Wie lösen wir die Herausforderungen an den Schulen, Herr Bildungsminister?

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Titelbild Magazin Podcast3

Was tut die Politik, um auf die Herausforderungen an den Schulen zu reagieren? Und was heißt das für Lehrkräfte? Darüber spricht Bildungsminister Christoph Wiederkehr im Podcast #KlasseZwanzigZukunft.

Es tut sich etwas in der Bildung – dieses Gefühl hat der neue Bildungsminister Christoph Wiederkehr am Beginn seiner Amtszeit stark vermittelt. Eine solche Aufbruchsstimmung gibt Hoffnung, sorgt aber auch für Unsicherheit. Im Podcast #KlasseZwanzigZukunft stellt sich Christoph Wiederkehr den Fragen, die unsere Hörer*innen eingeschickt haben. Er erklärt, welche Visionen er für das österreichische Bildungssystem hat, was konkret auf Schulen zukommt und wie er Lehrkräfte unterstützen möchte. Es geht um Deutschförderung, Überlastung der Lehrkräfte, IKM+-Testungen, Quereinstieg, Künstliche Intelligenz und vieles mehr.

Mehr Unterstützung für Lehrkräfte

Ein Thema zieht sich wie ein roter Faden durch die Fragen der Lehrkräfte: die steigende Belastung im Klassenzimmer. Viele berichten von immer größeren Herausforderungen – von sprachlicher Vielfalt über soziale Konflikte bis hin zu administrativen Aufgaben. Christoph Wiederkehr sieht diese Belastung.

„Die Klassenzimmer sind heute viel heterogener als früher. Im internationalen Vergleich haben wir gar nicht so wenige Lehrkräfte pro Kind – jedoch viel zu wenig Unterstützungspersonal.“

Gerade diese fehlende Unterstützung sei ein zentraler Hebel für Verbesserungen. Lehrkräfte müssten sich wieder stärker auf ihre Kernaufgabe konzentrieren können: das Unterrichten.

Daher plane das Bildungsministerium unter anderem:

  • einen deutlichen Ausbau von Schulpsycholog*innen
  • mehr Schulsozialarbeit
  • zusätzliche administrative Unterstützung für Schulen

Diese Berufsgruppen sollen Lehrkräfte entlasten und gleichzeitig Kinder besser unterstützen. Besonders bei psychosozialen Herausforderungen im Schulalltag könnten multiprofessionelle Teams viel bewirken.

Wenn der Beruf zur Belastung wird

Viele Fragen aus der Community drehen sich auch um die langfristige Belastung des Lehrberufs. Mehrere Lehrkräfte berichten, dass sie sich kaum vorstellen können, bis zur Pension im Klassenzimmer zu stehen. Der Beruf sei sinnstiftend, aber auch fordernd. Für Christoph Wiederkehr ist klar: Eine zentrale Ursache liegt im steigenden bürokratischen Aufwand.

Lehrkräfte verbringen oft viel Zeit mit Dokumentation, Administration und organisatorischen Aufgaben. Zeit, die eigentlich für Unterricht und pädagogische Arbeit gedacht wäre. Er hat daher angesetzt und versucht, die Bürokratie zu reduzieren. Mit Initiativen wie „Freiraum Schule“ sammelt das Ministerium nun Ideen aus der Praxis, wie Schulen mehr Handlungsspielraum bekommen könnten.

Gleichzeitig soll auch die psychische Gesundheit von Lehrkräften stärker berücksichtigt werden. Dazu gehört etwa:

  • mehr Unterstützung bei schwierigen Konfliktsituationen
  • Fortbildungen zu Resilienz und Classroom-Management
  • bessere Begleitung in der Berufseinstiegsphase

Teamarbeit statt alleine zu kämpfen

Ein Aspekt, der im Gespräch besonders deutlich wird: Lehrkräfte arbeiten oft isoliert. Viele stehen den Großteil des Tages allein vor ihrer Klasse.

„Lehrkräfte sind oft einsam in der Klasse. Sie sollten am Schulstandort unterstützt werden und als Team funktionieren, um diesen wichtigen, aber auch herausfordernden Beruf gut machen zu können.“

Mehr Zusammenarbeit innerhalb von Schulen könnte viele Probleme entschärfen. Wenn Lehrkräfte sich gegenseitig unterstützen, Erfahrungen austauschen und gemeinsam Lösungen entwickeln, entstehe eine stärkere Schulkultur. Gerade für junge Lehrkräfte sei das entscheidend. Der Einstieg in den Beruf gilt als besonders sensible Phase – und entscheidet oft darüber, ob jemand langfristig im Lehrberuf bleibt.

Chancenbonus für mehr Bildungsgerechtigkeit

Damit Schulstandorte mit besonders herausfordernden soziokulturellen Hintergründen zusätzliche Unterstützung bekommen, wird der sogenannte Chancenbonus eingeführt. Dabei erhalten rund 400 Schulen in Österreich zusätzliche finanzielle Mittel. So können diese Schulen zusätzliche Fachkräfte einsetzen – nach Bedarf und eigenem Ermessen entweder Lehrkräfte, Schulpsycholog*innen, administratives Personal, Schulsozialarbeiter*innen etc.

Ein weiterer Schwerpunkt der Folge liegt auf der Volksschule. Denn hier werden die Grundlagen für den gesamten Bildungsweg gelegt. Viele Lehrkräfte berichten von steigenden Herausforderungen in den ersten Schuljahren: mehr sprachliche Unterschiede, mehr Förderbedarf, mehr individuelle Bedürfnisse. Christoph Wiederkehr betont deshalb die zentrale Rolle der frühen Förderung. Investitionen in die Volksschule seien besonders wirksam, weil Kinder in diesem Alter sehr schnell lernen und weil die Weichen für Lernfreude und Bildungserfolg häufig früh gestellt werden.

Sprache als Schlüssel zur Bildung

Ein Thema, das viele Lehrkräfte beschäftigt, ist der Umgang mit Mehrsprachigkeit im Klassenzimmer. Für Christoph Wiederkehr ist klar: Sprache entscheidet maßgeblich über Bildungserfolg und gesellschaftliche Teilhabe. Deutschförderung steht daher im Zentrum vieler Reformüberlegungen. Dazu gehört etwa die verpflichtende Sommerschule für Schüler*innen mit unzureichenden Deutschkenntnissen. Auch im Kindergarten soll früher angesetzt werden. Ein zweites verpflichtendes Kindergartenjahr ist Teil der geplanten Maßnahmen.

Gleichzeitig betont Christoph Wiederkehr, dass Mehrsprachigkeit grundsätzlich eine Stärke sein kann: Sprachenvielfalt sei ein „großer Schatz“. Problematisch werde es erst dann, wenn Kinder in keiner Sprache ausreichende Kompetenzen entwickeln.

Warum Testungen wichtig sind

Ein weiteres kontrovers diskutiertes Thema sind zentrale Testungen im Bildungssystem – etwa IKM+ oder Sprachstandstests. Viele Lehrkräfte sehen darin zusätzlichen Aufwand. Manche bezweifeln auch den Nutzen solcher Tests. Christoph Wiederkehr verteidigt die Bedeutung dieser Instrumente.

„Testungen im Schulsystem sind wie ein Röntgengerät im Krankenhaus: zusätzlicher Aufwand, aber wichtig für die Behandlung. Zentrale Tests zeigen etwa Sprachförderbedarf auf und ermöglichen die richtigen Schlüsse.“

Tests sollen dabei nicht nur Daten liefern, sondern konkrete Unterstützung ermöglichen. In Zukunft sollen Lehrkräfte auch stärker bei der Interpretation der Ergebnisse unterstützt werden. Gleichzeitig kündigt der Minister Entlastungen an – etwa weniger verpflichtende Testtermine.

Quereinstieg in den Lehrberuf

Der Lehrkräftemangel beschäftigt das Bildungssystem schon seit einigen Jahren. Eine Maßnahme dagegen ist der Quereinstieg in den Lehrberuf. Dabei können Menschen mit fachverwandtem Studium und Berufserfahrung als Lehrkräfte arbeiten – ergänzt durch pädagogische Ausbildung. Christoph Wiederkehr sieht darin eine wichtige Ergänzung zum klassischen Lehramtsstudium. Sein Ziel ist ein System mit zwei stabilen Säulen: vollständig ausgebildete Lehrkräfte und qualifizierte Quereinsteiger*innen. Beide Gruppen könnten voneinander profitieren. Quereinsteiger*innen bringen oft praktische Erfahrungen aus anderen Berufsfeldern mit. Gleichzeitig müsse sichergestellt werden, dass sie auch pädagogisch gut vorbereitet sind.

Künstliche Intelligenz verändert Schule

Ein Zukunftsthema durfte im Gespräch nicht fehlen: Künstliche Intelligenz. Viele Lehrkräfte experimentieren bereits mit KI-Tools – etwa zur Unterrichtsvorbereitung oder für individualisierte Lernmaterialien. Christoph Wiederkehr sieht großes Potenzial in dieser Entwicklung. Gleichzeitig betont er, dass KI den Fokus auf grundlegende Kompetenzen verstärken wird. Lesen, Schreiben, Rechnen und kritisches Denken werden in einer KI-geprägten Welt noch wichtiger. Auch digitale Lernangebote sollen künftig stärker in den Unterricht integriert werden. Geplant ist unter anderem der „Marktplatz Lernapps“, über den Schulen digitale Materialien kostenlos bestellen können.

Die Rolle der Eltern

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Zusammenarbeit mit Eltern. Viele Lehrkräfte berichten von schwierigen Situationen – etwa wenn Unterstützung aus dem Elternhaus fehlt. Christoph Wiederkehr betont, dass Bildung eine gemeinsame Aufgabe ist:

„Eltern tragen eine große Verantwortung in der Bildungslaufbahn ihrer Kinder. Nicht alles kann oder soll die Schule übernehmen. Eine gute Partnerschaft zwischen Lehrpersonal, Eltern und Kindern ist dafür zentral.“

Wo Zusammenarbeit nicht funktioniert, müsse es jedoch auch klare Konsequenzen geben. Besonders dann, wenn Eltern ihre Verantwortung völlig verweigern.

Drei Prioritäten für die Zukunft

Am Ende der Podcastfolge bittet Philipp Nussböck den Bildungsminister um drei konkrete Ziele für seine Amtszeit. Die Antwort fällt klar aus:

„Ich möchte in meiner Amtszeit für eine praxisnähere Lehrkräfteausbildung, mehr Unterstützungspersonal und eine Reform der Lehrinhalte sorgen.“

Zum Abschluss formuliert Christoph Wiederkehr noch seine Vision für die Schule der Zukunft: Schule soll freudvoll, praxisorientiert und visionär sein. Dass Schule Freude machen soll, gelte für Schüler*innen genauso wie für Lehrkräfte. Eine positive Lernkultur sei entscheidend für Motivation und Lernerfolg. Neugierde, Zusammenarbeit und gegenseitiger Respekt sollen zentrale Elemente dieser Kultur sein. Denn letztlich verfolgt Schule ein klares Ziel: junge Menschen gut auf ihr Leben vorzubereiten.

Neugierig auf mehr?

Die ganze Podcastfolge finden Sie im Podcast #KlasseZwanzigZukunft – überall, wo es Podcasts gibt!

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