Alles Geschichte! 8, Schulbuch

78 5.5 Geschichtsdarstellungen in Neuen Medien Geschichtsdarstellungen in Neuen Medien Geschichtsdarstellungen findet man auf Video- und/oder Foto-Sharing-Plattformen, auf Blogs, als Podcasts und bei Streaminganbietern. Die Beiträge stammen einerseits von Akademikerinnen und Akademikern von Universitäten oder Museen, andererseits von geschichtsinteressierten Personen, wie z.B. Reenactment-Darstellern, Geschichtsvermittlerinnen oder Handwerkern. Die Historikerinnen Mia Berg und Andrea Lorenz zu geschichtsbezogenen Instagram-Formaten (2023) Insgesamt lassen sich in den inhaltsanalytisch betrachteten Beiträgen und der Befragung sechs Idealtypen geschichtsbezogener Instagram-Formate […] identifizieren: • Alltagshistoriografie • Unterhaltungshistoriografie • Historisch-Politische Bildung • Wissenschaft • Geschichtsverzerrung • Öffentlichkeitsarbeit M3: Berg/Lorenz: #InstaHistory, 2023, S. 85–86. @ichbinsophiescholl Ziel der Geschichtsdarstellungen in digitalen Medien ist oftmals, Jugendliche für geschichtliche Themen zu interessieren. Geschichtsdarstellungen auf Social-Media-Plattformen haben strenge Vorgaben, was die Länge der Beiträge und das Format betrifft. Komplexe Sachverhalte darzustellen, ist daher sehr schwierig. Einen Versuch, eine Plattform für eine längere Geschichtsdarstellung zu nutzen, stellte das Instagram-Projekt @ichbinsophiescholl von zwei deutschen öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten (SWR und BR) dar. M4: Unbekannt: Luna Wedler als Sophie Scholl. Fotografie bei der Produktion von @ichbinsophiescholl, SWR Die Verbreitung von Geschichtsdarstellungen fand bis Anfang des 21. Jh. durch die traditionellen Medien statt. Neue Medien, d. h. alle Arten von digitalen Medientechnologien, ermöglichen es den Nutzerinnen und Nutzern, eigene Geschichtsdarstellungen anzufertigen, zu verbreiten und zu konsumieren. M1: Andreas Arnold: Virtuelle Stadtführung von Frankfurt ins Jahr 1891. Fotografie, 2020 Vor- und Nachteile der Neuen Medien Die neuen technischen Möglichkeiten und die digitale Vernetzung erleichtern die Recherche, Erstellung und Verbreitung sowie das Konsumieren von Geschichtsdarstellungen. Digitale geschichtskulturelle Produkte haben im Allgemeinen eine größere Reichweite als wissenschaftliche Fachbücher. Sie werden aber oft als unzureichend, verkürzt oder unwissenschaftlich kritisiert. Die digitale Vernetzung stellt Geschichtsdarstellungen Nutzerinnen und Nutzern weltweit zur Verfügung. Das unterstützt die Demokratisierung und das Aufzeigen der Multiperspektivität von Geschichte. Durch den niederschwelligen Zugang zur Veröffentlichung lassen sich auch spezifische Nischenprodukte auffinden, wie Regionalgeschichte oder rekonstruierte Handwerkstechniken. Der Didaktiker Olaf Hartung zu historischem Lernen in einer digitalen (Geschichts-)Kultur (2022) Zugleich büßen die einst das Geschichtsbewusstsein prägenden Institutionen ihre bisherige Bindungskraft ein – dies gilt etwa für Parteien, Kirchen und Vereine, aber auch für Printmedien, Museen und schulischen Geschichtsunterricht. Etablierte Organisationen verlieren ihre bisher dominante Stellung zugunsten einer sogenannten Community of Practice [= eine selbstorganisierte Gruppe mit gemeinsamen Interessen]. M2: Hartung: Historisches Lernen in einer ,(Geschichts-)Kultur der Digitalität‘, 2022, S. 139. Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

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