73 Mit der Zunahme der Fernsehgeräte in den Haushalten in den 1970er-Jahren ging die Anzahl der Kinos stark zurück. In den 1980ern kamen Kinocenter auf, da kleine Kinos unrentabel wurden. Der Rundfunk 1923 sendete ein privater Versuchssender in Wien zum ersten Mal ein Sprach- und Musikprogramm. 1924 wurde die Sendekonzession an die öffentliche Rundfunkgesellschaft Radio-Verkehrs-AG (RAVAG) vergeben. Diese sendete unter dem Namen Radio Wien ab 1. Oktober 1924. 1925 folgte als erster Zwischensender Radio Graz, nach und nach wurden alle Regionen Österreichs erschlossen. Obwohl Radioapparate sehr teuer waren, gab es Anfang der 1930er-Jahre bereits eine halbe Million angemeldete Rundfunkteilnehmer/innen. Für technisch Kundige gab es eigene Anleitungen, um Empfangsgeräte selbst herzustellen. Das Medium Hörfunk wurde nun auch für die Politik interessant. Der Hörfunk als Propagandamittel Nach dem „Anschluss“ 1938 ging die RAVAG im Reichssender Wien auf. Der Großdeutsche Rundfunk in Berlin produzierte nun das Programm. Mit dem „Volksempfänger“ brachte das NS-Regime ein preisgünstiges Radiogerät auf den Markt, über das Propaganda gesendet wurde. Ab 1943 sendete die britische BBC ein eigenes deutschsprachiges Programm für Österreich. Obwohl das Abhören von sogenannten Feindsendern mit schweren Strafen geahndet wurde, erreichten sie viele Hörer/innen. Der ORF: Ton und Bild in der Zweiten Republik Nach dem Krieg war die öffentliche Verwaltung für das österreichische Rundfunkwesen verantwortlich. Neben Radio Wien kam es zur Gründung eigener Rundfunkgesellschaften der westlichen Besatzungsmächte. M3: Österreichische Volkspartei: 4 Jahre „befreiter“ Rundfunk. Wahlplakat zur Nationalratswahl 1949 Nach der Unabhängigkeit Österreichs wurde der Österreichische Rundfunk (ORF) gegründet, der ab 1957/58 der alleinige Anbieter von Hörfunk und auch Fernsehen war. Die wichtigsten Stellen im ORF waren nach dem Proporz (s. S. 20) zwischen SPÖ und ÖVP aufgeteilt. Das Rundfunkgesetz 1966 ermöglichte eine objektive, unparteiliche Berichterstattung sowie die Einführung der Programme Ö1, Ö3 und ÖR (Österreich Regional). Das innovative und kritische Programm von Ö3 sprach die Jugendbewegungen der 1960er-Jahre an. Gesendet wurden Informationen zu von Jugendlichen diskutierten Themen und moderne Musik. 1974 wurde in einem weiteren Reformschritt der ORF in eine „öffentlich-rechtliche Anstalt mit einem Programmauftrag“ umgewandelt. Im November 1993 verurteilte der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte die Republik Österreich wegen Verstoßes gegen das Recht auf freie Meinungsäußerung. Ab 1994 wurde daher das ORF-Monopol teilweise aufgehoben und regionale Privatsender wurden erlaubt. Ab 1998 sendeten Privatradios auf dem gesamten Bundesgebiet. Das Fernsehen Ab 1. August 1955 startete der ORF ein öffentliches Fernseh-Versuchsprogramm mit 30 Minuten Sendezeit drei Mal in der Woche. Ende 1955 wurde bereits die erste „Zeit im Bild“ ausgestrahlt. Zu den ersten großen Herausforderungen zählte die Berichterstattung über den Aufstand in Ungarn 1956. Der reguläre Fernsehbetrieb startete am 1. Jänner 1957. Ein Meilenstein der Fernsehgeschichte war die Liveübertragung der Mondlandung der US-amerikanischen Raumkapsel Apollo 11 am 20. Juli 1969. Ab 1969 wurde auch das Farbfernsehen möglich. Während die gesellschaftliche Oberschicht dem Fernsehen zunächst skeptisch gegenüberstand, nahm die Mittelschicht das Medium gut an. Die Zahl der Fernsehbewilligungen lag 1960 bei 100 000 und verzehnfachte sich bis 1967. Jetzt bist du dran: 1. Erhebt in Bezug zu M1, welche herkömmlichen Medien zum Erhalt welcher Inhalte in der Klasse täglich benutzt werden. Vergleicht eure Ergebnisse mit der Lebenswelt der Menschen vor der Einrichtung des Internets. 2. Recherchiere auf anno.onb.ac.at die „Weltpresse“ vom 21. November 1952 auf Seite 6 und informiere dich über die Handlung des Films „1. April 2000“. 3. Rekonstruiere anhand von M3 die Situation für Radiohörende während der Besatzungszeit. Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv
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