In den letzten Monaten bringen Interessensvertretungen und Parteien verstärkt ihre Kritik an Schulbüchern in die Medien. Philipp Nussböck, Geschäftsführer des öbv, formuliert eine Replik.
„Linksideologische Umerziehung, stereotype Narrative, zu negative Standpunkte, klassenkämpferische Inhalte…“. In letzter Zeit häuft sich die Kritik an Schulbüchern, die Bildungsmedienverlagen über Medien ausgerichtet wird.
Bildungsmedien, die über die Schulbuchaktion an Österreichs Schulen landen, werden nach den Vorgaben der Lehrpläne erstellt und von Begutachtungskommissionen des Bildungsministeriums auf Lehrplankonformität und viele weitere Kriterien wie Gleichstellung, sprachliche Richtigkeit oder Adäquatheit für Schüler*innen überprüft. Dass nicht jedes Thema in der wünschenswerten Ausführlichkeit Eingang finden kann, sondern Schüler*innen eine begrenzte Schulzeit und je nach Alter variierende Aufnahmefähigkeit haben, dürfte für die meisten verständlich sein.
Regelmäßig melden sich jedoch Vertreter*innen aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik oder Zivilgesellschaft zu Wort. Sie kritisieren, ihr Thema komme in Schulbüchern zu kurz oder werde nicht angemessen dargestellt. Wir als Verlage freuen uns, wenn wir aus der Öffentlichkeit und aus Fachkreisen Hinweise auf eventuelle Fehler oder nicht ideale Darstellungen bekommen. Trotz größter Sorgfalt und gewissenhafter staatlicher Approbation können diese gelegentlich vorkommen – und wir sind stets daran interessiert, sie rasch zu korrigieren.
Allerdings werden diese Themen häufig sehr vehement in die mediale Öffentlichkeit gebracht, ohne zumindest parallel dazu in Kontakt mit den Verlagen zu treten. Dadurch entsteht oft der Eindruck, dass die entsprechenden Akteure an einem konstruktiven Dialog und einer Korrektur entsprechender Darstellungen gar nicht so stark interessiert sind. Zudem wird in der Kritik meist nicht unterschieden, wofür tatsächlich die Verlage zuständig sind und was den Vorgaben der Schulbuchaktion entspringt. Oft werden auch gezielt ältere, bereits auslaufende Schulbücher oder veraltete Befragungen herangezogen. Das lässt sich medial besser verkaufen, ein realistisches, aktuelles Bild vermittelt es jedoch nicht.
Viele Hinweise, die uns erreichen, nehmen wir dankbar auf.
Allen jedoch werden wir es dabei nicht recht machen können: Natürlich
haben Interessenvertretungen und Parteien ganz eigene Wünsche, was in
Schulbüchern stehen soll. Mitunter treffen auch widersprüchliche
Vorwürfe aus unterschiedlichen Richtungen aufeinander, etwa in Hinblick
auf Geschlechterrollen oder nicht-heteronormative Lebensrealitäten.
Während die einen eine ideologische Beeinflussung durch progressive
Inhalte befürchten, kritisieren andere, dass stereotype Narrative noch
immer zu präsent seien. Die einen befinden, dass Klimawandel zu wenig
thematisiert wird, andere bemängeln, dass Klima-Themen überhaupt
dargestellt werden. Bildungsmedien stehen also im Spannungsfeld sehr
unterschiedlicher gesellschaftlicher Erwartungen. Vielleicht ist es für
die Ausgewogenheit von Schulbüchern also im Endeffekt ein gutes Zeugnis,
wenn sie keiner Partei oder Interessenvertretung hundertprozentig
gefallen.
Ich kann nur sagen: Einmal abgesehen davon, dass das ohnehin staatliche Vorgabe für Bildungsmedien ist – wir im öbv halten es auch für richtig, dass Bildungsmedien gesellschaftliche Vielfalt diskriminierungsfrei darstellen.