Begegnungen mit der Natur 4, Schulbuch

Landwirtschaft im Wandel Nutztierhaltung, Tierschutz und Umwelt Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Viehhaltung in Österreich vor allem für den Eigenbedarf an Fleisch, Milch und Eiern betrieben. Viele Bauern und Bäuerinnen hielten verschiedene Nutztiere, zum Beispiel Milchkühe, Schweine, Hühner und manchmal auch Pferde. Aus ökologischer Sicht war diese Form der Landwirtschaft oft stärker in betriebliche Kreisläufe eingebunden als viele heutige Formen der Tierhaltung. Futter wie Heu, Getreide oder Kartoffeln wurde meist am eigenen Hof erzeugt, die Ausscheidungen der Tiere als Dünger auf die Felder zurückgebracht. Die Tierzahl richtete sich nach der verfügbaren Fläche. Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung der 1950er- und 1960er-Jahre stieg die Nachfrage nach tierischen Lebensmitteln. Viele Betriebe spezialisierten sich auf bestimmte Tierarten und produzierten zunehmend für den Markt statt für den Eigenbedarf. Die Tierzahlen wuchsen, Futtermittel wurden häufiger zugekauft, und die enge Verbindung zwischen Tierhaltung und eigenem Land schwächte sich ab. Das führte zu höheren Belastungen für Böden, Gewässer und Klima. Nutztierhaltung muss sich an natürlichen Bedürfnissen orientieren Gesetzliche Vorgaben für die Haltung von Nutztieren fehlten lange weitgehend. Besonders in der Schweine- und Geflügelhaltung entstanden seit den 1980er-Jahren Formen der intensiven Tierhaltung, bei denen das Tierwohl und die natürlichen Bedürfnisse der Tiere kaum berücksichtigt wurden. Schweine etwa sind von Natur aus neugierige, soziale Tiere, die Platz zum Wühlen und Erkunden brauchen – in Intensivhaltungen fehlten oft selbst grundlegende Mindeststandards für Platzangebot und Beschäftigung. Hühner haben ein natürliches Bedürfnis nach Scharren, Staubbaden und erhöhten Sitzgelegenheiten – die früher verbreitete Käfighaltung von Legehennen ließ das nicht zu. In Österreich ist diese Form der Haltung seit 2020 verboten. Heute verpflichten gesetzliche Tierschutzbestimmungen die Halterinnen und Halter dazu, die natürlichen Verhaltensweisen der Tiere zu ermöglichen und ihr Wohlbefinden zu berücksichtigen. Tierhaltung steht damit vor der Aufgabe, wirtschaftliche, ökologische und ethische Anforderungen in Einklang zu bringen. Tierwohl bedeutet, dass es Tieren körperlich und seelisch gut geht. Sie sollen gesund sein, genug Platz und Futter haben und sich möglichst natürlich verhalten können, zB sich bewegen, ruhen oder Kontakt zu Artgenossen haben. Auch Angst, Schmerz und Stress sollen vermieden werden. Mindeststandards in der Tierhaltung sind gesetzlich festgelegte Pflichtvorgaben, die sicherstellen sollen, dass Tiere unter Bedingungen gehalten werden, die ihre grundlegenden Bedürfnisse berücksichtigen. Diese Standards geben zB vor, wie viel Raum ein Tier mindestens haben muss, und verbieten bestimmte Haltungsformen (zB ist die Käfighaltung von Legehennen in Österreich seit 2020 verboten). Mindeststandards ersetzen keine artgerechte Haltung. Sie bilden nur die rechtliche Untergrenze. Viele Betriebe (zB Biohöfe) gehen mit freiwilligen höheren Standards darüber hinaus. 37 Tierhaltung muss natürliche Bedürfnisse der Tierart berücksichtigen: Hühner suchen zB nach Nahrung durch Scharren und Picken im Boden. Strukturen schaffen Lebensbedingungen Wirtschaftsdünger (Mist, Jauche, Gülle) enthält Mineralstoffe, die Pflanzen für ihr Wachstum brauchen. Wird er in passender Menge ausgebracht, können diese Stoffe im landwirtschaftlichen Kreislauf genutzt werden. Wird jedoch zu viel Wirtschaftsdünger auf eine Fläche ausgebracht, können überschüssige Stoffe in Boden und Gewässer gelangen oder als Emissionen in die Luft entweichen. Das zeigt, wie eng Tierhaltung, Düngung, Boden, Wasser und Klima miteinander verbunden sind. Kenn ich das? 51 Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

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