Was kann ich als Lehrkraft tun, damit Kinder im Unterricht konzentrierter sind? Darüber spricht Verena Hohengasser, Head of Training bei Teach for Austria, im Podcast #KlasseZwanzigZukunft.
Die meisten Lehrkräfte kennen es: Schüler*innen lassen sich schnell ablenken, die Aufmerksamkeit schweift ab, manche Kinder testen ständig Grenzen aus. In einer Befragung von über 1.000 Lehrkräften in Deutschland im Jahr 2023 gaben 81 Prozent an, dass sie bei vielen ihrer Schüler*innen Konzentrationsprobleme beobachten. An Haupt- und Mittelschulen lag der Anteil sogar bei 91 Prozent.
Verena Hohengasser erklärt gleich zu Beginn: „Unser Hirn ist prinzipiell nicht wahnsinnig gewillt, sich zu konzentrieren. Aber es gibt diesen spannenden Belohnungseffekt, wenn eine Challenge gelingt!“ Das bedeutet: Kinder (und Erwachsene) sind dann am konzentriertesten, wenn sie eine machbare, aber fordernde Aufgabe lösen. Ist etwas zu leicht, langweilt es. Ist es zu schwer, entsteht Frust. Lehrkräfte stehen also vor der Herausforderung, genau diesen „Sweet Spot“ zu treffen.
Außerdem wichtig seien ein klarer Rahmen und eine klare Struktur. „Wenn Kinder nicht genau wissen, wo Grenzen sind, ist die Aufmerksamkeit ständig darauf, die Grenzen auszuloten. Und da will ich sie nicht haben.“ Regeln sind kein Selbstzweck, sondern geben Schüler*innen Sicherheit. Klar zu wissen, was okay ist und was nicht, erlaubt es den Kindern, sich aufs Lernen zu konzentrieren.
Häufig bekommen Kinder dann Aufmerksamkeit, wenn sie stören. Verena Hohengasser empfiehlt, die Spirale umzudrehen: Kinder sollten nicht dann Aufmerksamkeit bekommen, wenn sie aus der Reihe tanzen, sondern dann, wenn sie mitmachen und sich anstrengen. Das bedeutet: konsequent positives Verhalten bestärken, kleine Fortschritte feiern und Schüler*innen Anerkennung geben, wenn sie konzentriert arbeiten.
Viele Lehrkräfte erleben es als persönlichen Angriff, wenn die Aufmerksamkeit im Unterricht nachlässt. Verena Hohengasser erzählt: „Mir persönlich hat es geholfen, als ich verstanden habe, es ist nichts Persönliches. Es hat nichts mit mir als Person zu tun, dass jetzt grad die Aufmerksamkeit fehlt.“
Statt sich entmutigen zu lassen, rät sie, eigene Unterrichtsstunden immer wieder zu reflektieren. Dabei kann es helfen, regelmäßig Erfahrungen zu notieren: Was hat funktioniert, was nicht? Wo kann ich nachjustieren?
Natürlich spielt auch das Smartphone eine Rolle. Verena Hohengasser erzählt, dass sie in ihrer eigenen Klasse zu spät ein Handyverbot ausgesprochen hat – heute würde sie es sofort wieder tun: „Allein das Wissen drum, dass dieses Drumherum in meiner Schultasche ist oder in meiner Hosentasche, macht was mit der Aufmerksamkeit.“ Digitale Endgeräte können wertvoll sein, wenn sie gezielt und in Maßen eingesetzt werden. Aber als ständige Begleiter stören sie die Konzentration massiv. Ein klarer, bewusster Umgang ist entscheidend.
Viele junge Lehrkräfte fürchten, zu streng zu wirken. Sie wollen nicht sein wie ihre Lehrkräfte früher. Verena Hohengasser hält entgegen: „Man kann ‚streng‘ auch neu definieren. Vielleicht geht’s mehr um Klarheit und Fairness. Alle wissen genau, was der Rahmen ist, und den fordert man auch ein. Das ist sehr entspannend für alle.“ Denn Schüler*innen achten selbst stark auf Fairness. Wenn eine Lehrkraft konsequent und transparent ist, empfinden Kinder das als gerecht – nicht als hart.
Zum Abschluss fasst Verena Hohengasser drei besonders wirksame Maßnahmen zusammen, die Lehrkräfte sofort umsetzen können:
Das Fazit der Podcastfolge: Konzentration ist kein Zufallsprodukt. Lehrkräfte können durch klare Strukturen, spannende Herausforderungen und positives Feedback den Rahmen schaffen, in dem Kinder fokussiert lernen. Gleichzeitig braucht es die Bereitschaft zur Selbstreflexion und die Einsicht, dass nicht jede Stunde perfekt läuft.
Neugierig auf mehr?
Die ganze Podcastfolge finden Sie im Podcast #KlasseZwanzigZukunft – überall, wo es Podcasts gibt!
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