Zeitbilder 2, Schulbuch

Zeitbilder 2

Zeitbilder 2, SB + E-Book Schulbuchnummer: 215667 Mit Bescheid des Bundesministeriums für Bildung und Forschung vom 27. März 2023, GZ 2022-0.744.137, gemäß § 14 Absatz 2 und 5 des Schulunterrichtsgesetzes, BGBl. Nr. 472/86, und gemäß den derzeit geltenden Lehrplänen als für den Unterrichtsgebrauch an Mittelschulen und allgemein bildenden höheren Schulen – Unterstufe für die 2. Klasse im Unterrichtsgegenstand Geschichte und Politische Bildung geeignet erklärt. Dieses Werk wurde auf der Grundlage eines zielorientierten Lehrplans verfasst. Konkretisierung, Gewichtung und Umsetzung der Inhalte erfolgen durch die Lehrerinnen und Lehrer. Liebe Schülerin, lieber Schüler, du bekommst dieses Schulbuch von der Republik Österreich für deine Ausbildung. Bücher helfen nicht nur beim Lernen, sondern sind auch Freunde fürs Leben. Kopierverbot Wir weisen darauf hin, dass das Kopieren zum Schulgebrauch aus diesem Buch verboten ist – § 42 Abs. 6 Urheberrechtsgesetz: „Die Befugnis zur Vervielfältigung zum eigenen Schulgebrauch gilt nicht für Werke, die ihrer Beschaffenheit und Bezeichnung nach zum Schul- oder Unterrichtsgebrauch bestimmt sind.“ Umschlagbild: akg-images / De Agostini Picture Library / G. Dagli Orti Illustrationen & Grafiken: Alicia Sancha, Wien; Bettina Kumpe, Braunschweig Karten: Freytag - Berndt und Artaria KG, Wien 1. Auflage (Druck 0001) © Österreichischer Bundesverlag Schulbuch GmbH & Co. KG, Wien 2024 www.oebv.at Alle Rechte vorbehalten. Jede Art der Vervielfältigung, auch auszugsweise, gesetzlich verboten. Schulbuchvergütung/Bildrechte © Bildrecht GmbH/Wien 2024 Redaktion: Dr. Dietlind Pichler, Wien; Andrea Truppe, Wien Herstellung: Sigrid Prünster, Wien Umschlaggestaltung: Jens-Peter Becker, normaldesign GbR, Schwäbisch Gmünd Layout: Jens-Peter Becker, normaldesign GbR, Schwäbisch Gmünd Satz: Arnold & Domnick, Leipzig Druck: Ferdinand Berger & Söhne Ges.m.b.H., Horn ISBN 978-3-209-13149-2 (Zeitbilder-US SB 2 + E-Book) Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

Barbara Kronberger-Schmid www.oebv.at Zeitbilder 2 Geschichte und Politische Bildung Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

2 Inhalt ca. 500 n. Chr. 1492 n. Chr. 3000 v. Chr. 476 n. Chr. 2 Mio. v. Chr. 400 v. Chr. So arbeitest du mit dem Buch „Zeitbilder“ 4 Kompetenzbeschreibungen 5 Operatoren und Anforderungsbereiche 6 Die Anfänge der Menschheit 8 Anwendungsbereich 1: Lebensweltliche Erfahrungen im Umgang mit Geschichte und Vergangenheit Vergangenheit wird zu Geschichte 10 Was ist Zeit? 12 Die Frühzeit der Menschen 14 Neue Berufe und wichtige Erfindungen 16 Von Höhlen zu Häusern 18 Urzeitliche Fundstücke 20 Methode: Mit Bildern arbeiten 20 Auf einen Blick 22 Wir trainieren Methoden 23 Wir trainieren Kompetenzen 24 Alte Kulturen weltweit 26 Anwendungsbereich 2: Alte Kulturen Entstehung und Merkmale von Hochkulturen 28 Hochkulturen im Überblick 30 Pyramiden, Schrift und Wissenschaften 32 Leben am Nil 34 Ägyptische Gottheiten 36 Ägypten unter der Herrschaft der Pharaonen 38 Die griechischen Stadtstaaten 40 Alltag in Athen 42 Kunst und Wissenschaft bei den Griechen 44 Herakles in der antiken Sage und in der Literatur 46 Methode: Mit Texten arbeiten – Quelle und Darstellung 46 Wie sich Griechen und Römer ihre Götterwelt vorstellten 48 Von der Stadt zum Weltreich 50 Was uns die Römer an Kultur vererbten 54 Anwendungsbereich 3: Welt- und Vernetzungsgeschichte zur Zeit der europäischen Antike Athen – Zentrum des antiken Welthandels 56 Alexander träumt von der Weltherrschaft 58 Rom – Zentrum der Weltwirtschaft 60 China und Rom – globaler Handel vor 2000 Jahren 62 Auf einen Blick 64 Wir trainieren Methoden 65 Wir trainieren Kompetenzen 66 Mittelalterliche Lebensformen 68 Anwendungsbereich 5: Mittelalterliche Lebensformen Das Frankenreich – Karl der Große 70 Ostarrîchi – Österreich zur Zeit der Babenberger 72 Von römischen Provinzen zur Republik Österreich 74 Aufstieg der Habsburger im Mittelalter 76 Methode: Mit Karten arbeiten – Geschichtskarten und historische Karten 76 Die Ritter 78 Ritter und ihre Familien 80 Wie Bauern und Handwerker leben und arbeiten 82 Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

3 heute ca. 700 v. Chr. heute ca. 700 v. Chr. heute Städte im Mittelalter 84 Handel im Mittelalter 88 Die zwei Baustile des Mittelalters 90 Christentum, Judentum und Islam 92 Die Kreuzzüge 96 Auf einen Blick 98 Wir trainieren Methoden 99 Wir trainieren Kompetenzen 100 Herrschaft und Macht 102 Anwendungsbereich 4: Vergangene und gegenwärtige Herrschafts- und Staatsformen Griechenland: Monarchie, Aristokratie, Demokratie 104 Staatsform Republik – Herrschaftsform Demokratie 106 Die Antike in Film und Comic 108 Methode: Mit geschichtskulturellen Produkten arbeiten – Film und Comic 108 Die Ordnung der Gesellschaft im Mittelalter 110 Frauen an der Macht 114 Auf einen Blick 116 Wir trainieren Methoden 65 Wir trainieren Kompetenzen 118 Alle Menschen werden Brüder? 120 Anwendungsbereich 6: Begegnungen zwischen dem Eigenen und dem Fremden in der Frühen Neuzeit Die Europäer entdecken die Welt 122 Die Spanier erobern und beherrschen die Neue Welt 124 Die Eroberung Mittel- und Südamerikas aus Sicht der indigenen Bevölkerung 128 Native Americans 130 Anwendungsbereich 7: Ausbeutung und Menschenrechte Sklaverei und Unfreiheit in Antike und Mittelalter 132 Sklavenhandel in der frühen Neuzeit 134 Sklaverei – auch heute noch 136 Die Entwicklung der Menschenrechte 138 Methode: Internetrecherche 138 Auf einen Blick 140 Wir trainieren Methoden 141 Wir trainieren Kompetenzen 142 Politik geht uns alle an! 144 Anwendungsbereich 8: Möglichkeiten für politisches Handeln in Gegenwart und Zukunft Teilnehmen, sich einmischen, mitentscheiden 146 Methode: Mit Bildern arbeiten – Grafiken 146 Ungleiche Handlungsspielräume der Geschlechter 150 Anwendungsbereich 9: Gesetze, Regeln und Werte in Gegenwart und Zukunft Gesetze und Regeln gestalten unser Leben 152 Kinderrechte schützen Kinder 156 Freiheit, Gleichheit, Solidarität, Frieden, Gerechtigkeit – für alle? 160 Religion und Kultur prägen unser Leben 162 Auf einen Blick 164 Wir trainieren Methoden 165 Wir trainieren Kompetenzen 166 Namen und Begriffe 168 Quellennachweis 173 Bildnachweis 175 102 103 1 Diskutiert in der Klasse, was Herrschaftsformen sein können. (HFK III) 2 Recherchiert in Kleingruppen, wer die abgebildeten Personen sind. Eure Lehrerin oder euer Lehrer hilft euch dabei. (HFK III) Herrschaft und Macht M1 Die Collage zeigt bedeutende Politiker und Politikerinnen der Vergangenheit. xx96jn In diesem Kapitel erfährst du über: • Herrschaftsformen im antiken Griechenland. • Caesar, Cleopatra und Vercingetorix. • die Staatsform Republik im Laufe der Geschichte. • die Begriffe Staatsform und Herrschaftsform. • die Gesellschaftsordnung im Mittelalter. • mächtige Frauen aus der Geschichte. ca. 2000–700 v. Chr. Könige regieren die griechischen Stadtstaaten. ca. 1000–ca. 500 v. Chr. Königsherrschaft in Rom ab 600 v.Chr. Demokratie in Athen 31 v. Chr.–14 n. Chr. Augustus ist Alleinherrscher im Römischen Reich. ab 500 v. Chr.–27 v. Chr. Römische Republik 443–429 v. Chr. Zeitalter des Perikles 27 v. Chr.–476 n. Chr. römisches Kaiserreich ab 800–ca. 1300 n.Chr. mittelalterliches Lehenswesen Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

4 So arbeitest du mit dem Buch „Zeitbilder“ Damit du dich in deinem neuen Geschichtebuch besser zurechtfinden kannst, gibt es hier einen kurzen Wegweiser: 142 143 Wir trainieren Kompetenzen 1 Stelle mithilfe eines Atlas oder des Internet fest, in welchem US-Bundesstaat Jamestown liegt. (HMK I) 2 Liste in kurzen Hauptsätzen alle Informationen auf, die sowohl im Film (M3) als auch in der geschichtlichen Zusammenfassung (M4) zu finden sind, zB: Sie ist ein Native-Mädchen. (HMK II) 3 Prüfe, welche Informationen nur in M4 zu finden sind. (HMK II) 4 Arbeite die Unterschiede zwischen der englischen Überlieferung und der Natives heraus. (HMK II) 5 Zeige mögliche Gründe für diese Unterschiede auf. (HMK II) 6 Analysiere den zweiten Text danach, wie die Menschenrechte von Pocahontas verletzt werden. (PUK II) 7 Begründe, warum Menschenrechtsverletzungen kein Thema im Disney-Film sind. (PUK II) 8 Vergleiche die beiden Abbildungen M1 und M2. Untersuche, welche Eigenschaften von Pocahontas jeweils im Vordergrund stehen. Die Schrift auf dem zweiten Bild heißt übersetzt: „Matoaka oder Rebecca, Tochter des mächtigen Fürsten der Powhatan, des Herrschers von Virginia“. (HMK II) M3 Pocahontas im Disney-Film (1995) D Engländer wollen 1607 vom neu gegründeten Jamestown aus Amerika in Besitz nehmen, einerseits um es auszubeuten, andererseits um ein scheinbar unterentwickeltes Land und die Menschen, die dort leben, an ihre Vorstellungen anzupassen. Pocahontas, ein Native-Mädchen, lernt den englischen Abenteurer John Smith kennen. Sie zeigt ihm die Kultur ihres Volkes und bringt ihm die Natur näher. John erkennt, dass die englische Sicht der Dinge sehr einseitig und vor allem intolerant ist. Der englische Gouverneur hofft, einen Goldschatz von den Natives zu erbeuten, Pocahontas befürchtet eine Zerstörung ihrer Welt. Es kommt zum Krieg, doch Pocahontas kann einen Frieden vermitteln. John wird schwer verletzt, als er das Leben von Pocahontas’ Vater rettet, und wird zur Behandlung nach London zurückgebracht. Pocahontas bleibt traurig zurück. (Zusammenfassung des Films von Barbara Kronberger-Schmid) M1 Pocahontas (Plakat zum DisneyFilm, 1995) M4 Wer war Pocahontas? D Ihr wirklicher Name war Matoaka oder Amonute. Pocahontas (= die Verspielte) war nur ihr Spitzname. John Smith lernte sie als Mädchen kennen, denn die Natives versorgten die Siedler mit Nahrung. Ob sie ihn vor einem Angriff der Natives rettete, ist unklar. Als die Forderungen der Siedler zu unverschämt wurden, kam es zu Auseinandersetzungen. Die Engländer entführten Pocahontas auf ein Schiff, um ihren Vater zu erpressen. Sie war damals schon verheiratet und Mutter. Die Natives überlieferten, dass sie als Gefangene nach einer Vergewaltigung einen Sohn bekommen habe. Um freigelassen zu werden, habe sie den Tabakpflanzer John Rolfe geheiratet. Die englische Überlieferung schildert: Pocahontas kam in ein Pfarrhaus, lernte Englisch, ließ sich taufen und nahm den Namen Rebecca an, verliebte sich in Rolfe, heiratete und bekam Sohn Thomas. Zwischen den Siedlern und den Natives kam es zum mehrjährigen „Pocahontas-Frieden“. 1616 reiste sie mit Mann und Sohn nach England. Der dortige Adel sah sie als „gezähmte Wilde“ und „Indianerprinzessin“ an. Sie traf sogar den König. Als sie heimreisen wollte, wurde sie schwer krank und starb. (Barbara Kronberger-Schmid nach: www.pocahontaslives) M2 Pocahontas / Matoaka (Kupferstich von Simon de Passe, 1616) 9 Bewerte das Verhalten der Engländerinnen und Engländer in Virginia und in England. Überlege, ob Pocahontas / Rebecca wirklich gleichberechtigt ist. (PUK III) 10 Der Holzstich M7 zeigt die Heirat von Pocahontas mit John Rolfe. Beschreibe das Bild. Erkläre, wie die Gegensätze zwischen Engländern und Native Americans hier zum Ausdruck kommen, obwohl alles so harmonisch wirkt. (HMK II) 11 Erläutere, ob das Bild M5 eher zu M3 oder zu M4 passt. Begründe deine Meinung. (HMK II) M5 Pocahontas rettet 1607 Kapitän John Smith. (Druckgrafik, 1870) M7 Die Hochzeit von Pocahontas und John Rolfe (kolorierter Holzstich, um 1830) M6 Savages „Savages“ (= „Wilde“) (M6) ist einer der düstersten Songs in den bisherigen Disney-Filmen. Die ersten beiden Sänger, erbitterte Gegner, äußern in ihren Texten Misstrauen und puren Hass. Q Was kann man von schmutzigen unbedeutenden, heidnischen Menschen erwarten? Ihre ganze grässliche Rasse ist wie ein Fluch. Ihre Haut ist rot wie die Hölle, sie sind nur gut, wenn sie tot sind, Sie sind Ungeziefer, wie ich sagte, und schlimmer: Sie sind Wilde! Kaum noch menschlich: Wilde! Wilde! Vertreibt sie von unserer Küste! Sie sind nicht wie du und ich, was bedeutet, dass sie böse sein müssen. Wir müssen die Kriegstrommeln ertönen lassen! Sie sind Wilde! Wilde! Schmutzige rothäutige Teufel! Jetzt lassen wir die Kriegstrommeln klingen! Das haben wir befürchtet: Das Bleichgesicht ist ein Dämon. Das Einzige, was sie überhaupt empfinden, ist Gier. Unter dieser milchweißen Haut ist drinnen nur Leere. Ich frage mich, ob sie überhaupt bluten. Sie sind Wilde! Wilde! Kaum noch menschlich: Wilde! Wilde! Sie sind anders als wir, was bedeutet, dass man ihnen nicht trauen kann. Jetzt lassen wir die Kriegstrommeln klingen! (nach: V. Politou, A. Menken, S.I. Schwartz, Savages, Filmsong aus: W. Disney, Pocahontas, 1995) 12 Stelle fest, welcher Sänger die Sicht der Natives verkörpert und welcher die der Europäer. Markiere die Stelle, an der die zweite Strophe beginnt. (HMK II) 13 Markiere die Textzeilen, die bei beiden Sängern vorkommen. Interpretiere die Aussagen dieser Textzeilen. Begründe, warum die beiden Männer trotz offensichtlich gleicher Aussagen Feinde sind. (HMK III) 14 Disney-Filme haben immer auch das Ziel, dass Kinder etwas aus ihnen lernen. Erläutere, welche Botschaft über den Ausbruch eines Krieges hier vermittelt werden soll. (PUK II) ca. 700 v. Chr. heute 46 Anwendungsbereich 2: Alte Kulturen 47 M M4 Hercules wirbt um Deianeira Q Hercules sagte, dass er ihr Jupiter als Schwiegervater gebe, berichtete vom Ruhm seiner Taten und sagte, dass sie ihm von seiner Stiefmutter Juno aufgetragen worden wären. Daraufhin erwidert der Flussgott, der Deianeira auch heiraten wollte: „Denn Jupiter, mit dem du prahlst, dass er dein Vater sei, ist entweder nicht dein wirklicher Vater oder er ist es durch Ehebruch. Gibst du ihn als Vater an, ist deine Mutter eine Ehebrecherin. Also suche es dir aus: Willst du lieber, dass dein Vater nicht Jupiter ist, oder dass du durch einen Ehebruch gezeugt wurdest?“ (nach: Ovid (43 v.Chr.–17 n.Chr.), Metamorphosen IX, 14–15; 23–26) M5 Hercules und der Zentaur Q Deinaeira hatte den Zentauren Nessus gebeten, sie über einen Fluss zu tragen. Mitten im Fluss wollte er sie vergewaltigen. Hercules kam dazu, sie rief um Hilfe. Er erschoss Nessus mit einem vergifteten Pfeil. Sterbend füllte Nessus etwas von seinem Blut in ein Fläschchen, gab es Deianeira und sagte ihr: „Das ist ein Liebeszauber. Wenn Hercules dir jemals untreu werden sollte, beträufle sein Gewand damit und alles wird gut.“ Deianeira glaubte ihm und behielt das Fläschchen. (nach: Hyginus, Fabulae, um 2. Jh.n.Chr.) M6 Deianeira und der Kentaur Q Als wir den Fluss Euenos erreichten, wollte mich der Kentaur Nessos rauben. Hercules schoss ihn mit einem vergifteten Pfeil nieder. Da riet mir der sterbende Kentaur, sein Blut in einer Schale zu sammeln. Ich solle damit das Hemd des Hercules bestreichen, und er werde mir treu sein. Ich habe es noch nicht getan. Er hasst Hemden. Er ist ja meistens nackt, wenn er nicht gerade die Löwenhaut trägt. Einmal werden wir heiraten. Dann werde ich fürchten, ihn zu verlieren. Er wird ein Hemd tragen, weil er älter sein und oft frieren wird, und ich werde sein Hemd in das Blut des Kentaur tauchen. (nach: Friedrich Dürrenmatt, Herkules und der Stall des Augias, 1954) M7 Deianeira und der Kentaur D Als er so über das Land kommt, trifft er auf eine junge Frau. Sie will gerade einen Fluss überqueren. Sie hebt ihre Kleider hoch und setzt ihre nackten Füße ins Wasser. In diesem Augenblick springt etwas aus dem Hinterhalt. Es ist ein Doppelwesen, ein sehr gefährlicher Kentaur, es ist Nessos. Er will die Frau vergewaltigen. Aber sie hat Glück. Herakles hört ihr Schreien, und er eilt herbei, er packt den Kentauren an der Mähne, und mit bloßen Fingernägeln reißt er ihm den Hals auf. Der Kentaur sinkt nieder, das Blut läuft ihm aus dem Hals. „Komm her“, sagt Nessos. „Komm näher!“ Und er flüstert Deianeira ins Ohr: „Nimm mein Blut, fülle es in ein Fläschchen, es ist ein Zaubermittel. Dieser Mann hier, der mir den Tod brachte, dieser Mann, der wird dein Ehemann werden. Nein, dreh dich nicht um zu ihm. Hör mir zu. Er wird dich lieben, und du wirst ihn lieben, Deianeira. Dieses Zaubermittel macht, dass du nie Grund zur Eifersucht haben wirst. Ich schenke dir mein Blut.“ (nach: Michael Köhlmeier, Das große Sagenbuch des klassischen Altertums, 1999) 1 Gib die Sage von Hercules in eigenen Worten wieder. (HMK I) 2 Analysiere dieTexte M4 bis M7. Gehe nach der Methode auf S.46 vor. (HMK I, HMK II, HMK III) 3 Arbeite aus M4 heraus, wie Hercules Deianeira von sich überzeugen will. Erläutere die Antwort des Flussgottes. (HMK II) 4 Formuliere in eigenen Worten, wie Nessus sich an seinem Mörder Hercules rächt (M5–M7). (HMK III) 5 Arbeite aus M1–M3 die Heldentaten des Hercules heraus, die auch im Text erwähnt werden. Erkläre, warum sie an der Hofburg abgebildet sind. (HMK I, HOK II) 6 Erzähle die Sage von Hercules, Deianeira und dem Kentaur mithilfe aller Quellen und Darstellungen. (Tipp: Höre dir die Sage auf youtube an: Michael Köhlmeier – Sagen der Antike – Folge 69.) (HMK III) Herakles in der antiken Sage und in der Literatur Mit Texten arbeiten – Quelle und Darstellung Schriftliche Quellen und Darstellungen enthalten wichtige Informationen über die Vergangenheit. Schriftliche Quellen sind Dokumente, Urkunden, Verträge, Rechnungen, Chroniken, Inschriften, Biographien, Augenzeugenberichte, Zeitungen, Zeitschriften und vieles mehr. Wichtig dabei ist, dass schriftliche Quellen in der Vergangenheit entstanden sind und uns heute zur Verfügung stehen. Schriftliche Darstellungen fassen Antworten an die Vergangenheit zusammen. Der Verfassertext in deinem Schulbuch ist also eine Darstellung der Vergangenheit, die auf unterschiedlichen Quellen beruht. Inhalt erfassen Lies den Text genau. Achte besonders auf Personen sowie Orts und Zeitangaben. Kläre alle Wörter und Aussagen, die du nicht verstehst, zB mit einem Wörterbuch. Fasse den Text mit eigenen Worten zusammen. Analysieren Wer schrieb den Text? Wann wurde der Text geschrieben? Erlebte der Autor oder die Autorin die beschriebene Zeit, das Ereignis selbst mit oder schrieb er oder sie das Ereignis erst später nieder? Für wen war der Text bestimmt? Um welche Art von Text (Erzählung, Urkunde, Gedicht usw.) handelt es sich? Zu welchem Zweck wurde der Text verfasst? Hatte die Verfasserin oder der Verfasser des Textes möglicherweise besondere Absichten? Wird ein Sachverhalt parteiisch dargestellt oder eine Person einseitig beurteilt? Interpretieren Stelle Fragen an die Quelle: Was möchtest du erfahren? Für welchen Zusammenhang suchst du eine Antwort? Auf welche Frage oder Fragen kann die Quelle eine Antwort oder mehrere Antworten geben? Formuliere deine eigene Deutung des historischen Sachverhalts unter Einbeziehung der Quelle und anderer Informationen. (Nicht alle Fragen lassen sich bei jeder Quelle beantworten!). Abstammung Zeus / Jupiter verliebt sich in die verheiratete Alkmene, verwandelt sich in die Gestalt ihres Mannes und zeugt Herakles / Hercules. Aus Angst vor Heras / Junos Rache setzt Alkmene das Baby aus. Hera findet das Baby, nimmt es in den Arm, Herakles trinkt Göttermilch und ist unsterblich. Zwölf Taten Hera / Juno verzaubert Hercules, er tötet seine erste Frau Megara und die Kinder. Um das wiedergutzumachen, muss er zwölf Taten für einen König vollbringen: Er fängt unter anderem einen wilden Löwen, einen Hirsch und den dreiköpfigen Höllenhund Cerberus, mistet Ställe aus, tötet eine vielköpfige Schlange und einen Riesen, stiehlt einen Gürtel und Äpfel und befreit den Helden Prometheus von seinen Qualen. Tod Seiner zweiten Frau Deianeira gibt er Grund zur Eifersucht. Sie möchte Hercules zurückgewinnen und verwendet das Blut des Nessus. Doch das Blut setzt Hercules in Flammen. Verzweifelt verbrennt er sich auf einem Scheiterhaufen. Er kommt zu den Gottheiten auf den Olymp*, und Hera / Juno schließt Frieden mit ihm. M1–M3 Hercules-Statuen an der Wiener Hofburg (Edmund Hofmann von Aspernburg, Lorenzo Mattielli, um 1890) ca. 800 v. Chr. heute 102 103 1 Diskutiert in der Klasse, was Herrschaftsformen sein können. (HFK III) 2 Recherchiert in Kleingruppen, wer die abgebildeten Personen sind. Eure Lehrerin oder euer Lehrer hilft euch dabei. (HFK III) Herrschaft und Macht M1 Die Collage zeigt bedeutende Politiker und Politikerinnen der Vergangenheit. xx96jn In diesem Kapitel erfährst du über: • Herrschaftsformen im antiken Griechenland. • Caesar, Cleopatra und Vercingetorix. • die Staatsform Republik im Laufe der Geschichte. • die Begriffe Staatsform und Herrschaftsform. • die Gesellschaftsordnung im Mittelalter. • mächtige Frauen aus der Geschichte. ca. 2000–700 v. Chr. Könige regieren die griechischen Stadtstaaten. ca. 1000–ca. 500 v. Chr. Königsherrschaft in Rom ab 600 v.Chr. Demokratie in Athen 31 v. Chr.–14 n. Chr. Augustus ist Alleinherrscher im Römischen Reich. ab 500 v. Chr.–27 v. Chr. Römische Republik 443–429 v. Chr. Zeitalter des Perikles 27 v. Chr.–476 n. Chr. römisches Kaiserreich ab 800–ca. 1300 n.Chr. mittelalterliches Lehenswesen Auftaktseiten Jedes der sechs Großkapitel dieses Buches beginnt mit zwei besonders gestalteten Seiten, den Auftaktseiten. Bild, Text und Zeitleiste sollen dir einen ersten Eindruck davon geben, was dich in dem folgenden Kapitel erwartet. Diese Seiten wollen auch deine Neugier wecken. 98 99 Auf einen Blick Wir trainieren Methoden 5. Jh. n. Chr. 6. Jh. n. Chr. 7. Jh. n. Chr. 8. Jh. n. Chr. 9. Jh. n. Chr. 10. Jh. n. Chr. Frühmittelalter Ende des Weströmischen Reiches Fränkisches Reich: Merowinger Fränkisches Reich: Karolinger Karl der Große Dreifelderwirtschaft statt Zweifelderwirtschaft Baustil: Romanik 11. Jh. n. Chr. 12. Jh. n. Chr. 13. Jh. n. Chr. 14. Jh. n. Chr. 15. Jh. n. Chr. Hochmittelalter: Ritter und Burgen Spätmittelalter Österreich: Babenberger Städte entstehen Baustil: Gotik Österreich: Habsburger Gründung der Hanse Ende des Oströmischen Reiches ca. 500 n. Chr. 1492 n. Chr. Frühmittelalter ab 6. Jh.: Merowingerkönige: Kampf gegen die Araber, Christentum 8. Jh.: Karolingerkönige: Unterstützung des Papstes Karl der Große: Kaiserkrönung, Pfalzen, Marken, Förderung der Wissenschaften ab 9. Jh.: Bauern: Dreifelderwirtschaft statt Zweifelderwirtschaft, Tauschwirtschaft 10. Jh.: Baustil: Romanik: Rundbogen, dicke Mauern, Phantasiefiguren, bemalte Wände um 1000: Babenberger erhalten die Mark an der Donau. Hochmittelalter 11.–13. Jh.: Ritter und Burgen: Wohn und Wehrbau: unbequemes Leben auf der Burg, ritterliche Lebensweise und Tugenden, Erziehung zum Ritter (Page, Knappe, Ritter) 12. Jh.: Städte entstehen: Marktrecht (Marktfrieden), Stadtmauer, Stadtherren und Stadtrecht, Gilden, reiche Oberschicht, Stadtrat (Kaufleute (= Patrizier) und Handwerker), Zünfte (Lehrling, Geselle), jüdische Bevölkerung (Ghetto, Pogrome, jiddische Sprache) Baustil: Gotik: Spitzbogen, hochaufragend, Kirchen mit bunten Glasfenstern, Rathäuser Mitte 12. Jh.: Privilegium minus: Österreich wird Herzogtum; Kreuzzüge: rot weiß rote Fahne, Richard Löwenherz; Ende der Babenberger Ende 13. Jh.: Beginn der Habsburgerherrschaft in Österreich (bis 1918) 14. Jh.: Rudolf der Stifter: Privilegium maius (gefälscht), Universität Wien, Ausbau des Stephansdoms; Fernhandel, zB Hanse: Bund von Handelsstädten; Marco Polo: Kontakt zu den Mongolen; Trans SaharaHandel; Fugger und Medici: Reichtum und politische Macht Ich weiß über das Frankenreich Karls des Großen Bescheid. Ich kenne wesentliche Punkte der Herrschaft der Babenberger und der Habsburger. Ich weiß, wie die Menschen auf einer Ritterburg lebten. Ich kenne die Lebensbedingungen der Bauern und Handwerker im Mittelalter. Ich kann das Leben in mittelalterlichen Städten und den Handel in dieser Zeit beschreiben. Ich kenne wesentliche Grundsätze des Christentums, des Judentums und des Islam. Ich kann Romanik und Gotik erkennen und beschreiben. Wien in historischen Karten und Geschichtskarten M1 Wien im Jahre 1147 (rekonstruierter Plan nach Carl Graf Vasquez von 1861) M2 Rundansicht der Stadt Wien zur Zeit der ersten Belagerung durch die Osmanen 1529 (Farblithographie, 1851, von Albert Camesina nach dem kolorierten Holzschnitt von Niklas Meldemann, 1530) M3 Karte Wien (George Bradshaw 1896) Drei monotheistische Religionen Entstehung Gott Heilige Schriften Wo gebetet wird Geschichte Judentum 1000 v.Chr. Jahwe Tanach (= Altes Testament), Thora Tempel, Synagogen Zerstörung des Tempels von Jerusalem durch die Römer ➔ Diaspora Christentum 1. Jh. n. Chr. Gott Bibel: Altes und Neues Testament Dome, Kathedralen, Kirchen Christenverfolgungen durch die Römer Islam 622 n. Chr. Allah Koran Moscheen Eroberung Spaniens; der Versuch, ins Frankenreich vorzudringen, gelingt nicht. 1 Werte die drei Karten aus (HMK I, HMK II, HMK III) Vergleiche die verschiedenen Stadtpläne Wiens auf dieser Seite miteinander. Beschreibe die Perspektive. Stelle Gemeinsamkeiten und Unterschiede fest. Nenne Gründe für die Unterschiede. (Tipp: Beachte die Jahreszahl in der Bildunterschrift.) 2 Ordne die Pläne sowie die Karten auf S.76 und S.77 (M1, M3, M4) zu. (HMK I) Geschichtskarte: Historische Karte: 3 Versuche eine historische Karte deines Heimatortes zu finden – vielleicht gibt es ein Buch mit einer Stadt oder Gemeindechronik, oder du fragst deine Großeltern nach einem alten Plan. Fasse zusammen, was sich geändert hat und jetzt anders ausschaut als zu dem Zeitpunkt, als die Karte oder der Plan entstand. (HOK II) 4 Zeichne einen Plan deines Heimatortes oder das Zentrum deiner Heimatstadt. Beginne mit den wichtigsten Gebäuden, zB Kirche, Rathaus oder Gemeindeamt, Schule, Kaufhaus. (HOK III) 5 Gestaltet ein Plakat „Unsere Stadt einst und jetzt“ für die Klasse. Verwendet auch Fotos, um es anschaulicher zu machen. (HOK III) Auf der Zeitleiste sind wesentliche Ereignisse der behandelten Epoche oder des Themas eingetragen. Themenseiten Jedes Großkapitel umfasst mehrere Einzelthemen, die in der Regel auf jeweils einer Doppelseite bearbeitet sind. Textzeugnisse aus der Geschichte oder Tatsachenberichte sind in Kästchen hervorgehoben. Ein Sternchen tragen alle die Namen und Begriffe, die am Schluss des Buches wie in einem Lexikon erklärt werden. Auf einen Blick Die Zusammenfassungen am Ende eines jeden Großkapitels wollen dir zeigen, was du aus diesem Abschnitt der Zeitbilder in Erinnerung behalten solltest. Wir trainieren Kompetenzen Am Ende eines Großkapitels findest du ein Kompetenztraining. Es gibt dir die Möglichkeit, deine erworbenen Kenntnisse anzuwenden. Wir trainieren Methoden Am Ende eines Großkapitels findest du ein Methodentraining. Es gibt dir die Möglichkeit, deine erworbenen Kenntnisse anzuwenden. Der Zeitstreifen zeigt dir, welcher Zeitraum auf der Doppelseite behandelt wird. Am Ende jeder Doppelseite findest du Fragen und Arbeitsaufträge. Hier fordern wir dich auf, die im Buch vorher dargestellten Informationen zu überdenken, zu wiederholen, zusammenzufassen oder deine Meinung zu einem Thema zu äußern. Unter diesem Online-Code findest du spannende Zusatzmaterialien. Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

5 Kompetenzbeschreibungen Die Schülerinnen und Schüler können: Historische Methodenkompetenz (HPK) • Quellen und Darstellungen unterscheiden. • Darstellungen beschreiben, analysieren und hinterfragen (Comics, Rekonstruktionszeichnungen, Karten, Sachbücher, Spielfilme etc.) – Schwerpunkt: Belegbarkeit in Darstellungen überprüfen. • Quellen beschreiben, analysieren und interpretieren (Funde, Schriften, Bilder etc.). • eigene Erzählungen über die Vergangenheit anfertigen (u.a. zum eigenen Leben; chronologische Aufzählung und Sachtexte in eine Darstellung überführen). Historische Fragekompetenz (HFK) • Fragen zu Kontinuität und Wandel, die in Darstellungen behandelt werden, herausarbeiten (zB Welche Frage steht hinter der Darstellung zum Wandel der Lebensweisen im Mittelalter? Welche Frage hat sich die Schulbuchautorin zur Veränderung im Römischen Reich gestellt?). Historische Orientierungskompetenz (HOK) • über Einsichten, die aus der Beschäftigung mit Quellen und Darstellungen für Gegenwart und Zukunft gewonnen werden, diskutieren und diese nutzen (u.a. individuelle Bedeutsamkeit von historischen Einsichten aus der Beschäftigung mit Alltagsgeschichte). Historische Sachkompetenz (HSK) • fachspezifische Konzepte anwenden, reflektieren und weiterentwickeln (u. a. „Darstellung“ und „Quelle“ unterscheiden; Gattungsmerkmale von Quellen erkennen; über den Unterschied zwischen „Vergangenheit“ und „Geschichte“ und „Geschichtsschreibung“ reflektieren; „Königin / König“, „Sklavin / Sklave“, „Demokratie“ als Konzepte in unterschiedlichen Kontexten anwenden). Politische Urteilskompetenz (PUK) • eigene und fremde Meinungen zu gesellschaftlichen und politischen Fragestellungen erkennen und analysieren. Politikbezogene Methodenkompetenz (PMK) • politische Manifestationen (zB Internetpostings, Zeitungsartikel, TV-Dokus; Umfrageergebnisse) beschreiben, analysieren und hinterfragen. Politische Handlungskompetenz (PHK) • Angebote von politischen Organisationen nutzen und mit Personen und Institutionen der politischen Öffentlichkeit Kontakt aufnehmen. Politische Sachkompetenz (PSK) • Fachspezifische Begriffe und Konzepte werden reflektiert, angewandt und weiterentwickelt. Dabei gilt es, an vorhandene Vorstellungen der Lernenden anzuschließen und einer altersgemäßen Konkretisierung sowie Weiterentwicklung besondere Aufmerksamkeit zu schenken. Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

6 Operatoren und Anforderungsbereiche Operator Beschreibung Anforderungsbereich I auflisten / zusammenstellen Du schreibst Informationen in Kurzform auf, zB in kurzen Sätzen, in Stichwörtern oder in einer Tabelle. aufzählen Du entnimmst einem Text oder einem anderen Material einzelne Aussagen und ordnest sie sinnvoll. beschreiben Du gibst wieder, was du auf einem Bild, in einem Text oder einem anderen Material zu einem Thema erkennen kannst. ermitteln Du stellst anhand von zur Verfügung gestellten Informationen Sachverhalte bzw. Zusammenhänge fest bzw. filterst sie heraus. feststellen Du gibst ein Ergebnis, einen Standpunkt, einen Eindruck kurz und genau wieder. gegenüberstellen Du beschreibst verschiedene Informationen, Aussagen oder Sachverhalte, ohne sie zu bewerten. nennen / benennen Du entnimmst einzelne Begriffe und Informationen aus vorgegebenen Texten und Materialien. wiedergeben Du suchst aus einem oder mehreren Texten nach wichtigen Informationen oder Aussagen und wiederholst diese. zusammenfassen Du liest einen oder mehrere längere Texte und gibst den Inhalt in verkürzter Form wieder. Anforderungsbereich II analysieren / untersuchen Du untersuchst ein Material oder einen Sachverhalt umfassend nach allen vorgegebenen oder selbst gewählten Aspekten und stellst deine Ergebnisse begründet dar. begründen Du suchst in Texten und Materialien nach Gründen, warum sich Ereignisse in einer bestimmten Form zugetragen haben oder warum Menschen in einer bestimmten Art und Weise gehandelt haben. Anschließend gibst du die Zusammenhänge ausführlich mit deinen eigenen Worten wieder. charakterisieren Du beschreibst das Besondere einer Person oder einer Sache. erklären Du äußerst dich ausführlich zu Abläufen, Ereignissen, Zuständen oder Handlungen und machst dabei Gründe und Zusammenhänge deutlich. erläutern Du stellst Sachverhalte oder Handlungen ausführlich dar. Dabei entscheidest du selbst, was du für besonders wichtig hältst und du demzufolge sehr genau darlegst, was du nur kurz erwähnst oder was du weglassen willst. erstellen Du stellst einen Sachverhalt strukturiert dar. Dabei verwendest du wichtige Fachbegriffe. herausarbeiten Du liest einen Text oder siehst dir anderes Material unter einem bestimmten Gesichtspunkt an und gibst die wichtigsten Gedanken dazu in eigenen Worten wieder. herausfinden / recherchieren Du suchst in verschiedenen Texten und Materialien nach Antworten auf Fragen bzw. auf Lösungen bestimmter Probleme und formulierst diese mit deinen eigenen Worten. Möglichkeiten der Recherche bieten zB das Internet, ein Lexikon oder Fachliteratur. Gib bei deinen Antworten die Quellen an, die du verwendet hast. interpretieren / deuten Du erklärst einen Text oder eine Abbildung. prüfen Du vergleichst Informationen aus den Materialien mit vorhandenen Kenntnissen und stellst fest, ob beides übereinstimmt oder sich widerspricht. vergleichen Du stellst unterschiedliche Aussagen oder Informationen gegenüber und findest heraus, worin sie sich gleichen, ähneln oder sich völlig unterscheiden. Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

7 Operator Beschreibung zuordnen / einordnen Du stellst Sachverhalte oder Positionen in einen Zusammenhang. Dabei kann es hilfreich sein, die Informationen unter bestimmten Überschriften oder Oberbegriffen zu sortieren. Anforderungsbereich III beurteilen Du untersuchst Sachverhalte, Aussagen, Vorschläge oder Maßnahmen unter einem bestimmten Aspekt und entscheidest begründet, ob sie zutreffen oder nicht. bewerten Du formulierst zu Sachverhalten, Aussagen, Vorschlägen oder Maßnahmen ein Werturteil. Dabei legst du offen, welche Maßstäbe du anlegst. darstellen / erzählen / gestalten Du beschreibst und erklärst einen Sachverhalt in einem weiteren Zusammenhang. diskutieren Du tauschst mit Gesprächspartnerinnen und -partnern Meinungen zu einer Frage- oder Problemstellung aus. Dabei wägt ihr ab, was für einen bestimmten Standpunkt spricht und was dagegen. entwickeln Du entwirfst zu einem Problem einen Lösungsvorschlag und begründest ihn. erörtern Du entwickelst zu einer Frage- oder Problemstellung eine begründete Position und stellst diese strukturiert und sprachlich angemessen dar. formulieren Du drückst einen Sachverhalt oder einen Zusammenhang in eigenen Worten mithilfe von Fachbegriffen aus. Stellung nehmen Du prüfst eine Aussage oder eine Position auf der Grundlage fachlicher Kenntnisse und formulierst eine eigene begründete Einschätzung. überprüfen Du kontrollierst, ob eine Aussage, eine These, eine Argumentation oder ein Sachverhalt stimmig und angemessen ist. Dazu vergleichst du Informationen aus den Materialien mit vorhandenen Kenntnissen und stellst fest, ob beides übereinstimmt oder sich widerspricht. Handlungsorientierte Arbeitsaufträge einen Blogbeitrag schreiben / verfassen: Du überlegst genau, was die Leserinnen und Leser wissen wollen. Finde eine passende Überschrift und Einleitung zu deinem Thema. Halte die Absätze möglichst kurz. Du kannst deinen Beitrag auch mit Bildern (mit Bildunterschriften und Quellenangaben!) versehen. einen Brief / eine E-Mail schreiben / verfassen Du musst dir genau überlegen, wer die Adressatin oder der Adressat deines Briefes oder deiner E-Mail ist und wie du zu ihr bzw. zu ihm stehst. Die Empfängerin oder der Empfänger des Briefes oder der E-Mail erwartet, dass du dich klar und verständlich ausdrückst. Sie bzw. er möchte genau wissen, worüber du schreibst, und möchte deine Gedanken und vielleicht auch deine Gefühle erkennen. einen Tagebucheintrag schreiben / verfassen Du vertraust dich nur dem Tagebuch an, kannst also deine ganz persönliche Sicht und deine Gefühle zum Ausdruck bringen, ohne auf andere Rücksicht zu nehmen. Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

8 Die Anfänge der Menschheit M1 Das Bild zeigt eine Höhlenmalerei von Lascaux. (Dordogne, Frankreich, 17000 – 15 000 v.Chr.) xy9jq4 4,5 Mrd. v. Chr. Die Erde entsteht. 4 Mio. v.Chr. Vormensch 3,5 Mrd. v. Chr. erstes Leben 2 Mio. v.Chr. Homo erectus 200 000 v. Chr. Homo sapiens sapiens 300 000 v. Chr. Homo sapiens Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

9 10 000 v. Chr. Ende der letzten Kaltzeit 8000 v. Chr. Beginn der Jungsteinzeit im Nahen Osten 6000 v. Chr. Beginn der Jungsteinzeit in Mitteleuropa 2300 v. Chr. Beginn der Bronzezeit in Mitteleuropa 800 v. Chr. Beginn der Älteren Eisenzeit (Hallstatt-Zeit) 400 v. Chr. Beginn der Jüngeren Eisenzeit (La-Tène-Zeit) 35 000 v. Chr. Der Neandertaler stirbt aus. Christi Geburt In diesem Kapitel erfährst du über: • verschiedene Arten von Quellen und ihre Unterscheidung. • unterschiedliche Arten der Zeitberechnung. • die Zuordnung von Jahreszahlen zu den einzelnen Jahrhunderten vor und nach Christus. • die einzelnen Entwicklungsschritte der Menschheit von den Urmenschen zu sesshaften Ackerbauern. • die wichtigsten Erfindungen der Menschheit in der Steinzeit und in den Metallzeiten. • die unterschiedlichen Wohnsituationen der Menschen in der Ur- und Frühgeschichte. 1 Sprecht in der Klasse darüber, was ihr euch unter Geschichte vorstellt. Listet Schlagwörter zu diesem Thema auf einem Plakat auf. (HOK I) 2 Beschreibt die Wandmalereien von Lascaux (M1). (HMK I) 3 Diskutiert, warum sie vermutlich angefertigt wurden. (HMK III) Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

10 Vergangenheit wird zu Geschichte M1 Römische Keramikscherben – gegenständliche Quelle (2./3. Jh. n. Chr.) M4 Überreste der Stadt Pompeji – gegenständliche Quelle: Pompeji wurde 79. n.Chr. durch einen Ausbruch des Vesuv zerstört. (Foto 2017) Verschiedene Arten von Quellen zeigen uns die Vergangenheit Wie haben Menschen früher gelebt, gearbeitet und gedacht? Historikerinnen und Historiker versuchen das herauszufinden. Quellen dafür können schriftliche oder mündliche Berichte von Menschen sein, die über das erzählen, was sie erlebt oder gesehen haben. Auch alte Urkunden in Archiven sind Quellen der Vergangenheit. Bilder und Statuen, Bauwerke und Gegenstände können ebenso als Informationsquellen dienen. Je mehr solcher Informationen Historikerinnen und Historiker sammeln, desto genauer werden die Darstellungen, die wir so von der Vergangenheit erhalten. Darstellungen berichten über die Vergangenheit Historikerinnen und Historiker versuchen die Informationen, die sie aus den Quellen gewonnen haben, möglichst genau in Büchern, Ausstellungen oder Filmen darzustellen. Es gibt aber auch Autorinnen und Autoren, die diese Informationen aus den Quellen mit erfundenen Geschichten vermischen. So entstehen historische Romane. Andere verfilmen diese vergangenen Ereignisse und fügen zusätzliche Menschen oder Ereignisse dazu, um eine spannende oder romantische Geschichte erzählen zu können. Nach demselben Muster entstehen auch Computerspiele, die einen geschichtlichen Hintergrund, aber eine erfundene Handlung haben. M2 Das Kind vom Gansstein– schriftliche Quelle nach einer mündlichen Überlieferung: Es ist nicht leicht, alte Schriften zu lesen wie hier die Frakturschrift. Q Bei einer kleinen steirischen Stadt gibt es einen Berg, den Gansstein.Ein enger Felsspalt führt in eine Höhle,in der ein riesiger Schatz liegt.Der Gansstein-Micherl,ein kleiner grauer Zwerg,bewacht diesen Schatz.Oft hat er armen Menschen mit seinem Gold geholfen. In einer Christnacht aber kam eine habgierige Frau mit ihrem Kind bei der Höhle vorbei … (nach: Sagen aus der grünen Mark, 1911) M3 Der Palast von Knossos – gegenständliche Quelle (Kreta, Griechenland, Foto 2013 bzw. 1992) M5 Quelle oder Darstellung? Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

Anwendungsbereich 1: Lebensweltliche Erfahrungen im Umgang mit Geschichte und Vergangenheit 11 Von der Vergangenheit zur Geschichte Einzelne Ereignisse aus der Vergangenheit bilden, wenn sie zusammengefügt werden, Geschichte. So entsteht zB eine Familiengeschichte aus den verschiedenen Ereignissen, die sich bei den Familienmitgliedern zugetragen haben. Sie wird auch von der Geschichte des Landes, in dem die Familie lebt, oder von der Weltgeschichte durch Kriege, Flucht, Naturereignisse oder eine Pandemie beeinflusst. Jeder von uns hat seine persönliche Geschichte. Umgang mit Quellen aus der Vergangenheit Darstellung von Geschichte Erzählungen, Fotos, Videos, Dokumente und Erinnerungsstücke machen deine persönliche Geschichte anschaulich. Das alles sind Quellen. mündliche Quellen: Geschichte kann erzählt werden, und je nachdem, wer sie erzählt, wird über sie unterschiedlich berichtet. Das ist bei jeder Darstellung von Geschichte so. schriftliche Quellen: Länger zurückliegende Ereignisse können rekonstruiert (= wiederhergestellt, nachgebildet) werden, weil Menschen, die dabei waren, ihre Erlebnisse aufschrieben. gegenständliche Quellen: Gegenstände oder Bauwerke aus dieser Zeit sind erhalten. bildliche Quellen: Höhlenmalereien, Gemälde, Fotos oder Filme machen die Zeit sichtbar. Manches lässt sich rekonstruieren Immer wieder werden an Kirchenwänden oder in alten Schlössern Malereien gefunden, die in späteren Jahren übermalt wurden. Wenn die ursprünglichen Bilder wieder freigelegt werden, fehlen oft Teile, die ergänzt und rekonstruiert werden können. Dabei kann es allerdings passieren, dass Dinge hinzugefügt werden, die im Original nicht vorhanden sein konnten. Forscherinnen und Forscher versuchen oft, bei geschriebenen Texten unleserlich gewordene oder fehlende Textstellen zu rekonstruieren. Bei Gebäuden können fehlende Teile ergänzt werden, um den Besuchenden einen Eindruck vom ursprünglichen Zustand des Bauwerkes zu vermitteln. Quelle und Rekonstruktion* muss man trennen Es ist ganz wichtig, dass man genau anzeigt, welche Teile eines Bauwerkes, eines Bildes oder eines Textes original und welche ergänzt worden sind. Denn wenn die Forscherinnen und Forscher neue Erkenntnisse über die Vergangenheit gewinnen, kann es sein, dass die Ergänzungen abgeändert werden müssen, während die Originalteile unverändert bleiben müssen. M6 Sphinx und Pyramide in Gizeh* – gegenständliche Quelle (Foto 1992) M7 Die Nase der Sphinx – bildliche Quelle (Asterix und Kleopatra, Comic, René Goscinny, Albert Uderzo, 1968) 1 Die Keramikscherben (M1) stammen aus der Römerzeit. Ermittle, was die Forscherinnen und Forscher aus diesem Fund erkennen können. Liste Vorschläge auf, wie sie diese Scherben in einem Museum anschaulich präsentieren könnten. (HMK II) 2 Gib den Text M2 wieder. Recherchiere unter sagen.at – das kind im gansstein darüber, wie die Sage weitergeht. (HMK II) 3 Vergleiche die beiden Darstellungen in M3. Begründe, welches das Original und welches die Rekonstruktion zeigt. Nenne Vor- und Nachteile einer derartigen Rekonstruktion. (HMK II) 4 Finde im Foto der Säulen in Pompeji (M4) heraus, welche Teile original und welche rekonstruiert sind. (HMK I) 5 Ordne die in M5 abgebildeten Gegenstände entweder Quellen oder Darstellungen zu. Begründe deine Entscheidungen. Stelle fest, ob einige dieser Gegenstände zu einer Quelle über dein Leben werden könnten. Nenne drei weitere Gegenstände. (HMK I, HMK II) 6 Prüft mithilfe von M6, was der Comic M7 zu erklären versucht. Diskutiert, ob diese Erklärung stimmen kann. Entwickelt eine weitere Erklärung für das heutige Aussehen der Sphinx (M6). (HFK II) 2 Mio. v. Chr. heute Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

12 Was ist Zeit? M1 Luftaufnahme von Stonehenge, einem steinzeitlichen Denkmal in England (Foto 2020) M4 Stonehenge (Rekonstruktionszeichnung von Alan Ernest Sorrell, 1960) Jahresangaben sind wichtig Um geschichtliche Ereignisse richtig einzuordnen, ist es wichtig zu wissen, in welchem Jahr sie stattgefunden haben. Dabei gibt es verschiedene Möglichkeiten die Jahre zu zählen: Weltweit am meisten verbreitet ist der gregorianische Kalender, der von der Geburt Christi im Jahr 1 ausgeht. Wir verwenden den gregorianischen Kalender Papst Gregor ordnete im 16. Jh. eine Kalenderreform an. Ein Jahr hat 365 Tage, alle vier Jahre wird mit dem 29. Februar ein Schalttag eingefügt, aber die Hunderterjahre sind keine Schaltjahre. Sonnenjahr und Kalenderjahr stimmen überein: Tageslänge und Sonnenstand entsprechen den Jahreszeiten des Kalenders. Bei Mondkalendern ist das nicht so. Daher ist der Sonnenkalender für die Landwirtschaft besonders gut geeignet. Darum verwenden viele Länder, die traditionell einen anderen Kalender haben, zusätzlich Jahresangaben nach dem gregorianischen / westlichen Kalender. M2 Unser Monat Januar ist nach dem zweigesichtigen römischen Gott Ianuarius benannt. (römische Münze um 225–212 v.Chr.) M3 Unterschiedliche Zeitrechnungen Zeitrechnung Beginn Benennung eines Jahres christlich Christi Geburt (Jahr 1) nach Christi Geburt / nach Christus (n. Chr.) vor Christi Geburt / vor Christus (v. Chr.) buddhistisch Tod Buddhas (544 v. Chr.) buddhistische Zeit / Buddhist Era (B. E.) vorbuddhistische Zeit / Before Buddhist Era (B. E. E.) jüdisch Schöpfung der Welt nach der Bibel (3761 v. Chr.) S. 94 seit der Erschaffung der Welt / Anno Mundi° (AM) islamisch Hidschra (622 n. Chr.) S. 95 im Jahr der Hidschra°° (d. H.) chinesisch Erfindung des Kalenders (2636 v. Chr.) Einteilung in Zyklen von je 60 Jahren in Verbindung mit Tiernamen und zehn Kombinationen von Elementen antikes Rom Gründung der Stadt Rom (753 v. Chr.) S. 50 seit Gründung der Stadt / ab urbe condita° (a .u. c) nach dem Namen der regierenden Oberbeamten zB: unter den Konsuln* Asinius Pollio und Antistius Vetus antikes Athen – nach dem Namen des regierenden Oberbeamten (Archon) zB: im Jahr, als Peisistratos Archon war antikes Griechenland 1. Olympiade (776 v. Chr.) jeweils vierjährige Zeitspannen ° Das ist lateinisch. °° Religionsgründer Mohammed floh von Mekka nach Medina. 2. Jahrhundert 1. Jahrhundert 1. Jahrhundert 2. Jahrhundert vor Christus nach Christus 199|198| … |103|102|101 99|98|97|96| … 5|4|3|2|1 1|2|3|4|5| … |97|98|99 101|102| … 197|198|199 Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

Anwendungsbereich 1: Lebensweltliche Erfahrungen im Umgang mit Geschichte und Vergangenheit 13 Einteilung in Jahrhunderte Es gibt kein Jahr Null Mönche im 16. Jh. nahmen die Geburt Christi für den 1.1. des Jahres 1 an. Die Zahl Null war zu dieser Zeit nur wenigen Gelehrten bekannt. Jahrhunderte Die Jahre vom Jahr 1 bis zum Jahr 99 nach Christus (n. Chr.) rechnet man zum 1. Jahrhundert (Jh.) n.Chr., entsprechend zählen das Jahr 101 bis zum Jahr 199 zum 2. Jh. n. Chr. und so weiter. Man rechnet also immer bis zum nächsten vollen Hunderter. Vor Christi Geburt geht es genau umgekehrt: Man rechnet bis zum letzten Hunderterjahr: Vom Jahr 1 v. Chr. bis 99 v. Chr. zählt man das 1. Jh. v. Chr., von 101 v. Chr. bis 199 v. Chr. das 2. Jh. v. Chr. und so weiter. M6 Aus dem 9. Jh. stammt diese Darstellung der bäuerlichen Arbeiten im Jahreslauf. (karolingische Buchmalerei aus dem 9. Jh., aus: Codex 387, Abtei St. Peter, Salzburg) M5 Jahre und Jahrhunderte 299 v. Chr. – 200 v. Chr. 99 v. Chr. – 1 v. Chr. 1 n. Chr. – 99. n. Chr. 501 n. Chr. – 599 n. Chr. 1801 – 1899 n. Chr. 499 v. Chr. – 401 v. Chr. 2001 – 2099 n. Chr. 1 Zeitrechnung christlich buddhistisch jüdisch islamisch 2021 2564 5781/82° 1442/43° 1492 ° Jahresbeginn im Frühling Benenne das Jahr der Entdeckung Amerikas nach der buddhistischen, jüdischen und islamischen Zeitrechnung. Trage auch dein Geburtsjahr ein und rechne es um. (HOK I) 2 Stelle mithilfe der Tabelle M3 fest, in welchem Jahrhundert diese Jahre liegen. Trage diese Angaben in die Tabelle ein. (HOK I) Jahresangabe Jahrhundert 1517 n. Chr. 44 v. Chr. 1740 n. Chr. 799 v. Chr. 1848 n. Chr. 3 Du bist im 21. Jh. geboren, deine Großeltern im 20. Jh. Stelle fest, in welchem Jh. deine Eltern geboren wurden. (HOK I) 4 Ermittle anhand der Darstellungen M1 und M4, warum manche Forscherinnen und Forscher glauben, dass Stonehenge als Kalender genutzt wurde. M1 gibt einen Hinweis. (HOK II) 5 Liste in der Tabelle M5 die Antworten auf. Achte dabei auf die Angaben v.Chr. und n.Chr. (HOK II) 6 Erstelle eine Liste, welche Tätigkeiten für dich in den einzelnen Monaten eines Jahres wichtig sind. (HSK II) 7 Ermittle anhand des chinesischen Kalenders M7, welche Tiere deinem Geburtsjahr und den Geburtsjahren deiner Familienmitglieder zugeordnet werden. (HOK I) M7 Chinesischer Kalender 2 Mio. v. Chr. heute Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

14 Die Frühzeit der Menschen M1 Stammbaum des Menschen M2 Die Anfänge der Menschheit: Der Homo sapiens lebte vor etwa 300 000 Jahren in Afrika und verbreitete sich von dort aus über die gesamte Erde. Er verdrängte alle anderen Menschenarten. So gehören heute alle Menschen auf der Erde, gleich welcher Hautfarbe, derselben Art an. vor 40 000 Jahren vor 70 000 Jahren vor 35 000 Jahren vor 15 000 Jahren vor 15 000 Jahren vor 10 000 Jahren vor 50 000 Jahren vor 200 000 Jahren Ausbreitung 0 2 500 5 000 7 500 km Maßstab 1:250 000 000 Ausbreitung 0 2 500 5 000 7 500 km Maßstab 1:250 000 000 Die ersten Menschen Wie du im Stammbaum M1 siehst, haben Menschen und Menschenaffen gemeinsame Vorfahren. In Ostafrika entwickelte sich vor ca. 4,5 Mio Jahren unter den Menschenaffen die Gattung Vormensch: Alle Vertreter dieser Gattung weisen eine Besonderheit bei den hinteren Backenzähnen auf. Aus diesen gingen vor rund zwei Mio. Jahren Frühmenschen hervor, die aufrecht gingen, vermutlich um im hohen Gras ihre Feinde früher sehen zu können (Homo erectus). Durch den aufrechten Gang wurden die Hände frei. So konnten diese Menschen Werkzeuge herstellen und benutzen. Ihr Gehirn wurde immer größer und leistungsfähiger. Homo sapiens Der Homo sapiens (= vernünftiger Mensch) hat sich aus ihnen entwickelt. Der früheste Knochenfund eines Homo sapiens ist ca. 300 000 Jahre alt und stammt aus Marokko. Zu dieser Zeit lebte in Europa der Neandertaler*, der sich aus dem Homo erectus entwickelt hatte. Vor ca. 10 000 Jahren endete die letzte Kaltzeit. Die europäischen Gletscher schmolzen, die großen Wildtiere zogen sich nach Norden zurück. Der Homo sapiens konnte auf die neue Klimasituation besser reagieren. Die Neandertaler, die von der Großwildjagd gelebt hatten, wurden vom homo sapiens verdrängt und starben aus. Die Menschen werden nach und nach sesshaft Das Klima erwärmt sich Durch das wärmere und feuchtere Klima veränderte sich die Pflanzenwelt: Große Wälder und Graslandschaften entstanden. Menschen und Tiere passten sich den neuen Lebensbedingungen an. Kleinere Tierarten wie Hirsche, Rehe, Wildschweine und Hasen waren jetzt verbreitet. Viehzucht statt Jagd Im Nahen Osten* gab es weite Graslandschaften. Dort lebten wilde Herden von Rindern, Schafen und Ziegen. Die Tiere gewöhnten sich an die Menschen in ihrer Nähe. Daher konnten sie leichter gefangen werden. Hunde, die vom Wolf abstammen, lebten jetzt mit den Menschen. Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

Anwendungsbereich 1: Lebensweltliche Erfahrungen im Umgang mit Geschichte und Vergangenheit 15 Ackerbau statt Sammeln In der Jungsteinzeit wurden die Menschen allmählich sesshaft. Sie bauten Häuser und legten Dörfer an. Auf Äckern ernteten sie Getreide. Weil sie ihre Nahrung selbst produzierten, mussten sie nicht mehr Glück bei der Jagd haben oder Essbares sammeln. Diese so genannte neolithische (= jungsteinzeitliche) Revolution war ein großer Entwicklungsschritt in der Menschheitsgeschichte. Nicht in allen Gebieten wurden die Menschen zur gleichen Zeit sesshaft: In Nordeuropa gab es große Waldgebiete, in denen die Menschen sich mit Jagd und Sammeln gut versorgen konnten. Sie blieben daher bei dieser Lebensweise. Getreide Im Nahen Osten gab es riesige Felder mit wild wachsenden Getreidegräsern (Weizen, Gerste). Durch die reichliche Nahrung wurden dort einige Menschengruppen schon vor etwa 12 000 Jahren sesshaft. Aus behelfsmäßigen Lagern entstand bald eine Ansammlung von Hütten. Vorratswirtschaft Die Menschen sammelten mehr, als sie aßen, und legten Vorräte an. Dabei bemerkten sie, dass bei den Vorratsgruben das Getreide besonders reichlich wuchs. So verstanden sie, dass Pflanzen aus Körnern wuchsen, legten Samen beiseite und säten sie wieder aus. Da sie dafür die Körner der besten Pflanzen auswählten, wurden im Laufe der Zeit die Körner größer und zahlreicher an jeder Ähre. Nun konnten sich auch größere sesshafte Menschengruppen ernähren. Die Vorteile der neuen Lebensweise Berechnungen ergaben, dass etwa 650 km2 Land notwendig waren, um die Ernährung von 25 jagenden und sammelnden Menschen zu sichern. Für eine Gemeinschaft von 150 sesshaften Menschen reichten hingegen 15 km2 aus. Für kleine Kinder und alte Menschen waren die Wanderungen der Menschen in der Altsteinzeit beschwerlich und gefährlich. Nun konnten die Alten im Dorf auf die Kleinen aufpassen, während deren Eltern auf den Feldern arbeiteten oder auf die Jagd gingen. M3 Die Entwicklung des Pferdes Urpferd Mesohippus Merychippus Plioshippus Pferd heute Stockmaß ca. 30 cm ca. 50 cm ca. 80 cm ca. 120 cm ca. 150 cm M4 Die Entwicklung des Weizens: Veränderungen der Form als Folge des Ackerbaus: Wildweizen – Zuchtweizen – heutiger Weizen (Zeichnung) 1 Erkläre anhand der Weltkarte M2: (HOK II) Wie hat sich der Homo sapiens über die Kontinente verbreitet? Wo hat sein Weg begonnen? Welche Kontinente hat er zuletzt erreicht? 2 Nimm mithilfe der Karte M2 zur Aussage „Afrika ist die Wiege der Menschheit“ Stellung. (HFK III) 3 Erläutere mit dem Stammbaum M1, weshalb die übliche Aussage: „Der Mensch stammt vom Affen ab.“ nicht korrekt ist. (HFK II) 4 Beschreibe die Entwicklung des Pferdes vom Urpferd bis zum heutigen Pferd (M3). Benenne die Veränderungen vom Wildweizen zum heutigen Weizen (M4). Zähle Gemeinsamkeiten auf. (HMK II) 5 Zeige diese Schulbuchseite deiner Mathematiklehrerin oder deinem Mathematiklehrer. Berechnet gemeinsam, wie viele km2 notwendig gewesen wären, um 150 Menschen durch Jagen und Sammeln zu ernähren. (HSK I) 6 Erkläre, weshalb Katzen und Menschen im Nahen Osten bereits vor ca. 11 000 Jahren zusammenlebten. (Tipp: Überlege, was freilaufende Katzen fressen, und was deren Futtertiere fressen.) (HSK II) 7 Sprecht in der Klasse darüber, was der Begriff „Revolution“ bedeutet. Erklärt, weshalb Forscherinnen und Forscher von der „neolithischen Revolution“ sprechen. (HOK II) 4 Mio. v. Chr. ca. 8000 v. Chr. Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

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