Organsysteme des Menschen Das Hormonsystem Das Hormonsystem ist neben dem Nervensystem das zweite große Steuerungs- und Informationssystem des menschlichen Körpers. Die Steuerung bzw. Informationsweitergabe erfolgt durch Hormone. Hormone sind Stoffe, die von Hormondrüsen ( Abb. 3), spezialisierten Nervenzellen oder speziellen Geweben (zB Gewebe der Magenwand) gebildet werden und im Körper bestimmte Wirkungen hervorrufen. Hormone sind dort wirksam, wo es Rezeptoren für sie gibt Die Hormone werden ins Blut abgegeben und über das Blutgefäßsystem verteilt. Sie können nur dort wirksam werden, wo sie von speziellen Empfängern (Rezeptoren) aufgenommen werden. Für das Hormon Insulin, das in der Bauchspeicheldrüse gebildet wird, gibt es zum Beispiel Rezeptoren auf fast allen Zellen. Insulin bewirkt die Aufnahme von Traubenzucker aus dem Blut in die Zellen ( Blutzuckerregelung, S.104). Hypothalamus – Bindeglied zwischen Hormon- und Nervensystem Die Freisetzung von Hormonen wird vom zentralen Nervensystem veranlasst. Eine wichtige Rolle spielt dabei ein Bereich des Zwischenhirns, der so genannte Hypothalamus ( Abb. 4). Er ist das Bindeglied zwischen dem Hormonsystem und dem vegetativen Nervensystem: Der Hypothalamus setzt bei Bedarf kleine Hormonmengen frei, die hauptsächlich auf die Hirnanhangsdrüse ( Abb. 4) wirken. Diese schüttet daraufhin selbst auch Hormone aus. Einige Hypophysenhormone steuern ihrerseits die Produktion und Freisetzung von Hormonen anderer Hormondrüsen. Ein kleiner Teil wirkt aber auch direkt auf bestimmte Organe. Das follikelstimulierende Hormon wirkt zB auf Hoden bzw. Eierstöcke. Nebennierenmark – „verlängerter Arm des Nervensystems“ Stell dir vor: In der ersten Unterrichtsstunde steht eine Schularbeit an. Du müsstest spätestens um 7 Uhr aus dem Haus gehen, um rechtzeitig in die Schule zu kommen. Doch du hast vergessen, den Wecker zu stellen – und wachst erst fünf Minuten vor 7 Uhr auf. In diesem Schreckmoment reagiert dein Körper sofort: Über den Sympathikus wird das Nebennierenmark angeregt. Es gibt die Hormone Adrenalin und Noradrenalin ins Blut ab. Diese Hormone wirken sehr schnell: Sie erhöhen den Blutzuckerspiegel, damit mehr Energie zur Verfügung steht, beschleunigen den Herzschlag und die Atmung, sodass du mehr Sauerstoff aufnehmen kannst. Dein Körper wird dadurch in höchste Alarm- und Leistungsbereitschaft versetzt. Du springst aus dem Bett, ziehst dich blitzschnell an und rennst los. Erst als du in der Schule ankommst, merkst du, wie dein Herz rast, du schnell atmest und zu schwitzen beginnst – typische Anzeichen einer Stressreaktion. Adrenalin und Noradrenalin aktivieren also in kurzer Zeit Energiereserven und machen den Körper bereit für Höchstleistungen. Solche Reaktionen nennt man Stressreaktionen. Wenn auf Stressphasen wieder Erholungsphasen folgen, ist Stress nicht schädlich, sondern sogar nützlich: Er stärkt den Körper und verbessert seine Anpassungsfähigkeit an körperliche und seelische Belastungen. 3 Hormondrüsen des Menschen, Mann/ Frau (Schema) Hypothalamus Hypophyse Thymusdrüse Nebenniere Hoden Eierstock Bauchspeicheldrüse Schilddrüse Hormondrüsen produzieren Hormone und geben diese direkt an das Blut ab. spezialisierte Nervenzellen zB im Hypothalamus oder in der Zirbeldrüse Gewebe der Magenwand sondert das Hormon Gastrin ab, das u.a. die Produktion der Magensäure bewirkt. Hypothalamus hypo (griech.) = unter, darunter; thalamos (griech.) = Kammer follikelstimulierendes Hormon kurz als FSH bezeichnet, bewirkt beim Mann die Produktion der Spermien in den Hoden und bei der Frau das Heranreifen einer Eizelle in einem der beiden Eierstöcke 4 Lage des Hypothalamus und der Hypophyse (Hirnanhangsdrüse) im Gehirn Hinterhaupt Hypothalamus Stirnseite Hypophyse 102 Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv
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