Landwirtschaft als Ökosystem Hecken und Feldraine fördern die Biodiversität Die Intensivierung der Landwirtschaft hat die Erträge deutlich erhöht und die Arbeit erleichtert. Demgegenüber stehen ökologische Auswirkungen wie der Verlust von Lebensräumen und Rückgang der Biodiversität. Auch die Entfernung von Hecken und Feldrainen im Zuge der Flurbereinigung war wesentlich. Mit ihnen verschwanden nicht nur Abgrenzungen zwischen Feldern und Wiesen, Hecken und Feldraine erfüllen viele weitere Funktionen: Sie bremsen den Wind und schützen den Boden vor Abtragung, sodass die humus- und mineralstoffreiche Bodenschicht erhalten bleibt. Gleichzeitig verringern sie die Verdunstung und verbessern die Wasserversorgung der Pflanzen in Trockenzeiten. Außerdem verbinden sie als Lebens- und Rückzugsräume Wiesen, Felder, Gewässer und Wälder und erleichtern so Pflanzen und Tieren die Ausbreitung. Durch ihren gestuften Aufbau – von krautigen Pflanzen über Sträucher bis zu einzelnen Bäumen – gibt es in einer Hecke auch viele unterschiedliche Lebensbereiche. Im Inneren liegt die Kernzone mit dicht wachsenden Sträuchern. Daran schließt die Mantelzone mit blüten- und fruchtreichen Sträuchern an. Die Saumzone verbindet die Hecke mit der angrenzenden Wiese oder dem Feld. Auch der Bodenbereich unter der Hecke ist Lebensraum für zahlreiche Kräuter, Moose und Kleintiere. In der Erde stabilisieren Wurzeln den Boden und verhindern Erosion. Tiere wie Hermelin, Spitzmaus, Igel, Erdkröte und Neuntöter leben in der Hecke und starten von hier aus zu ihren Beutezügen in die Felder. Sie ernähren sich ua. von Blattläusen oder Raupen, die die Kulturpflanzen schädigen. Sie regulieren dadurch den Befall auf natürliche Weise. Auch Feldraine ( S. 36) tragen zur Strukturvielfalt bei. Da sie meist nicht gepflügt und gedüngt werden, können dort Pflanzen wachsen, die auf Ackerflächen kaum noch vorkommen. Gelangen jedoch Dünger oder Pflanzenschutzmittel auf die Feldraine, nimmt die Artenvielfalt ab. Zum Schutz der Strukturvielfalt werden Hecken und Feldraine heute vielerorts wiederhergestellt. Förderprogramme unterstützen landwirtschaftliche Betriebe, die solche Strukturen pflegen, finanziell. 18 Die Drossel ist ein Heckenbrüter. 19 Die Erdkröte überwintert in der Hecke. Kernzone Die dichten Zweige bieten Vögeln Nistplätze und Schutz. Auch kleine Säugetiere wie Haselmäuse, Igel oder Hermeline finden Unterschlupf. In der Rinde und im Holz leben Insekten und Spinnen. Mantelzone Hier wachsen blüten- und fruchtreiche Sträucher. Sie bieten Vögeln und Insekten Nahrung. Auch Kleinsäuger und Amphibien nutzen den Bereich als Lebensraum. Saumzone Blühende Pflanzen ziehen zahlreiche Insekten an. Vögel suchen hier nach Samen und Insekten, auch Hasen und Kaninchen finden Nahrung. 20 Heckenbewohner entfernen sich tagsüber unterschiedlich weit aus ihrem geschützten Unterschlupf, zB zur Nahrungssuche. Saumzone Steinmarder bis 1000 m Igel bis 250 m Goldammer bis 150 m Ameise bis 50 m Neuntöter bis 75 m Fuchs bis 3000 m Erdkröte bis 150 m Laufkäfer bis 50 m Mantelzone Saumzone Mantelzone Kernzone 44 Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv
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