Leben in Siedlungsräumen Auch unterirdisch gibt es Leben Unter Straßen und Gebäuden entstehen feuchte, dunkle Lebensräume in Kanälen, Abwasserleitungen und Kellern. Dort siedeln sich Moose, Algen und Schimmelpilze an. An Tieren halten sich dort bevorzugt Wanderratten und Insektenlarven auf. Kulturfolger können zum Problem werden Auch wenn Kulturfolger Teil des städtischen Ökosystems sind, können sie Probleme verursachen. Besonders dann, wenn ein dauerhaft großes Nahrungsangebot, viele Brut- und Versteckplätze und natürliche Begrenzungen nur schwach wirken. Zu solchen Begrenzungsfaktoren gehören zum Beispiel Fressfeinde, Nahrungsknappheit, Krankheiten oder harte Winter. Fehlen diese weitgehend, können Populationen rasch wachsen. Leben sehr viele Tiere einer Art in einem Siedlungsraum, kommt es häufiger zu Konflikten mit Menschen, etwa durch Kot, Lärm, Schäden oder die Übertragung von Krankheitserregern. Straßentauben sind in ihrer Nahrungswahl und der Auswahl der Brutplätze wenig wählerisch. Sie brüten bis zu sechsmal im Jahr, meist mit zwei Eiern pro Brut. Durch das reichliche Futterangebot in Städten – oft auch wegen gut gemeinter Fütterung – vermehren sich die Tiere stark. Im Taubenkot siedeln sich Pilze an, die Säuren ausscheiden. Diese können Häuserfassaden, Denkmäler und Ähnliches beschädigen. Außerdem kann der Kot wegen seines hohen Pilz- und Bakteriengehalts die Gesundheit von Menschen beeinträchtigen. Als Allesfresser finden Wanderratten in Vorräten und Speiseabfällen des Menschen leicht Nahrung. Deshalb halten sie sich oft in menschlichen Siedlungen auf. Dabei tragen sie als Aasfresser auch dazu bei, organische Abfälle abzubauen und sind Teil der Nahrungskette im Ökosystem Stadt. Unter schlechten hygienischen Bedingungen können sie jedoch zur Verbreitung von bakteriellen Infektionskrankheiten beitragen. Eine Ansteckung kann über verunreinigte Lebensmittel erfolgen oder über Kontakt mit infizierten Tieren bzw. deren Ausscheidungen. Historisch spielten Rattenflöhe bei der Übertragung der Pest eine Rolle. Heute ist diese Krankheit in Europa jedoch nicht mehr verbreitet. Gute Abfallentsorgung und Hygiene helfen, Risiken zu verringern. Immer wieder ärgern sich Autofahrerinnen und Autofahrer über durchgebissene Kabel, Schläuche oder Gummidichtungen sowie zerfetzte Dämmmatten unter Motorhauben. „Täter“ sind Steinmarder ( Abb. 16), die sich gerne im warmen Motorraum von gerade abgestellten Autos aufhalten. Auch Saat-, Raben- oder Nebelkrähen ( Abb. 15) sind nicht immer willkommen, da sie Mist aus Mülltonnen herausholen, in Gärten Blumenzwiebeln oder auf Gräbern Pflanzen ausgraben oder Kränzen und Gestecke zerstören. Wanderratten Rattenweibchen bringen jährlich rund 25 Junge zur Welt. Sie sind bereits mit drei bis vier Monaten geschlechtsreif. Schätzungen zufolge leben in Großstädten doppelt so viele Ratten wie Menschen. Speiseabfälle wie Knochen, Fleisch oder Eier sollen nicht am Komposthaufen, in der Toilette oder anderswo entsorgt werden, sondern in verschlossenen Müllsäcken im Restmüll. Obst- und Gemüseabfälle gehören in die Biotonne oder auf den Komposthaufen. Pest ist eine Infektionskrankheit, die durch das Bakterium Yersinia pestis verursacht wird und früher über Flöhe von Ratten auf Menschen übertragen wurde. Heute kommt sie in Europa kaum noch vor. Dank Hygiene, medizinischer Versorgung und Antibiotika besteht hier kein relevantes Risiko. Lebewesen sind an ihren Lebensraum angepasst Straßentauben stammen wahrscheinlich von verwilderten Haus- oder Brieftauben ab, die ursprünglich aus der Felsentaube gezüchtet wurden. Ihre Vorfahren brüteten in Felsnischen. Gebäude und Brücken bieten ähnliche Strukturen – daher können sich Tauben dort gut ansiedeln. Kenn ich das? 13 Straßentauben 14 Nebelkrähe durchwühlt Abfall. 15 Steinmarder 75 Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv
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