Zeitbilder 2, Schulbuch

50 Gründungssage und Wirklichkeit Der Sage nach waren Romulus und Remus Kinder der Priesterin Rhea Silvia und des Kriegsgottes Mars. Nach ihrer Geburt wurden sie ausgesetzt, eine Wölfin ernährte sie, bis ein Hirte sie fand. Sie planten 753 v.Chr. die Gründung der Stadt Rom, in der Romulus der erste König war. In Wirklichkeit ist die Stadt wesentlich älter: Zwischen 1000 v.Chr. und 800 v.Chr. entstand Rom aus einem Zusammenschluss verschiedener Siedlungen. Sieben sagenhafte Könige Romulus soll heimatlose Männer eingeladen haben, in seiner neuen Stadt zu wohnen. Frauen lebten nicht außerhalb eines Familienverbandes, daher herrschte in Rom Frauenmangel (M4). Der letzte König, Tarquinius Superbus, regierte sehr tyrannisch und wurde 509 v.Chr. vertrieben, nachdem sein Sohn eine angesehene Frau (M1) vergewaltigt hatte. Seit dieser Zeit galten Könige in Rom als böse. M2 Die Apotheose* des Romulus (Kupferstich von Matthäus Merian dem Älteren, 1593–1650) M4 Der Raub der Sabinerinnen Q Rom war schon so mächtig, dass es jedes Nachbarvolk im Krieg besiegen konnte, doch da Frauen fehlten, hätte die Stadt nur eine Generation bestehen können. Denn es konnten keine Kinder zur Welt kommen. Außerdem gab es keine Heiraten mit Mädchen aus Nachbarvölkern. Also schickte Romulus Gesandte zu den Nachbarn, die sagten: „Wir sind ein starkes Volk und die Götter sind uns gnädig, gebt uns Mädchen zum Heiraten.“ Doch die anderen Völker verachteten die römischen Männer wegen ihrer niedrigen Herkunft und weigerten sich. Daraufhin veranstalteten die Römer auf den Rat des Romulus hin Festspiele für den Gott Neptun und luden die Nachbarvölker ein. Voller Neugier kamen die Sabiner mit Frauen und Kindern. Rom und die Gastfreundschaft der Römer gefielen ihnen. Doch während des Schauspiels raubten die Römer die Töchter der Sabiner. Die Eltern konnten ihre Töchter nicht beschützen und verließen klagend die Stadt. Romulus erklärte den empörten Mädchen, dass ihre Väter schuld an diesem Raub seien, da sie Eheschließungen verboten hätten. Doch die Mädchen sollten das römische Bürgerrecht erhalten. Die Männer erklärten den Raub damit, dass sie sich verliebt hätten – so etwas beeindruckt Frauen. Als die Väter mit Truppen kamen, wollten die Mädchen lieber bei den Römern bleiben. (nach: Livius, um 59 v. Chr.–17. n. Chr., Ab urbe condita I, 9–13, um 25 v.Chr.) M3 Sage um Romulus Q Nachdem Romulus sehr ehrenvolle Taten vollbracht hatte, hielt er eine Volksversammlung ab. Plötzlich brach ein Unwetter mit lautem Donner los und verdeckte die Sicht auf den König mit einer dunklen Wolke. Dann war Romulus nicht mehr auf der Erde. Als die Sonne wieder schien und die Römer den leeren Königsstuhl sahen, waren sie zuerst traurig, doch dann nannten sie Romulus Gott und beteten ihn an. (nach: Livius, um 59 v. Chr.– 17. n. Chr., Ab urbe condita I, 16, um 25. v.Chr.) Von der Stadt zum Weltreich M1 Die Römerin Lucretia wird von Sextus Tarquinius geschändet und tötet sich selbst. (Biagio d’Antonio, Öl auf Holz, um 1500) Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

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