Ist Projektunterricht nicht total aufwendig?

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Titelbild Magazin Podcast14

Warum sollte ich projektorientierten Unterricht ausprobieren? Und wie geht das in sehr begrenzter Unterrichtszeit? Darüber spricht der AHS-Lehrer Ivan Topic im Podcast #KlasseZwanzigZukunft.

Wie können Lehrkräfte in einer sehr begrenzten Unterrichtszeit kreativ und projektorientiert unterrichten? Wie hoch ist der Aufwand für die Vorbereitung eines solchen Unterrichts? Und wie werden die Leistungen der Schüler*innen benotet? Diese Fragen hat uns Lena, eine Lehrerin aus Wien, gestellt. Gemeinsam mit Ivan Topic, AHS-Lehrer für Mathematik und Physik, außerdem Buchautor und Mentor, geht Podcast-Host und öbv-Geschäftsführer Philipp Nussböck genau diesen Fragen auf den Grund.

Warum Projektunterricht?

Projektorientierter Unterricht ist für Ivan Topic viel mehr eine Haltung als nur eine Methode. Diese Art von Unterricht schafft Raum, in dem Schüler*innen selbständig arbeiten, eigene Ideen entwickeln und zentrale Zukunftskompetenzen üben können.

„Projektunterricht ist eine Methode, die viel Platz lässt, sich zu entwickeln, und Schüler*innen die Möglichkeit gibt, selbständig zu arbeiten und auf eigene Ideen zu kommen.“

Er spricht einen entscheidenden Punkt an: Die sogenannten 4 Ks – die Zukunftskompetenzen Kreativität, Kommunikation, Kollaboration und kritisches Denken – lassen sich im Projektunterricht auf ganz natürliche Weise fördern. Das macht diese Form des Lernens zu einem idealen Werkzeug, um Schüler*innen auf die Herausforderungen der Zukunft vorzubereiten.

Vom Pilates-Podcast bis zum Physik-Video

Ein gutes Beispiel ist ein Projekt im Physikunterricht, das Ivan Topic beschreibt: Eine Schüler*innengruppe erstellte einen Podcast über Pilates, in dem sie die Mechanik hinter den Bewegungen erklärte. Mit ruhiger Stimme, passenden Geräuschen und physikalischen Erklärungen wurde daraus ein spannendes, kreatives Projekt, das weit über eine klassische Hausübung hinausging. Andere Gruppen drehten Videos, entwickelten Theaterstücke oder kombinierten Physik mit Medizin. Seine Aufgabe als Lehrkraft sieht er dabei vor allem darin, regelmäßig Feedback zu geben und die Projekte durch Impulse zu begleiten.

„Wenn Schüler*innen von etwas begeistert sind, Spaß am Projekt selbst haben, dann werden sie es viel besser umsetzen.“

Fehler sind Teil des Lernprozesses

Natürlich läuft nicht jedes Projekt reibungslos. Ivan Topic gibt offen zu, dass bei ihm am Anfang nicht alles perfekt lief, als er angefangen hat, projektbasiert zu unterrichten. Seine ersten Projekte waren noch unausgereift und überfordernd. Heute weiß er, wie wichtig es ist, Projekte in kleinere Einheiten zu teilen, Feedbackschleifen einzubauen und Schüler*innen genügend Pausen und Struktur zu geben.

„Geh davon aus, dass du beim Projektunterricht Fehler machen wirst. Sei bereit zu reflektieren und zu überlegen: Was kann ich besser machen?“

Gerade diese Reflexion ist für ihn ein wichtiger Lernprozess, sowohl für Schüler*innen als auch für Lehrkräfte. „Lehrpersonen sollten, so wie ihre Schüler*innen, bereit sein zu lernen. Wir müssen ihnen vorleben, dass Lernen nie zu Ende geht.“

Projektunterricht geht auch mit wenig Zeit und Aufwand

Viele Lehrkräfte haben im Alltag nur ein oder zwei Wochenstunden für ein Fach zur Verfügung. Ivan Topic kennt das Problem – und hält dagegen: Auch mit wenig Zeit lassen sich Projekte umsetzen. Wichtig sei, die Stunden gut zu nutzen und den Schüler*innen Verantwortung zu geben. Er schildert eine Szene, die ihn besonders beeindruckt hat: „Ich komme in die Klasse, und die Schüler*innen hatten schon begonnen, ihre Projekte vorzubereiten – ohne dass ich etwas gesagt habe.“ Das gelingt, weil klare Strukturen, Feedbacktermine und Vertrauen in die Selbstständigkeit der Jugendlichen vorhanden sind.

Auf die Frage nach dem Vorbereitungsaufwand antwortet Ivan Topic überraschend: „Es kostet mich gar keine Zeit.“ Seine Vorbereitung passiert während der Unterrichtsstunden – gemeinsam mit den Schüler*innen. Natürlich muss er flexibel und agil reagieren können, wenn Fragen auftauchen. Aber genau das mache den Reiz aus: gemeinsam mit den Jugendlichen Neues zu entdecken. Für Ivan Topic ist das kein Stress, sondern eine Chance, echtes Lernen vorzuleben.

„Stell dir vor, du bekommst eine Frage zu einem Thema, von dem du keine Ahnung hast. Dann setz dich hin, denke mit den Schüler*innen nach und entwickle gemeinsam eine Lösung.“

Die Sache mit den Noten

Für viele ist eines der größten Hindernisse für projektorientiertes Arbeiten die Leistungsbeurteilung. Ivan Topic bekennt klar: „Ich bin überhaupt kein Fan von Noten, weil sie nichts über die Fähigkeiten von Schüler*innen aussagen, weil einfach sehr, sehr viel mehr dahintersteckt.“ Trotzdem muss er bewerten und löst das, indem er kontinuierlich auf die Prozesse schaut: Mitarbeit, Ideen, Engagement, Umgang mit Feedback. So entsteht ein Gesamtbild, das viel aussagekräftiger ist als eine einzelne Prüfung.

Drei Tipps für den Einstieg

Am Ende der Podcastfolge fasst Ivan Topic seine wichtigsten Ratschläge für Lehrkräfte, die in den Projektunterricht einsteigen wollen, zusammen:

  • Überlegen, welche Themen des Faches sich für Projekte eignen und wie diese aufgebaut sein könnten.
  • Schüler*innen involvieren in die Planung und Umsetzung – sie sollen Teil des Projekts sein, nicht nur Ausführende.
  • Ausprobieren lassen und auch selbst keine Angst vor Fehlern haben.

Für Ivan Topic ist klar: In der Schule der Zukunft werden Projekte noch stärker im Mittelpunkt stehen. „Eine Schule, in der Unterricht eigentlich kein Unterricht mehr ist, sondern Lernen gelebt wird – jahrgangs- und fächerübergreifend.“ Zum Schluss formuliert Ivan Topic noch einen Wunsch: noch mehr Raum für Lehrkräfte, damit sie sich austauschen und gemeinsam diese Leidenschaft weitergeben können. Denn Projektunterricht lebt nicht nur vom Engagement der Lernenden, sondern auch davon, dass Lehrkräfte ihre Erfahrungen teilen, voneinander lernen und gemeinsam wachsen.

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Die ganze Podcastfolge finden Sie im Podcast #KlasseZwanzigZukunft – überall, wo es Podcasts gibt!

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