Landwirtschaft im Wandel Ökologische und tierethische Fragen überschneiden sich oft Aus ökologischer Sicht ist in der Nutztierhaltung entscheidend, dass Tierzahl, Fläche, Fütterung und Düngung zusammenpassen. Davon hängt ab, wie stark Boden, Wasser und Klima belastet werden. Dabei überschneiden sich ökologische und tierethische Fragen in vielen Bereichen. Haltungsformen mit mehr Platz, Bewegung und angepasster Tierzahl können Tierwohl verbessern und Umweltbelastungen verringern. Umwelt- und Tierwohlziele stimmen jedoch nicht immer überein. So kann ein gut geschützter Stall Vorteile für Tiergesundheit und Betreuung haben (zB Schutz vor Wetter, bessere Kontrolle kranker Tiere). Werden jedoch viele Tiere auf wenig Fläche gehalten, kann das ökologische Nachteile haben, etwa durch hohe Güllemengen auf engem Raum. Die Beispiele zeigen, dass Nutztierhaltung nicht nur nach einem einzigen Kriterium beurteilt werden kann. Entscheidend ist, wie gut Produktion, Tierwohl und Umwelt miteinander in Einklang gebracht werden. Kriterium Hohe Tierdichte Geringere Tierdichte Platzangebot Viele Tiere auf engem Raum, selten bis gar kein Auslauf ins Freie Rinder 1,5–3m 2 , Schweine 0,75 m2 pro Tier Hühner 9 Hennen pro m2 Wenige Tiere auf großer Fläche, viel Platz, oft Auslauf ins Freie Futter Kraftfutter, das schnell zum Wachstum führt; wird meist zu gekauft Überwiegend Futter vom eigenen Betrieb, zB Gras oder Heu, natürliche Ernährung Leistung der Tiere Tiere werden auf hohe Leistung gezüchtet, zB besonders viel Milch, große Zahl an Eiern, schnelles Wachstum zur Fleischproduktion Tiere wachsen langsamer und produzieren weniger, aber bessere Tiergesundheit Tiergesundheit Höhere Anfälligkeit für Krankheiten durch Platzmangel und hohe Leistung; häufige Medikamenteneinsätze Bessere Gesundheit durch Bewegung, natürliche Ernährung und artgerechtere Haltung; Medikamente nur bei Bedarf Arbeitsaufwand pro Tier Gering: viele Aufgaben werden maschinell erledigt, zB Füttern über automatische Futteranlagen, Melken mit Maschinen, Einstreuen der Ställe, Mistabfuhr mit Güllewagen, Überwachung über Sensoren oder Kameras Höher: oft Handarbeit, zB Kontrolle der Tiere auf der Weide, Futter verteilen (Heu/Gras), Melken von Hand oder mit kleinen Melkmaschinen, Huf- und Fellpflege, Zäune reparieren, Mist und Gülle verteilen Auswirkungen auf die Umwelt Durch viele Tiere fällt so viel Gülle an, dass die Böden sie nicht vollständig aufnehmen können. Überschüssige Mineralstoffe werden ins Grundwasser oder in Flüsse gespült und belasten damit die Umwelt. Weniger Tiere auf größeren Flächen produzieren weniger Gülle. Mineralstoffe bleiben im Boden, Wasser wird kaum belastet. Tierwohl Eingeschränkt durch Platzmangel und Stress Höher durch Bewegung, frische Luft und natürliches Verhalten Kosten/Wirtschaftlichkeit Hohe Erträge (Menge an Produkten, die erzeugt werden), hohe Kosten (für Ställe, Futter, Maschinen, Medikamente etc.), Gewinn (Ertrag minus Kosten) kann je nach Verkaufspreis der Produkte stark schwanken Geringere Erträge, aber auch niedrigere Kosten; Gewinn kann dadurch stabiler sein Haltungsform Großbetriebe mit Mastanlagen, Legehennenhaltung Weidehaltung, Almwirtschaft, Freilandhaltung 40 Kriterien zur Beurteilung der Nutztierhaltung Untenstehende Tabelle zeigt, an nach welchen Kriterien Nutztierhaltung beurteilt werden kann. Ordne die Kriterien der Tabelle den Bereichen Tierwohl (T), Umwelt (U) und Wirtschaft (W) zu. Es gibt auch Kriterien, die mehrere Bereiche gleichzeitig betreffen. Du bist dran! 53 Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv
RkJQdWJsaXNoZXIy MjU2NDQ5MQ==