Begegnungen mit der Natur 4, Schulbuch

Landwirtschaft im Wandel Monokulturen haben wirtschaftliche Vor-, aber auch Nachteile Im Zuge der Flurbereinigungen ging man in vielen Betrieben dazu über, Kulturpflanzen in Monokulturen anzubauen. Monokulturen erleichtern die Bewirtschaftung – Maschinen, Saatgut, Düngung und Pflanzenschutz können gezielt auf eine Kulturpflanze abgestimmt werden. Arbeitsabläufe werden dadurch vereinfacht, und der Einsatz moderner Technik wird effizienter. Dadurch lassen sich Kosten senken und hohe Erträge erzielen. Diese Form der Bewirtschaftung bringt aber auch Nachteile mit sich. Ein Betrieb, der nur eine einzige Kulturpflanze anbaut, ist stark vom Markt abhängig. Sinkt der Preis für dieses Produkt, hat der Betrieb kaum Ausweichmöglichkeiten. Zudem hängen viele Monokulturen von zugekauftem Saatgut, Mineraldünger ( S. 42) und Pflanzenschutzmitteln ( S. 43) ab. Dadurch entsteht eine wirtschaftliche Abhängigkeit von entsprechenden Herstellern. Ein weiteres Risiko besteht bei extremen Wetterereignissen oder beim massenhaften Auftreten von Schadorganismen, die auf die angebaute Pflanzenart spezialisiert sind. Wenn auf einer großen Fläche nur eine Pflanzenart wächst, kann ein Unwetter, eine längere Trockenperiode oder ein starker Befall durch Schadorganismen dazu führen, dass die gesamte Ernte ausfällt. Das wirtschaftliche Risiko ist daher höher als bei einer vielfältigeren Bewirtschaftung auf kleineren Anbauflächen. Ökologische Folgen von Monokulturen für den Boden Wenn über viele Jahre hinweg immer dieselbe Pflanzenart auf einer Fläche angebaut wird, werden Mineralstoffe einseitig entzogen. Werden sie hauptsächlich durch Mineraldünger ersetzt, fehlt das organische Ausgangsmaterial für den Humusaufbau. Wird zudem häufig gepflügt, beschleunigt dies zusätzlich den Abbau von Humus, weil mehr Sauerstoff in den Boden gelangt und Bodenorganismen organisches Material schneller zersetzen. Wird weniger „eingelagert“ als abgebaut, nimmt der Humusgehalt allmählich ab. Mit dem Rückgang des Humus nehmen auch Zahl und Vielfalt der Bodenorganismen wie Regenwürmer, Bakterien und Pilze ab. Diese Organismen bauen abgestorbenes Pflanzenmaterial ab und tragen zur Bildung stabiler Bodenkrümel bei. Dadurch entsteht eine lockere Bodenstruktur mit vielen Hohlräumen. Nimmt die Zahl der Bodenorganismen ab, verschlechtert sich die Bodenstruktur. Der Boden verliert seine lockere Krümelstruktur, wird dichter und enthält weniger Hohlräume. Dadurch wird der Boden weniger durchlüftet, Wasser kann schlechter versickern und gespeichert werden. Im verdichteten Boden können sich die Pflanzenwurzeln schlechter ausbreiten. Die Pflanzen sind daher weniger gut im Erdreich verankert und nehmen zudem weniger Wasser und Mineralstoffe auf. Aufgrund der geringeren Durchwurzelung verliert der Boden an Stabilität, es steigt die Gefahr der Erosion durch Wind und Wasser. Auch der Einsatz schwerer Maschinen, wie Traktoren oder Erntemaschinen, die das Gewicht auf den Boden drücken, fördert die Bodenverdichtung. Ein humusreicher, intakter Boden ist nicht nur für die Bodenorganismen und die Pflanzen von Bedeutung. Im Humus bleibt langfristig Kohlenstoff gespeichert, anstatt als Kohlenstoffdioxid in die Atmosphäre zu gelangen. Ein stabiler Boden ist daher auch ein Beitrag zum Klimaschutz. 10 Rapsmonokultur 11 Am verdichteten Ackerboden versickert das Regenwasser nur langsam. 12 Auch schwere Traktoren und Landmaschinen verdichten den Boden. Monokulturen landwirtschaftliche, forstwirtschaftliche oder gartenbauliche Flächen, auf denen über mehrere Jahre immer dieselbe Pflanzenart angebaut wird. monos (griech.) = allein, cultura (lat.) = Anbau, Pflege Saatgut Für den Anbau in Monokulturen wurde Saatgut entwickelt, das besonders hohe und gleichmäßige Erträge liefert. Dies allerdings nur für ein Jahr. Die Samen dieser Pflanzen behalten diese Eigenschaften in der nächsten Generation nicht zuverlässig bei. Deshalb lohnt es sich nicht, eigenes Saatgut zurückzubehalten – es wird neu gekauft. 41 Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

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