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Erziehung & Unterricht 2020 | 7+8

Themenschwerpunkt: Evidenzbasierung und Unterricht

Zu Recht gibt es im österreichischen Schulsystem den Anspruch an Schule, Schülerinnen und Schüler zum bestmöglichen Bildungserfolg zu bringen. Im Unterricht – in der professionellen Verantwortung der Lehrperson/en – entscheidet sich wesentlich, wie dies gelingt! Die Nutzung von Daten und Evidenzen zur Qualitätssicherung und Qualitätsentwicklung der – professionellen – Praxis betrifft die Schulleitung, die Lehrerinnen und Lehrer und wesentlich den Unterricht und die Unterrichtsentwicklung, „um so das pädagogische Geschäft gleichsam aus der empirischen Ahnungslosigkeit herauszuführen“, wie Norbert Maritzen es im Auftaktartikel dieses Heftes nennt.


Editorial

 

Evidenzbasierung und Unterricht

Zu Recht gibt es im österreichischen Schulsystem den Anspruch an Schule, Schülerinnen und Schüler zum bestmöglichen Bildungserfolg zu bringen. Im Unterricht – in der professionellen Verantwortung der Lehrperson/en – entscheidet sich wesentlich, wie dies gelingt!

Deutliche Weiterentwicklungen im Schulsystem sind die Wirkungsorientierung aus 2013 und die Bildungsreformgesetzgebung 2017, die Ansprüche und Erwartungen an gelingende Schule definieren. Im Bildungsdirektionen-Einrichtungsgesetz (BD EG), § 5, werden die Grundlagen und Neuerungen für eine systematische Qualitätssicherung und Qualitätsentwicklung genannt und verbindlich vorgegeben. Unter anderen Vorgaben gilt es auch ein Bildungscontrolling und Bildungsmonitoring zu entwickeln und in diesem Zusammenhang Daten zur Verfügung zu stellen mit dem Anspruch an Schulen, diese auch zu nutzen.

Über das Bildungsmonitoring zur Verfügung gestellte Daten sind ein Teil von möglichen Daten, die Lehrerinnen und Lehrer und auch Schulleiterinnen und Schulleiter nutzen sollen. Daten, Evidenzen, Informationen können darüber hinaus aus verschiedenen Quellen bezogen werden: aus nationalen und internationalen Leistungsvergleichen wie Bildungsstandardtestungen, iKMplus, Lesetestergebnissen, PISA, PIRLS und TIMSS-Ergebnissen, aus Tests im Unterricht, abschließenden Prüfungen, aus dem Einsatz von Feedbackinstrumenten, die das Qualitätsmanagementsystem anbietet, aus schulinternen Evaluationen sowie auch aus kollegialen Hospitationen.

Von Daten zu Taten? Der Slogan ist schon etwas abgenützt, aber genau darum geht es.

Die Daten geliefert zu bekommen bzw. sie zu haben reicht nicht. Vielmehr geht es um eine professionelle Nutzung datengestützter Information zur Reflexion der gelebten Praxis, allenfalls zur Bestätigung und jedenfalls zur Weiterentwicklung dieser Praxis.

Die Nutzung von Daten und Evidenzen zur Qualitätssicherung und Qualitätsentwicklung der – professionellen – Praxis betrifft die Schulleitung, die Lehrerinnen und Lehrer und wesentlich den Unterricht und die Unterrichtsentwicklung, „um so das pädagogische Geschäft gleichsam aus der empirischen Ahnungslosigkeit herauszuführen“, wie Norbert Maritzen es im Auftaktartikel dieses Heftes nennt.


Article Summaries

 

Norbert Maritzen

Evidenzbasierte Unterrichtsentwicklung – Über einige Vereinfachungen und Fehlvorstellungen

Summary: Mit nationalen und internationalen Leistungsvergleichsuntersuchungen ist in den deutsch-sprachigen Ländern auch die Frage virulent geworden, was mit den Ergebnissen auf der Ebene des Unterrichts eigentlich anzufangen sei. Bildungspolitik und -administration erwarten jedenfalls von Lehrkräften und Schulleitungen, dass sie Konsequenzen aus solchen Ergebnissen für die pädagogische Praxis ziehen. Dass solche Erwartungen bisher eher enttäuscht wurden, hängt nicht zuletzt mit verengten Vorstellungen von Nutzungsvoraussetzungen und -prozessen zusammen. Dem versucht der Beitrag nachzugehen mit dem Ziel, ein differenziertes Verständnis von „evidenzbasierter Unterrichtsentwicklung“ zu skizzieren.

 

Denise Demski

Verfügbares Steuerungswissen als Basis für Unterrichtsentwicklung?

Summary: Mit dem Postulat der Evidenzbasierung im Bildungssystem ist die Hoffnung verbunden, auf Basis von Wissensbeständen und Datenrückmeldungen die Entwicklung von Schule und Unterricht vorantreiben zu können. Der Artikel gibt einen kurzen Überblick über die Neue Steuerung im Bildungsbereich sowie das Konzept der Evidenzbasierung und stellt ausgewählte Forschungsbefunde aus einem Projekt zur Nutzung unterschiedlicher Informationsquellen in rheinland-pfälzischen Schulen dar. Die empirische Datenbasis zeigt dabei bisher noch ein verhaltenes Bild der Nutzung dieses Steuerungswissens durch Akteure in der Schulpraxis. Der Beitrag schließt mit einer Diskussion und zeigt dabei Implikationen für die unterschiedlichen Ebenen und Akteure des Bildungssystems auf.

 

Astrid Fritz – Andrea Kulmhofer-Bommer

Evidenzbasierte Unterrichtsentwicklung durch Bildungsstandards und Kompetenzmessungen in Österreich

Summary: Unterrichtsentwicklung steht als zentraler Baustein schulischer Qualität schon seit Jahrzenten im Zentrum bildungspolitischer Reformbestrebungen. Der vorliegende Beitrag beleuchtet den Einfluss der Bildungsstandards und der in Österreich implementierten Kompetenzmessungen auf die Unterrichtsentwicklung und gibt einen kurzen Ausblick auf die Zukunft. Dabei werden auf die intendierten Funktionen der Zielbeschreibungen von Unterricht und Lernen sowie deren nachweisbaren Effekte einge-gangen und die über die Jahre entwickelten Instrumente gegenübergestellt.

 

Claudia Schreiner

Ein Prozessmodell Pädagogischer Diagnostik: Evidenzen generieren, bewerten und nutzen, um Lernen und Lehren zu entwickeln

Summary: Ausgehend vom Lernen der Schüler/innen als vorrangigem Ziel von Schule entwirft dieser Beitrag ein Prozessmodell für eine formative, handlungsorientierte Pädagogische Diagnostik. Dabei steht Verbesserung und Entwicklung des Lernens im Mittelpunkt der Bestrebungen – eine direkte Unterstützung von Lernprozessen durch Pädagogische Diagnostik im Sinne der Konzepte des ‚formative assessment‘ sowie eine indirekte Wirkung auf das Lernen der Schüler/innen durch die Verbesserung der Möglichkeiten und Rahmenbedingungen für das Lernen auf der Basis evidenzorientierter Unterrichtsentwicklung.

 

Christian Wiesner

Diagnostische Urteile durch Evidenzen im Unterricht

Summary: Für die Beurteilung ihres eigenen Lehrens sowie zur Beurteilung von Schülerinnen und Schülern benötigen Lehrpersonen nicht nur diagnostische Kompetenzen bzw. eine diagnostische Expertise, sondern ein solides theoretisches Verständnis von Prozessen der Urteilsbildung. Im Besonderen ist ein reflexiver Lehrerhabitus förderlich, um die eigenen Wahrnehmungs- und Beurteilungslinsen im Unterricht adäquat und an Evidenzen orientiert auszurichten. Der Beitrag klärt wesentliche Grundbegriffe zur Diagnostik durch Evidenzen im Unterricht und diskutiert auf Basis des Brunswikschen Linsenmodells den Prozess von diagnostischen Urteilen im Unterricht.

 

Rupert Corazza – Marie Gitschthaler

Nachhaltigkeit gefragt

Summary: Die Notwendigkeit evidenzbasierten Arbeitens für die Unterrichts- und Schulentwicklung steht außer Frage. Mit PISA gab es Druck für Veränderungen im Bildungssystem. Durch Einführung wirkungsorientierter Steuerungsmechanismen in allen Teilen der öffentlichen Verwaltung, so auch im Bildungssystem, hat sich ein neues Managementsystem etabliert. Der Umgang mit Daten und den daraus resultierenden Informationen hat sich in den Schulen in den letzten Jahren stark weiterentwickelt. Kurz gesagt: Sustainability (nachhaltiges Agieren) im Sinne von Andy Hargreaves ist Ziel einer langfristigen Strategie im Schulsystem.

 

Monika Perkhofer-Czapek

„Ich langweile mich, wenn ich warten muss, bis alle die Mathematik-Aufgabe gelöst haben!“ – Der Unterricht als Informationsquelle fürs Lernen und Lehren

Summary: Dieser Beitrag nimmt Informationen in den Blick, die kontinuierlich während des Unterrichts im Verständnis eines Unterrichtsprozesses und -prinzips von den Beteiligten selbst – Lehrer*innen und Schüler*innen – erhoben werden, um sie für das Lernen und Lehren zu nutzen. Informationen solcher Art haben direkte Nähe zum Lernprozess der Schüler*innen und unmittelbare Auswirkungen auf den Lehrprozess der Lehrer*innen. Ihre Erhebung ist unabdingbar notwendig für die Abstimmung von Lernen und Lehren, für das Anknüpfen der Lehrangebote an Lernvoraussetzung, -prozess und -stand einzelner Schüler*innen und der Klasse.

 

Manuel Ade-Thurow

Unterrichtsdiagnostik mit EMU

Summary: Dem Artikel zugrunde liegt das Fragebogeninstrument EMU (Evidenzbasierte Methoden der Unterrichtsdiagnostik und -entwicklung), das 2010 von Helmke et al. im Rahmen des Projektes UdiKom der Kultusministerkonferenz entwickelt wurde. Das Instrument ermöglicht die Einschätzung fächerübergreifender Merkmale von Unterrichtsqualität durch die Schülerinnen und Schüler, die unterrichtende Lehrkraft und eine hospitierende Kollegin / einen hospitierenden Kollegen im Anschluss an eine konkrete Unterrichtsstunde. Der Abgleich der drei Perspektiven mit Hilfe eines Urteilsprofils bildet die Grundlage für Feedbackgespräche über den Unterricht und dessen Weiterentwicklung. Neben der Vorstellung des Instrumentes und der Blick auf die Praxis der Unterrichtsdiagnostik soll insbesondere auch die Sichtweise der Schulleitung im Artikel zur Sprache kommen.

 

Karin Haslgrübler

Schulpsychologische Expertise als Beitrag zur Unterrichtsentwicklung

Summary: Schule ist ein Ort der Begegnung, in dessen Zentrum der Unterricht steht. Ob Unterricht erfolgreich gestaltet und weiterentwickelt werden kann, hängt von verschiedenen Einflussvariablen ab. Diese können personenbezogen sein oder ihren Ursprung in den Umweltfaktoren des Unterrichts-geschehens haben. Das Zusammenspiel dieser Variablen wird oftmals von psychologischen Wirkungsmechanismen beeinflusst. Schulpsychologische Expertise kann diese Wirkungsmechanismen aufzeigen und erklären. Im folgenden Artikel wird erläutert, welche Unterstützungsangebote der Schulpsychologische Dienst der Bildungsdirektionen anbietet und damit auch Einfluss auf die Unterrichtsentwicklung nehmen kann.

 

Herbert Schwetz – Isabella Benischek

Zur Problematik von Sein und Sollen – wenn aus festgestellten Mängeln Maßnahmen abgeleitet werden

Summary: Im Alltag kommt es immer wieder zu bewertenden Schlussfolgerungen auf Basis von Daten, ohne einen Referenzrahmen zu haben. Dies wird als Sein-Sollen-Falle oder naturalistischer Fehlschluss bezeichnet. Subjektive Bewertungen und Interpretationen führen infolge zu (mehr oder weniger begründeten) Forderungen, die in Schule, Wirtschaft oder Politik umgesetzt werden sollen. Für jegliche (zielgerichtete) Entwicklungen braucht es vorab die Normierung durch einen Plan, um die Ergebnisse von Untersuchungen und Evaluationen – ohne subjektiv gefärbte Interpretationen – einordnen und objektiv interpretieren zu können.

 

Johannes Wild – Manuel Glondys

Vom Papyrus zum Laptop — Digitale Leseprozesse fördern

Summary: Mit der zunehmenden Digitalisierung des gesellschaftlichen Lebens findet merklich auch eine Digitalisierung der im Deutschunterricht vermittelten Kompetenzen statt. Während Schülerinnen und Schüler in ihrem Alltag nahezu täglich mit digitalen Texten konfrontiert sind, reagiert der Unterricht nur zögerlich auf diese Umstände. Nach wie vor wird überwiegend mit Arbeitsblättern und Printtexten gearbeitet. Der folgende Beitrag soll aufzeigen, welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen analogem und digitalem Lesen bestehen und wie darauf im Unterricht reagiert werden kann bzw. wie diese systematisch genutzt werden können.

 

Robert Schütky

Das Projekt „Straße der Maße“: Evidenzbasierte Unterrichtsentwicklung für den Größen- und Maße-Unterricht

Summary: Dieser Beitrag stellt die Implementierung eines evidenzbasierten Entwicklungsprojekts für den Größen- und Maße-Unterricht vor. An der parallel dazu stattfindenden Evaluierung nahmen 142 Lehrpersonen aus 49 Schulen des Primar- und Sekundarbereichs und 2750 Schüler*innen der Projektjahre 2017/18 und 2018/19 einer steirischen Bildungsregion teil. Dabei zeigt sich nicht nur die große Aktualität des Themas Größen und Maße, sondern auch, dass dank gesteigertem Interesse an Fachdidaktik und regelmäßigen Screenings in den Klassen durch das Projekt auch wichtige Prädiktoren für eine erfolgreiche zukünftige evidenzbasierte Unterrichtsentwicklung gegeben sind.

 

Manuela Wipperfürth

Evidenzbasierte Unterrichtsentwicklung als Führungsaufgabe

Summary: Eine Möglichkeit, Unterricht evidenzbasiert zu entwickeln, ist die kooperative Arbeit durch Unterrichtshospitationen und kollegiales Feedback. Ein breiter, souverän pädagogisch gedachter Evidenzbegriff hilft blockierende Vorurteile abzubauen. Um gemeinsame Unterrichtsentwicklung zu fördern, hilft die Arbeit an der Frage nach dem „Wofür“ und an Kommunikations- und Kooperationsstrukturen. Solche Instrumente und Arbeitsformen werden in einem Führungskräftetraining an Lehrkräfte vermittelt, die verantwortungsvoll Unterrichtsentwicklung an ihren Schulen mitgestalten wollen.

 

Herbert Neureiter – Günter Wohlmuth – Johann Lehrer

Prozess- und Qualitätsmerkmale von Unterricht

Evaluierung von Unterrichtsqualität aus Sicht korrespondierender Datenquellen in der Berufsbildung

Summary: Im Fokus dieses Beitrags steht die systematische Reflexion der Multiperspektivität des Unterrichtsgeschehens während des Praxisauftritts, analysiert aus Sicht der Lernenden und der beobachtenden bzw. unterrichtenden Lehrpersonen. Die Evaluierung von Merkmalen des Unterrichts ergibt eine sehr positive Sicht auf das Unterrichtsklima und die Unterrichtsqualität. Das heißt, die Fokussierung auf diese Aspekte in der Ausbildung trägt messbar zur Verbesserung der Unterrichtsqualität bei.

 

Harald Spann

Fremdsprachendidaktischer Theorie-Praxis-Dialog durch Aktionsforschung am Beispiel Englischlehrer*innen-Bildung an der PH OÖ

Summary: Aktionsforschung ist schon seit vielen Jahren in der Lehrer*innen-Bildung anzutreffen, wo sie als dynamisches Forschungs- und Professionalisierungsmodell in den verschiedensten Ausbildungskontexten auf Erkenntnisgewinn, Entwicklung und Veränderung abzielt. Spätestens seit Beginn des neuen Bachelorstudiums Lehramt Sekundarstufe (Allgemeinbildung), das im Entwicklungsverbund „Cluster Mitte“ von Pädagogischen Hochschulen und Universitäten gemeinsam angeboten wird, hat diese Dynamik auch die Englischlehrer*innen-Bildung wieder erfasst. In diesem Artikel soll am Beispiel der englischdidaktischen Lehrpraxis an der Pädagogischen Hochschule OÖ zur Diskussion gestellt werden, worin der Beitrag einer fachdidaktisch orientierten Aktionsforschung zu einer reflexiven Auseinandersetzung mit fremdsprachendidaktischen Wissensbeständen an der Theorie-Praxis-Schnittstelle in der Ausbildung angehender Englischlehrpersonen liegen kann.

 

Aus Theorie und Praxis

 

Martina Greiler-Zauchner – Tanja Lobnig – Harald Wiltsche

Grundvorstellungen zu den Begriffen Flächeninhalt und Umfang entwickeln

Eine fachdidaktische Analyse mit erprobten Unterrichtsvorschlägen

Summary: Die geometrischen Grundbegriffe Umfang und Flächeninhalt werden bereits in der Grundschule vorbereitet und entwickelt – Beobachtungen, Erfahrungen aus der Praxis und Rückmeldungen von Lehrkräften ergeben ein sehr übereinstimmendes Bild, dass die Entwicklung von Vorstellungen und die Vermittlung und das Erarbeiten von Kenntnissen und Fertigkeiten im korrekten Umgang mit diesen Grundbegriffen sich offenbar als nicht ganz trivial gestalten. Dieser Artikel geht, aufbauend auf einer Begriffsklärung, auf Grundvorstellungen zu Umfang und Flächeninhalt ein und skizziert konkrete Unterrichtsaktivitäten, die es ermöglichen sollen, diese Grundvorstellungen zu verinnerlichen und zueinander in Bezug zu setzen.

 

Margit Humer

Das Lautleseprotokoll (LLP)

Summary: Mit dem folgenden Beitrag aus der schulischen Praxis soll das in der Literatur theoretisch erklärte Lautleseprotokoll (LLP) anschaulich dargestellt und der Einsatz beschrieben werden. Lehrkräfte der Primar- und Sekundarstufe erhalten damit ein konkretes, aber vor allem unkompliziertes Werkzeug, welches sie zur Überprüfung der Leseflüssigkeit von Schülerinnen und Schülern in fast jeder Schulstufe einsetzen können. Dieses informelle Individualverfahren ist eine abgewandelte Variante des „Running Record“ aus dem angloamerikanischen Raum. Das Lautleseprotokoll wurde in der schulischen Praxis schon mehrfach eingesetzt und auf seine Brauchbarkeit hin überprüft.

 

Johannes Mayr – Petra Heißenberger

Dunkle Persönlichkeitszüge: Wie verbreitet sind sie bei Schulleiter/innen?

Summary: In Leitbildern und in der Forschung wird das Augenmerk im Allgemeinen auf jene Merkmale von Schulleiter/innen gelegt, die gesellschaftlich erwünscht sind. Dadurch wird ausgeblendet, dass Schulleiter/innen auch potenziell ungünstige Merkmale aufweisen können. Solche Merkmale sind z. B. jene, die seit einigen Jahren in der berufspsychologischen Forschung unter der Bezeichnung „Dunkle Triade“ zusammengefasst werden: Narzissmus, Machiavellismus und (subklinische) Psychopathie. In einer an 118 Leitungspersonen durchgeführten Erhebung zeigte sich, dass unter Schulleiter/innen narzisstische Tendenzen durchaus verbreitet sind, die anderen beiden Merkmale jedoch nur eine untergeordnete Rolle spielen.

 

Klaus Greier, Hannah Wildbichler, Clemens Drenowatz und Gerhard Ruedl

Sind Lehramtsstudierende auf eine inklusive Schulpraxis vorbereitet?

Eine Gegenüberstellung von Studierenden mit und ohne Unterrichtsfach „Bewegung & Sport“

Summary: Lehrpersonen fühlen sich durch ihre Ausbildung oft nur unzureichend auf eine inklusive Schulpraxis vorbereitet. Ziel dieser Studie war es zu untersuchen, ob es einen Unterschied hinsichtlich der Einschätzung der universitären Vorbereitung in Bezug auf eine inklusive Schulpraxis zwischen Lehramtsstudierenden des Faches „Bewegung und Sport“ und Lehramtsstudierenden anderer Unterrichtsfächer gibt. Zur Datenerhebung wurden Bachelor-Studierende der Universität Innsbruck mit „Lehramt Sekundarstufe Allgemeinbildung“ aller Unterrichtsfächer herangezogen. Mittels Online-Fragebogen wurden Daten zur Einschätzung der Qualität der eigenen Ausbildung erhoben. Die vorliegende Untersuchung konnte zeigen, dass Lehramtsstudierende des Unterrichtsfaches „Bewegung & Sport“ das Ausmaß ihrer fachspezifischen Ausbildung in Bezug auf eine inklusive Schulpraxis signifikant höher einschätzen als Lehramtsstudierende anderer Unterrichtsfächer.

 

Klaudia Kröll – Vera Zass

Förderung personaler und sozialer Kompetenzen im inklusiven Unterricht der Primarstufe

Summary: Lehrer*innen sind zunehmend in der Grundschule gefordert, ihren Schüler*innen Möglichkeiten zu bieten, personale und soziale Kompetenzen zu entwickeln. In diesem vierjährigen Forschungsprojekt werden mit Kindern einer inklusiven Mehrstufenklasse eines Sonderpädagogischen Zentrums in Tirol Bausteine zur Förderung personaler und sozialer Kompetenzen umgesetzt und mittels Schüler*innenbefragungen sowie teilnehmenden Beobachtungen durch die Forscherinnen evaluiert. Der erste Baustein mit Kennenlernspielen und Übungen zum Selbstwert kam beim Gros der Schüler*innen gut an.

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