KI-Tipps & Tricks für Lehrkräfte – Teil 4

VS MS PTS AHS HAK/HAS HTL HUM BAFEP/BASOP BS
Aufmacherbild KI Tipps 4 2

Im vierten Teil der Serie gibt KI-Experte Dominik Freinhofer fünf Tipps für den Schulalltag. Er erklärt, worauf Lehrkräfte bei KI-Tools achten sollten – von Datenschutz bis Nutzungsrechten.

Generative KI kann den Unterricht und die Unterrichtsvorbereitung erleichtern – vorausgesetzt, die verwendeten Tools werden sicher, reflektiert und rechtlich korrekt eingesetzt.

In diesem Teil der KI-Tipps zeigt Dominik Freinhofer, woran Sie seriöse KI-Chatbots erkennen, wie Sie den Umgang mit Daten verbessern und welche Möglichkeiten KI bei Bildbearbeitung und Infografiken bietet. Außerdem geht es um Nutzungsrechte, Kennzeichnungspflichten und den verantwortungsvollen Einsatz KI-generierter Inhalte.

Noch mehr ...

... Tipps & Tricks für Lehrkräfte von Dominik Freinhofer

Tipp 16: Achten Sie darauf, dass Sie den „richtigen“ KI-Chatbot nutzen

Damit ist nicht gemeint, dass es den „besten“ Chatbot gibt, oder den „richtigen“ für eine spezifische Aufgabe (das ist oft Geschmackssache und ändert sich ständig). Sondern damit ist gemeint, dass es sehr viele Firmen und Tools gibt, die vorgeben, ChatGPT oder Claude anzubieten. Ja, diese Firmen bieten teilweise wirklich die GPT- oder Claude-Modelle in ihren KI-Chatbots an (denn Sprachmodelle und KI-Chatbots sind nicht das gleiche), aber versuchen teilweise, an die Daten oder an das Geld von unvorsichtigen Nutzer*innen zu kommen. In jedem KI-Kurs gibt es mindestens eine Person, die aufzeigt und sagt: „Bei mir gibt es diese Funktion nicht.“ In den meisten Fällen stellt sich raus, dass diese Person nicht ChatGPT oder Claude verwendet, sondern eine Seite mit fragwürdiger Herkunft. Stellen Sie also sicher, dass Sie diese Links verwenden:

Natürlich gibt es noch weitere Anbieter und Tools, aber das sind für die meisten von uns die wichtigsten KI-Chatbots.

Tipp 17: Deaktivieren Sie das Modelltraining

Standardmäßig verwenden so gut wie alle Anbieter die Daten, die Sie in ihren Chatbot eingeben oder hochladen, um ihre Modelle zu trainieren. Um dies zu verhindern, sollten Sie unbedingt zwei Dinge machen:

  • Für private Nutzung: Registrieren Sie sich beim jeweiligen Chatbot. Das bedeutet nicht, dass Sie dafür zahlen müssen, sondern nur, dass Sie ein Profil anlegen (wie bei Gmail, Instagram und ähnlichen Programmen). Wer nicht registriert ist, ist nicht sicherer. Im Gegenteil: Man erlaubt dem Anbieter automatisch, die eingegebenen Daten für das Training der nächsten Modelltraining zu finden. Danach gehen Sie in die Einstellungen des Chatbots und deaktivieren das Modelltraining. Eine ausführliche Anleitung finden Sie hier: https://freinhofer.substack.com/p/datenschutz-ki-chatbots
     
  • Für die schulische Nutzung: Wenn Sie mit sensiblen Daten arbeiten (z. B. Hausübungen), fallen so gut wie alle Chatbots weg. Dafür ist Microsoft Copilot in der Schullizenz gedacht. (Wichtig: Man muss über die schulische Office 365-Lizenz angemeldet sein!) Copilot ist zwar nicht 100 % DSGVO-konform, aber es ist wesentlich sicherer als die Nutzung von ChatGPT und Claude. Mehr dazu erfahren Sie hier: https://freinhofer.substack.com/p/sicherheitsstufen-ki

Tipp 18: Sie können von ChatGPT generierte Bilder im Nachhinein bearbeiten

Was die Erstellung von Bildern betrifft, ist ChatGPT aktuell eines der besten Tools – zumindest wenn man richtig promptet. Manche Tools sind auch sehr gut, wie z. B. Gemini, aber ChatGPT hat zwei große Vorteile: Es ist einfach zu bedienen und es ermöglicht eine gezielte Nachbearbeitung. Denn jede Person, die schon einmal Bilder mit ChatGPT erstellt hat, weiß, dass die Tools häufig Fehler machen. Vor allem bei textlastigen Infografiken sind die Ergebnisse ernüchternd oder gar absurd. Dem Modell zu sagen „Da ist ein Fehler, mach es noch einmal.“ Führt selten zum gewünschten Ergebnis. 

Das Problem kann leicht gelöst werden: Klicken Sie auf das Bild im Chat. Dann sollten Sie oben oder rechts oben eine Funktion namens „Auswählen“ sehen. Klicken sie drauf und wählen Sie mit dem Auswahlwerkzeug Bereiche im Bild aus, die geändert gehören. Beschreiben Sie die gewünschten Veränderungen im Prompt-Feld. Dann bearbeitet ChatGPT nur die gekennzeichneten Bereiche mit den entsprechenden Wünschen. Der Rest des Bildes sollte weitestgehend gleichbleiben.

Tipp18 2

Tipp 19: Napkin für Infografiken

Für schnelle, übersichtliche und fehlerfreie Infografiken eignet sich das KI-Tool Napkin: napkin.ai

Dort tippen oder fügen Sie einen Text ein und lassen diesen von der KI analysieren. Diese schlägt Ihnen dann viele verschiedene Visualisierungsmöglichkeiten vor, aus denen man auswählen kann. Das Beste daran ist, dass diese Infografiken adaptierbar sind – Sie können die Inhalte, Schriftart, Größe, Farbe und noch viel mehr bearbeiten. Hier ein Beispiel, in welchem ein Auszug aus dem Lehrplan der zweisprachigen höheren Lehranstalten für wirtschaftliche Berufe als Infografik aufbereitet wurde:

Tipp19 web

Tipp 20: Achten Sie auf Nutzungsrechte und Kennzeichnungspflichten

Es ist sehr einfach und verlockend, KI-Tools für die Erstellung von Bildern für Präsentationen oder von Songs für einen Schulfilm zu verwenden. Dabei sollten Sie aber immer die Nutzungsbedingungen der jeweiligen KI-Plattform beachten. Bei manchen Anbietern erhält man die exklusiven und kommerziellen Rechte; bei manchen die kommerziellen Rechte, wobei man ausweisen muss, dass es sich um einen KI-generierten Inhalt handelt; und bei anderen muss man zahlen, um die exklusiven und kommerziellen Rechte zu erhalten (z. B. bei Suno). Wenn Sie im Unterricht ein KI-generiertes Bild herzeigen oder einen KI-generierten Song abspielen, ist das in der Regel kein Problem. Aber sobald Sie das Bild dann mit den Schüler*innen teilen (und damit vervielfältigen und die „Kontrolle“ darüber verlieren), oder den Inhalt ins Internet (z. B. Website oder Instagram) hochladen, kommt man in Teufels Küche. 

Bevor Sie KI-generierte Inhalte nutzen möchten, überprüfen Sie die Nutzungsbedingungen der Plattform und sichern Sie sich bei Bedarf die entsprechenden Rechte. Achten Sie auch auf geltendes Recht (z. B. AI Act der EU) und Richtlinien (z. B. seitens des Bildungsministeriums oder der Schule). Generieren Sie KI-Bilder realistisch aussehender Personen („Deepfakes“) müssen Sie dies seit August 2026 ausweisen bzw. entsprechend kennzeichnen.

Zum Autor

Nachdem Dominik Freinhofer in der Sekundarstufe als Lehrer tätig war und die Chancen von Generativer KI für den Bildungsbereichen erkannt hat, begann er, sich intensiver mit Tools wie ChatGPT auseinanderzusetzen. Aktuell ist er als Vortragender in der Erwachsenen- und Pädagog*innenbildung sowie als Forschender und Lehrender an der Universität Graz tätig, wo er sich mit den ethischen und bildungswissenschaftlichen Aspekten von KI beschäftigt.

Portrait Freinhofer quadr

In seiner Arbeit verbindet er drei zentrale Bereiche – Bildung, Ethik und Künstliche Intelligenz – mit dem Ziel, einer breiten Öffentlichkeit Zugang zu einer verständlichen KI-Grundbildung zu verschaffen. Besonders am Herzen liegt ihm, dieses Wissen an seine Kolleg*innen an Schulen weiterzugeben, damit Lehrkräfte KI verantwortungsvoll im Unterricht einsetzen und ihre Schüler*innen bestmöglich auf eine stark von KI geprägte Zukunft vorbereiten können.

Freinhofer Buch hoch2

Weiterführende Links:

Ähnliche Artikel