Siedlungsökologie Tiere und Pflanzen in der Stadt Obwohl die Lebensbedingungen in der Stadt ganz anders sind als in naturnahen Lebensräumen, vieler Arten leben hier erstaunlich viele Pflanzen- und Tierarten. Sie können die besonderen Bedingungen, wie Wärme, Trockenheit, Schadstoffe und häufige Störungen durch den Menschen tolerieren oder vorhandene Strukturen auf neue Weise nutzen. Zum Beispiel nisten Turmfalken und Mauersegler an hohen Gebäuden wie Kirchen, wo sie ähnliche Bedingungen wie an Felswänden finden. In Mauerritzen, Dachrinnen oder Fensternischen wachsen Moose, Flechten, Löwenzahn u.v.a.m. Durch die Anpassungsfähigkeit vieler Arten und das vielfältige Nahrungsangebot hat sich in Städten eine eigene Biodiversität entwickelt. Pflanzen nutzen Verkehrswege für ihre Verbreitung Pflanzensamen können über große Entfernungen transportiert werden – etwa an Autos, Zügen, Schiffen oder mit Erde, Baustoffen und importierten Waren. Finden sie geeignete Bedingungen, siedeln sie sich dauerhaft an. Deshalb ist die Pflanzenwelt in Städten oft vielfältig. Entlang von Straßen, Gleisen oder Gewässern wachsen besonders viele Arten, da diese sonnigen und trockenen Flächen durch Verkehr oder Bauarbeiten ständig verändert werden. Das begünstigt Pflanzen, deren Samen schnell keimen und solche Bedingungen gut vertragen – wie Breitwegerich, Scharfer Mauerpfeffer oder Vogelmiere, die sogar in Pflasterritzen oder an Straßenrändern gedeihen. Kulturfolger – Mitbewohner des Menschen Viele Tiere und Pflanzen, die in Städten leben, sind sogenannte Kulturfolger. Das sind Arten, die dem Menschen in seine Kulturlandschaft (Siedlungen, Äcker, Verkehrswege etc.) gefolgt sind und sich dort an die vom Menschen geschaffene Umgebung angepasst haben. Sie nutzen Gebäude, Abfälle oder Grünflächen als Lebensraum und Nahrung. Arten werden dann zu Kulturfolgern, wenn sie Merkmale haben, die ihnen in der vom Menschen geprägten Umgebung Vorteile bringen (zB Störungstoleranz, flexible Nahrung, Nutzung von Gebäuden als Brutplatz). Grünflächen, Friedhöfe und Parks – wichtige Rückzugsräume Grünflächen sind wichtige Rückzugsräume in der Stadt. Hier wachsen Wiesen, Sträucher und Bäume, zB Linden, Eichen, Ahorn oder Kastanien. Sie bieten Nahrung und Lebensraum für viele Insekten sowie für Vögel wie Amseln oder Elstern. Typische Kulturfolger sind zum Beispiel Krähen und Marder. In den letzten Jahren kommen auch immer mehr Füchse in städtische Bereiche. 9 Der Mauersegler – ein Felsenbrüter 10 Breitwegerich 11 Vogelmiere 12 Scharfer Mauerpfeffer Natürliche Selektion in Kulturökosystemen Der Breitwegerich ist eine niedrigwachsende Pflanze. Seine zähen, elastischen Blätter richten sich wieder auf, wenn sie umgetreten werden. Diese Merkmale verschaffen ihm einen Vorteil an Standorten, wo andere Pflanzen nicht vorkommen könnten. Unter den Bedingungen eines Stadtlebensraumes hat er einen Selektionsvorteil. Kenn ich das? 74 Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv
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