Alles Geschichte! 8, Schulbuch

86 LÄNGSSCHNITT Das Gleichbehandlungsgesetz von 1975 stellt Männer und Frauen rechtlich gleich und legt unter anderem fest, dass ihnen die gleiche Lohn-/Gehaltshöhe für gleiche Arbeit zusteht. In der Praxis ist diese Gleichstellung jedoch bis heute nicht erreicht. M5: Arbeiterversammlung in Wien. Einführung der Dezemberverfassung in Österreich-Ungarn, Dezember 1867. Holzstich, 1868 M6: Helmut Fohringer: Außerordentliche Betriebsversammlung der Austrian Airlines. Fotografie, 22.3.2018 1970er-Jahre Die Regierung des sozialdemokratischen Bundeskanzlers Bruno Kreisky setzte die Idee eines umfassenden Sozialstaats um, der neben der Absicherung gegen Risiken auch auf die Förderung von Chancengleichheit abzielte. Allerdings waren viele staatliche Leistungen nicht sozial gestaffelt, sodass auch gut verdienende Menschen davon profitierten. Dies erhöhte die Einkommensungleichheit. Die Reformen der SPÖ-Alleinregierung (1971 bis 1983) konnten aufgrund der SPÖ-Mehrheit im Parlament unabhängig von den Stimmen der Opposition durchgesetzt werden. Unter Kreisky wurde beispielsweise die Arbeitslosenversicherung ausgeweitet und der Zugang zur Gesundheitsversorgung vereinfacht. Auch die Pensionen wurden erhöht. Die Einführung des Mutter-Kind-Passes führte in den Folgejahrzehnten zu einer Reduktion der Säuglingssterblichkeit in Österreich. Auch das Bildungssystem wurde in dieser Zeit grundlegend reformiert. Schüler/innen bekamen von nun an kostenlose Schulbücher, das Schulgeld wurde abgeschafft und die Schülerfreifahrt eingeführt. An Universitäten mussten keine Studiengebühren mehr bezahlt werden. Von der Opposition wurde kritisiert, dass Kreisky dafür eine hohe Staatsverschuldung in Kauf nahm. Bruno Kreisky in einer Wahlkampfrede (1979) Und wenn mich einer fragt, wie denn das mit den Schulden ist, dann sag’ ich ihm das, was ich immer wieder sage: dass mir ein paar Milliarden [Schilling] mehr Schulden weniger schlaflose Nächte bereiten, als mir ein paar hunderttausend Arbeitslose mehr bereiten würden. M4: Aus: Die Presse, 13.12.2018. Weiters wurde die Wochenarbeitszeit bis 1975 schrittweise auf 40 Stunden reduziert. Gleichzeitig wurde das Urlaubsrecht auf 24 Tage pro Jahr ausgeweitet und der Anspruch auf Pflegefreistellung gesetzlich festgeschrieben. Ein zentrales Anliegen der Regierung Kreisky war auch die soziale und rechtliche Gleichstellung von Frauen und Männern. Bereits seit 1957 hatten Mütter Anspruch auf einen sechsmonatigen, jedoch unbezahlten Karenzurlaub nach der Geburt ihres Kindes. 1974 wurde das Mutterschutzgesetz ausgeweitet und die Karenzregelung überarbeitet, indem jede Arbeitnehmerin – unabhängig vom Partnereinkommen – Anspruch auf Karenzgeld hatte und ihre Karenzzeit auf die Pension anrechnen konnte. Jetzt bist du dran: 1. Interpretiere Ferdinand Hanuschs Aussage in M2 vor dem Hintergrund der sozialen Frage. 2. Auf M3 siehst du den Reumann-Hof in Wien. Recherchiere, welche Grundausstattung die Gemeindewohnungen in den 1920er-Jahren aufwiesen. 3. Beurteile das Zitat von Bruno Kreisky (M4). Inwiefern stimmst du ihm (nicht) zu? 4. Vergleiche die Bilder M5 und M6 miteinander (z. B. in Hinblick auf die Inszenierung der Arbeiter/innenschaft). Informiere dich, wo man als arbeitnehmende Person Rat und Hilfe bekommt. Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

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