Begegnungen mit der Natur 4, Schulbuch

Landwirtschaft als Ökosystem Grünlandnutzung Nach 1950 veränderte sich neben dem Ackerbau auch die Tierhaltung. Technische Entwicklungen, neue Stallformen und leistungsfähigere Züchtungen ermöglichten es, mehr Tiere in einem Betrieb zu halten und die Produktion von Fleisch, Milch und Eiern deutlich zu steigern. Diese Entwicklung wird als Intensivierung der Tierhaltung bezeichnet. Die Tierhaltung steht in engem Zusammenhang mit Pflanzenbau und Boden. Tiere benötigen Futter, das auf Wiesen, Weiden oder Ackerflächen wächst. Gleichzeitig liefern sie mit Mist und Gülle organischen Dünger, der wieder auf landwirtschaftliche Flächen ausgebracht wird. Eine besondere Rolle spielt dabei das Grünland. Wiesen und Weiden liefern Futter für viele Nutztiere und sind gleichzeitig Lebensraum für zahlreiche Pflanzen- und Tierarten. Wie Grünland genutzt wird, beeinflusst daher sowohl die Tierhaltung als auch die Biodiversität der Agrarlandschaft. Kulturlandschaften bleiben nur durch regelmäßige Nutzung erhalten Wiesen und Weiden müssen gemäht beziehungsweise beweidet werden. Wird die Nutzung aufgegeben, verändern sich Pflanzenbestand und Struktur allmählich. Nutzung formt daher nicht nur Landschaften – sie erhält bestimmte Lebensräume und verhindert andere Entwicklungen. Wiesen sind vielschichtige Ökosysteme Durch die unterschiedlichen Höhen der Pflanzen weist eine Wiese einen Aufbau aus mehreren Schichten auf. In Bodennähe leben Regenwürmer, Asseln und Insektenlarven, die abgestorbenes Pflanzenmaterial zersetzen. Darüber wachsen Gräser und Kräuter, die zahlreichen Pflanzenfressern Nahrung bieten. In der Blütenschicht finden Bestäuber wie Bienen oder Schmetterlinge Nahrung. Die verschiedenen Pflanzenschichten schaffen vielfältige Lebensräume und Nahrungsbeziehungen ( Abb. 24). Nutzung beeinflusst die Artenvielfalt Die Struktur einer Wiese bleibt nicht immer gleich. Wie vielfältig sie aufgebaut ist, hängt davon ab, wie sie genutzt wird. Häufiges Mähen fördert das Nachwachsen junger, eiweißreicher Gräser und erhöht den Futterertrag. Gleichzeitig nimmt jedoch die Artenvielfalt ab – viele Pflanzen haben nicht genügend Zeit, Blüten und Samen zu bilden. Dadurch verringert sich die Zahl der blühenden Arten. Auch Insekten, die auf Blüten angewiesen sind, finden weniger Nahrung. Heute wird Grünland in Österreich überwiegend intensiv genutzt: Mehr als die Hälfte der Wiesen wird drei Mal oder öfter pro Jahr gemäht, um möglichst viel Futter für die Tierhaltung zu gewinnen. 21 Neue Stallformen ermöglichten es, mehr Tiere in einem Betrieb zu halten. 22 Wiesen mit vielen blühenden Pflanzen bieten zahlreichen Bestäubern wie Bienen und Schmetterlingen Nahrung. 23 Bienen sammeln Nektar und Pollen und bestäuben dabei die Blüten. 1. Ordne in Abb. 24 auf S.47 die Namen der Tiere mit Hilfe der Buchstaben richtig zu und zeichne mögliche Nahrungsketten in Abb. 24 ein ( wird gefressen von). 2. Stell dir vor, die Wiese in Abb. 24 wird dreimal im Jahr gemäht und stark gedüngt. Beschreibe die Auswirkungen, die häufiges Mähen auf die dort lebenden Pflanzen und Tiere haben kann. 3. Beurteile die Vor- und Nachteile häufigen Mähens sowohl aus landwirtschaftlicher Sicht als auch aus Sicht des Naturschutzes. Du bist dran! 46 Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

RkJQdWJsaXNoZXIy MjU2NDQ5MQ==