„Eine Depression ist keine Ausrede“

VS MS PTS AHS HAK/HAS HTL HUM BAFEP/BASOP BS
Titelbild Depression

Mental Health braucht Raum im Schulalltag! Der öbv-Jugendbeirat erzählt anonym von belastenden Situationen im Schulalltag und erklärt, was Jugendliche sich wünschen.

„Es braucht einen besseren Umgang mit psychischer Gesundheit an Schulen, damit Schüler*innen sich nicht mehr in den Schlaf heulen“, steht auf einem der anonymen Zettel zu psychischer Gesundheit, die Schüler*innen aus dem öbv-Jugendbeirat für dieses Whitepaper geschrieben haben. Sie sind voll von persönlichen Geschichten, die betroffen machen. Einige Zitate finden sich auf dieser Doppelseite. Die Jugendlichen haben aber auch klare Vorstellungen davon, was wichtig wäre, damit der Schulalltag weniger belastend für ihre Psyche ist.

Triggerwarnung: Einige Jugendliche erzählen von Selbstverletzung und Gewaltandrohung.

Jugendbeirat 2026

Weniger Leistungsdruck

Am einhelligsten fordern sie weniger Leistungsdruck. Jede*r der Jugendlichen berichtet davon, dass es ihnen in Schularbeitenphasen psychisch schlecht geht. Sie müssten oft mehrere Schularbeiten und Tests in derselben Woche schreiben.

Ich würde mich als ziemlich stressresilienten Menschen bezeichnen. Das war auch wichtig, denn in meiner Schule hatten wir sehr oft unglaublich viel abzuliefern. Zum Glück gab es einige Lehrkräfte, die sich für uns eingesetzt haben, wenn alles zu viel wurd

Der Stress bei der Vorbereitung mache es ihnen unmöglich, soziale Aktivitäten einzuplanen, die wichtig für ihren psychischen Ausgleich seien. Eine Person schreibt: „Lehrkräfte sollten nicht davon reden, wie wichtig mentale Gesundheit ist, und uns dann aber viele Tests pro Woche reinballern, wenn eh schon alles super stressig ist, ohne Rücksicht auf unser Privatleben.“ Sie wünschen sich, dass Lehrkräfte Schularbeiten besser untereinander koordinieren und dass in Schularbeitenphasen auf zusätzliche Testungen wie Vokabelchecks verzichtet wird.

Ein Mädchen aus meiner Schule hat mir vor ein paar Monaten einen Snap geschickt, auf dem man sah, dass sie Drogen genommen hat. Ich habe das der Schule gemeldet, damit das Jugendamt sich um sie kümmern kann. Ich habe mich dann aber schlecht gefühlt, weil

Psychische Gesundheit als Unterrichtsthema

Sie erleben häufig – in der Schule wie im privaten Umfeld – belastende Situationen. Sie wollen daher mehr zu psychischer Gesundheit lernen und wünschen sich, dass das Thema Raum im Unterricht bekommt.

In meiner Klasse gab es ein Mädchen, das psychisch krank war, sich geritzt hat und Tabletten nehmen musste. Sie hat mir einmal einen Brief geschrieben, dass sie mich umbringen will und einen Plan gemacht, wie sie das machen will.

Bei einigen ist das zwar schon der Fall, aber nur sehr punktuell einmal im Jahr: „Ich kenne es aus meiner Schulzeit so, dass mentale Gesundheit einmal pro Jahr als Projekttag aktiv angesprochen wird, aber das restliche Jahr über leider total untergeht.“ Es sei auch frustrierend, wenn mentale Gesundheit angesprochen werde, der Schulalltag dann aber so gestaltet sei, dass er belastend für die Psyche sei.

Lehrkräfte haben oft keine Empathie mit uns Schüler*innen – wenn man zum Beispiel noch offene Wunden vom Ritzen hat, muss man im Sportunterricht trotzdem schwimmen.

Safe Space

Außerdem ist es ihnen wichtig, einen Raum zu haben, in dem sie ihre Sorgen äußern können. Sie wünschen sich von ihren Lehrkräften Verständnis und Rücksichtnahme, wenn sie Probleme teilen.

Psychische Gesundheit ist in meiner Schule ein Thema. Die Schüler*innen sind ziemlich ehrlich zueinander und helfen sich gegenseitig.  Lehrkräfte untergraben das aber oft durch  unsensible Äußerungen und Unverständnis.

Eine Person berichtet: „In einem Schuljahr hat eine Lehrerin uns oft in einem Teil ihrer Doppelstunde Zeit gegeben, um uns in einem ‚Safe Space‘ gemeinsam über etwas aufzuregen. Das hat geholfen, um ein bisschen Dampf abzulassen und sich gehört zu fühlen.“ Aber nicht alle wollen vor der Klasse persönliche Dinge teilen. Jemand schlägt vor: „Es wäre schön, wenn jede Klasse eine Sorgenbox hat. Wir wollen unsere Probleme ja nicht immer in der großen Gruppe besprechen.“

Ich habe meiner Lehrerin im Notengespräch  erzählt, dass ich eine Depression habe. Das war ein kleiner Hilferuf, aber sie hat zu mir gesagt, dass eine Depression keine Ausrede für ein schlechtes Zeugnis ist.

Zugängliche Unterstützungsangebote

Für einige bedeutet das auch, dass sie gar nicht mit ihren Lehrkräften über ihre Gefühle sprechen möchten. Eine Person berichtet: „Ich hasse es, wenn Lehrer*innen uns dazu ‚zwingen‘, unsere Gefühle zu äußern. Ich möchte nicht vor diesen random Menschen darüber reden, wie es mir mental geht. Ich wünsche mir mehr einen Safe Space: eine Schulpsychologin, der man im Stillen Sorgen und Probleme anvertrauen kann, die man dann aber nicht (wie es bei Vertrauenslehrer*innen oft ist) im Unterricht sieht und sich dann verurteilt fühlt.“

Wir haben einmal einen Zettel mit Unterstützungsangeboten zu psychischer Gesundheit  bekommen. Als ich unseren Lehrer gebeten habe, sie uns kurz vorzustellen, damit sie genug Aufmerksamkeit bekommen, hat er das  gemacht, aber sehr sporadisch. Ich hatte da

Es ist ihnen ein Anliegen, dass es an der Schule Unterstützungsangebote gibt und dass Lehrkräfte diese auch bekannt machen und Schüler*innen bei Bedarf dorthin verweisen können. Diese Angebote sollten aber möglichst niederschwellig gestaltet sein: „Wir haben zwar eine Schulpsychologin, die hat sich aber nie persönlich bei uns vorgestellt, und sie ist auch nur selten da. Dementsprechend entstehen recht große Hemmungen, sie zu besuchen.“

In meiner Schule haben wir ein Klassenzimmer mit sehr wenig Fenstern. Es ist dunkel, und man bekommt wenig Sonne oder natürliches Licht ab. Wenn ich etwas verändern könnte, würde ich eine Schule hell, offen und freundlich gestalten.

Ähnliche Artikel