Welche Tipps, die nicht im Studium vermittelt werden, helfen angehenden Lehrkräften? Darüber spricht Lehrerin Sandra Lazić im Podcast #KlasseZwanzigZukunft.
Der erste Schultag ist auch für eine Lehrkraft ein Moment, den man nie vergisst. Die Nervosität, die Erwartungen, die unzähligen Fragen: Wie baue ich eine gute Beziehung zu den Schüler*innen auf? Wie manage ich Elternkontakte? Und vor allem: Wie überstehe ich das erste Jahr, ohne in der Flut an Aufgaben unterzugehen? Sandra Lazić, ehemalige Mittelschullehrerin und heute an der Schloss Krumbach International School tätig, spricht im öbv-Podcast #KlasseZwanzigZukunft mit Philipp Nussböck über ihre Erfahrungen als Berufseinsteigerin – und verrät, was sie heute anders machen würde.
Wenn Sandra Lazić an ihr erstes Berufsjahr zurückdenkt, fallen ihr zwei Worte ein: Chaos und Überforderung. Direkt nach dem Bachelor stieg sie als Lehrerin ein, absolvierte parallel den Master und durchlief die Induktionsphase.
Doch was genau hat sie unterschätzt? Und was hätte ihr damals geholfen?
Im Studium lernen angehende Lehrkräfte, Unterrichtsstunden minutiös zu planen. Sandra Lazić erinnert sich, dass sie anfangs versucht hat, jede Stunde nach der gelernten Vorlage zu planen. Dabei hat sie sehr schnell gemerkt, dass das in der Praxis so nicht praktikabel ist.
Im Studium lernt man viel über pädagogische Modelle, doch im Klassenzimmer geht es oft um Sekundenentscheidungen und um Flexibilität. Sandra Lazić findet Unterrichtsplanung weiterhin sehr wichtig, aber die minutiöse Planung hat sie inzwischen für Flexibilität eingetauscht.
Sandra Lazić hatte Glück: In ihrem ersten Jahr unterrichtete sie im Teamteaching und konnte von einer erfahrenen Kollegin lernen. Ihr Motto: „Hart, aber herzlich.“
Sie empfiehlt Berufseinsteiger*innen, klare Erwartungen zu kommunizieren: Was dürfen Schüler*innen und was nicht? Wie reagiere ich auf Übertretungen? Regeln und Routinen sind wichtig. Sie müssen transparent kommuniziert und konsequent umgesetzt werden.
Eltern sind wichtige Partner*innen im Schulalltag – doch gerade für junge Lehrkräfte kann die Kommunikation herausfordernd sein. Sandra Lazić erinnert sich an ihre ersten Erfahrungen: Eltern standen morgens um 7:45 Uhr vor dem Lehrkräftezimmer und wollten sie sprechen.
So hat sie sich angewöhnt, beim Elternabend feste Sprechzeiten und Prozesse zu kommunizieren, etwa dass sie nach 17 Uhr nicht erreichbar ist, aber dass Eltern mit ihr einen Termin vereinbaren können, wenn sie ein Gespräch brauchen. Außerdem hat sie sich bemüht, Transparenz zu schaffen: Eltern sollten wissen, wie Hausübungen, Mitarbeit und Benotung funktionieren. Und sie betont ganz besonders: Eltern und Lehrkräfte wollen dasselbe – nämlich das Beste für das Kind. Dieses Bewusstsein tritt manchmal im Schulstress oder wegen Missverständnissen in den Hintergrund.
Für schwierige Gespräche empfiehlt sie, eine zweite Lehrperson dazuzunehmen, um Objektivität hineinzubringen und das Gespräch zu protokollieren. Sie weist darauf hin, dass bei Verständigungsproblemen die Dolmetsch-Angebote des Bildungsministeriums zur Verfügung stehen. So sei es meist sogar sehr kurzfristig möglich, kostenlos Video- oder Telefondolmetschen anzufordern.
Irgendwann steht die erste Schularbeit an – und plötzlich stellt sich die Frage: Wie baue ich sie auf? Wie bewerte ich fair? Sandra Lazić gibt zu:
Sie empfiehlt jungen Lehrkräften, klare Beurteilungsraster zu erstellen. So schafft sie Klarheit, wie die Bewertung aussieht – für sich selbst, aber auch für die Schüler*innen und Eltern. Am Anfang hat ihr auch das Sparring mit erfahrenen Lehrkräften sehr weitergeholfen. Doch einige Erfahrungen musste sie schmerzlich selbst machen, etwa wie wichtig die Dokumentation ist.
Lehrkräfte haben nicht nur Unterricht, sondern müssen vorbereiten, korrigieren und unzählige organisatorische Aufgaben erledigen. Damit man in stressigen Phasen nicht ausbrennt, rät Sandra Lazić zu folgenden Dingen:
Sandra Lazićs Botschaft ist klar: Der Berufseinstieg als Lehrkraft ist herausfordernd, aber er muss nicht perfekt sein. Wichtiger als minutiöse Planung ist eine gute Beziehung zu den Schüler*innen, klare Kommunikation mit Eltern und die Bereitschaft, aus Fehlern zu lernen. Und wenn es mal chaotisch wird? Dann hilft es, sich daran zu erinnern, warum man diesen Beruf gewählt hat!
Die ganze Folge finden Sie im Podcast #KlasseZwanzigZukunft – überall, wo es Podcasts gibt!
Wenn Sie dieses Thema spannend fanden, interessiert Sie vielleicht auch: