positive Bilanz“ (2024) „Seit dem Herbst letzten Jahres erreichen wir mit unseren digitalen Angeboten mehr Menschen als zuvor mit der Printausgabe – ein echter Erfolg, der die Relevanz der Transformation unterstreicht“, sagte Fleischhacker auf Anfrage der [Nachrichtenagentur] APA. Die Zielgruppe wurde neu definiert. Die „WZ“ will verstärkt jüngeres Publikum ansprechen und startete dafür etwa einen TikTok-Auftritt. Dort hat sie mittlerweile 17.700 Follower, manche Videos wurden hunderttausendfach angeklickt, andere kommen nur auf wenige tausend Abrufe. M1: Aus: Salzburger Nachrichten, 27.6.2024. Online auf: www.sn.at (4.10.2024). Das Kino: von den Anfängen bis 1938 1896 lud Eugene Dupont zur ersten in Wien belegten öffentlichen Vorführung mit dem Lumière’schen Kinematographen ein. Kurz darauf folgten tägliche Aufführungen in einfachen Räumen oder Höfen Wiens. In ländlichen Gebieten Österreichs zeigten Wanderkinos nur wenige Minuten lange dokumentarische und fiktionale Kurzfilme in Gasthöfen. Das erste Kinogebäude entstand 1902 im Wiener Prater, 1918 gab es allein in Wien 155 Kinos. Ab 1907 wurden österreichische Filme produziert. 1926 fiel die Kinozensur. Im gleichen Jahr gründete die Sozialdemokratische Arbeiterpartei (SDAP) in Wien die Kinobetriebsanstalt, zum einen, um das Kino politisch nutzen zu können, und andererseits, um der Wiener Arbeiterschaft einen günstigen Kinobesuch zu ermöglichen. Ende der 1920er-Jahre wurden in Österreich die ersten abendfüllenden Tonfilme gezeigt, was bei den Kinomusikern zu Protesten führte, da sie um ihre Arbeitsplätze fürchteten. 1934, während des Dollfuß-Regimes, wurde die Filmzensur wieder eingeführt. Es folgten weitere ständestaatliche Kontrollmaßnahmen für die mittlerweile 738 Kinos. Das Kino als Ort der Propaganda Nach der Eingliederung Österreichs in das nationalsozialistische Deutsche Reich 1938 („Anschluss“) wurden im Rahmen der „Gleichschaltung“ sämtliche österreichischen Filmorganisationen aufgelöst und die Kinos der Reichsfilmkammer unterstellt (s. Alles Geschichte! 7, S. 64). Die Hälfte der Wiener Kinos wurde „arisiert“, das heißt, die jüdischen Besitzer/innen wurden enteignet oder mussten ihr Kino für einen geringen Betrag verkaufen. Während des Zweiten Weltkrieges zielten die Unterhaltungsfilme und „Wochenschauen“ auf Propaganda ab. Das Kino in der Zweiten Republik In der Nachkriegszeit wurde neben reinen Unterhaltungsfilmen 1952 auch der Film „1. April 2000“ gedreht. Im Science-­ Fiction-Film im Auftrag der österreichischen Bundesregierung ist Österreich im Jahr 2000 noch immer alliiert besetzt. M2: Unbekannt: Dreharbeiten zum Kinofilm „1. April 2000“ im Ehrenhof von Schloss Schönbrunn. Fotografie, 1952 Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

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