Begegnungen mit der Natur 4, Schulbuch

Die Sexualität des Menschen Entwicklung der Geschlechtsorgane Bei einem Embryo bilden sich in den ersten Wochen Anlagen für die Geschlechtsorgane. Diese sind aber noch nicht männlich oder weiblich ausgebildet. Erst ab der siebten Entwicklungswoche beginnen sich aus den geschlechtsneutralen Keimdrüsenanlagen Hoden oder Eierstöcke zu entwickeln. Die Hodenbildung wird in der Regel durch das SRY-Gen eingeleitet. Dieses Gen befindet sich auf dem Y-Chromosom. Entwickeln sich Hoden, bilden sie Hormone, vor allem Androgene wie Testosteron. Diese Hormone fördern die weitere Entwicklung männlicher Geschlechtsorgane. Gibt es kein wirksames SRY-Gen, entwickeln sich aus den Keimdrüsenanlagen Eierstöcke. Weil keine Hoden entstehen, fehlen die Hormonsignale, die sonst die männliche Entwicklung fördern. Deshalb entwickeln sich weibliche Geschlechtsorgane. Die Geschlechtsentwicklung kann unterschiedlich verlaufen Die Entwicklung der Geschlechtsorgane verläuft nicht immer vollständig männlich oder weiblich. Solche Varianten der körperlichen Geschlechtsentwicklung werden als Intergeschlechtlichkeit oder Intersexualität bezeichnet. Sie können unterschiedlich ausgeprägt sein. So kann es zum Beispiel vorkommen, dass das SRY-Gen auf dem Y-Chromosom fehlt oder verändert ist. Auch die Menge der gebildeten Geschlechtshormone oder deren Wirkung auf die Zellen kann verändert sein. Ein Beispiel ist die Androgenresistenz. Dabei bilden die Hoden zwar Androgene, die Zellen können aber nicht oder nur teilweise darauf reagieren. Ursache kann eine Mutation im Gen für den Androgenrezeptor sein. Ist das Rezeptorprotein verändert, können Androgene nicht richtig andocken oder ihr Signal wird in der Zelle nicht richtig weitergegeben. Die Hormonwirkung bleibt deshalb ganz oder teilweise aus. Reagieren die Zellen gar nicht auf Androgene, entwickeln sich trotz vorhandener Hoden keine typisch männlichen äußeren Geschlechtsorgane. Stattdessen können sich Vulvalippen und Klitoris entwickeln. Eine Gebärmutter und Eileiter bilden sich meist nicht aus, weil die Hoden zusätzlich ein Hormon bilden, das die Entwicklung dieser Organe verhindert. Reagieren die Zellen nur teilweise auf Androgene, können die äußeren Geschlechtsorgane unterschiedlich ausgebildet sein. Möglich sind zum Beispiel ein kleiner Penis, eine vergrößerte Klitoris oder eine anders gelegene Harnröhrenöffnung. Intergeschlechtlichkeit kann sehr unterschiedlich ausgeprägt sein. Manche körperlichen Merkmale sind deutlich sichtbar, andere kaum oder gar nicht. Unwissenheit und Vorurteile können dazu führen, dass intersexuelle Menschen verspottet, ausgegrenzt oder nicht ernst genommen werden. Manche erleben auch Druck, sich eindeutig als männlich oder weiblich einordnen zu müssen. Sachliches Wissen hilft, Vorurteile abzubauen und einen gleichberechtigten Umgang zu fördern. 3 Embryonale Entwicklung männlicher Geschlechtsorgane im Überblick 4 Embryonale Entwicklung weiblicher Geschlechtsorgane im Überblick) Androgene/Testosteron Androgene sind Geschlechtshormone, die vor allem die Entwicklung männlicher Geschlechtsmerkmale fördern. Testosteron ist ein Androgen, das bei Menschen aller Geschlechter vorkommt. andros (griech.) = Mann genos (griech.) = das Geschlecht SRY-Gen Gen, das den Bauplan für ein Protein enthält, das die Entwicklung von Hoden einleitet; Sex-determining Region of Y (engl.) = geschlechtsbestimmende Region Intergeschlechtlichkeit/­ Intersexualität inter (lat.) = zwischen 117 Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

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