Mental Health braucht Raum im Schulalltag! Der öbv-Jugendbeirat erzählt anonym von belastenden Situationen im Schulalltag und erklärt, was Jugendliche sich wünschen.
„Es braucht einen besseren Umgang mit psychischer Gesundheit an Schulen, damit Schüler*innen sich nicht mehr in den Schlaf heulen“, steht auf einem der anonymen Zettel zu psychischer Gesundheit, die Schüler*innen aus dem öbv-Jugendbeirat für dieses Whitepaper geschrieben haben. Sie sind voll von persönlichen Geschichten, die betroffen machen. Einige Zitate finden sich auf dieser Doppelseite. Die Jugendlichen haben aber auch klare Vorstellungen davon, was wichtig wäre, damit der Schulalltag weniger belastend für ihre Psyche ist.
Triggerwarnung: Einige Jugendliche erzählen von Selbstverletzung und Gewaltandrohung.
Am einhelligsten fordern sie weniger Leistungsdruck. Jede*r der Jugendlichen berichtet davon, dass es ihnen in Schularbeitenphasen psychisch schlecht geht. Sie müssten oft mehrere Schularbeiten und Tests in derselben Woche schreiben.
Der Stress bei der Vorbereitung mache es ihnen unmöglich, soziale Aktivitäten einzuplanen, die wichtig für ihren psychischen Ausgleich seien. Eine Person schreibt: „Lehrkräfte sollten nicht davon reden, wie wichtig mentale Gesundheit ist, und uns dann aber viele Tests pro Woche reinballern, wenn eh schon alles super stressig ist, ohne Rücksicht auf unser Privatleben.“ Sie wünschen sich, dass Lehrkräfte Schularbeiten besser untereinander koordinieren und dass in Schularbeitenphasen auf zusätzliche Testungen wie Vokabelchecks verzichtet wird.
Sie erleben häufig – in der Schule wie im privaten Umfeld – belastende Situationen. Sie wollen daher mehr zu psychischer Gesundheit lernen und wünschen sich, dass das Thema Raum im Unterricht bekommt.
Bei einigen ist das zwar schon der Fall, aber nur sehr punktuell einmal im Jahr: „Ich kenne es aus meiner Schulzeit so, dass mentale Gesundheit einmal pro Jahr als Projekttag aktiv angesprochen wird, aber das restliche Jahr über leider total untergeht.“ Es sei auch frustrierend, wenn mentale Gesundheit angesprochen werde, der Schulalltag dann aber so gestaltet sei, dass er belastend für die Psyche sei.
Außerdem ist es ihnen wichtig, einen Raum zu haben, in dem sie ihre Sorgen äußern können. Sie wünschen sich von ihren Lehrkräften Verständnis und Rücksichtnahme, wenn sie Probleme teilen.
Eine Person berichtet: „In einem Schuljahr hat eine Lehrerin uns oft in einem Teil ihrer Doppelstunde Zeit gegeben, um uns in einem ‚Safe Space‘ gemeinsam über etwas aufzuregen. Das hat geholfen, um ein bisschen Dampf abzulassen und sich gehört zu fühlen.“ Aber nicht alle wollen vor der Klasse persönliche Dinge teilen. Jemand schlägt vor: „Es wäre schön, wenn jede Klasse eine Sorgenbox hat. Wir wollen unsere Probleme ja nicht immer in der großen Gruppe besprechen.“
Für einige bedeutet das auch, dass sie gar nicht mit ihren Lehrkräften über ihre Gefühle sprechen möchten. Eine Person berichtet: „Ich hasse es, wenn Lehrer*innen uns dazu ‚zwingen‘, unsere Gefühle zu äußern. Ich möchte nicht vor diesen random Menschen darüber reden, wie es mir mental geht. Ich wünsche mir mehr einen Safe Space: eine Schulpsychologin, der man im Stillen Sorgen und Probleme anvertrauen kann, die man dann aber nicht (wie es bei Vertrauenslehrer*innen oft ist) im Unterricht sieht und sich dann verurteilt fühlt.“
Es ist ihnen ein Anliegen, dass es an der Schule Unterstützungsangebote gibt und dass Lehrkräfte diese auch bekannt machen und Schüler*innen bei Bedarf dorthin verweisen können. Diese Angebote sollten aber möglichst niederschwellig gestaltet sein: „Wir haben zwar eine Schulpsychologin, die hat sich aber nie persönlich bei uns vorgestellt, und sie ist auch nur selten da. Dementsprechend entstehen recht große Hemmungen, sie zu besuchen.“
Dieser Artikel ist Teil des öbv-Whitepapers „Mental Health im Klassenzimmer“.