Diese Grafik wurde mit ChatGPT erstellt.
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Auch im zweiten Teil der Serie gibt KI-Experte Dominik Freinhofer wieder fünf praktische und speziell für Lehrkräfte relevante Tipps, die die Nutzung von KI-Tools einfacher und effektiver machen.
Viele Lehrkräfte nutzen KI bereits im Unterrichtsalltag – dennoch kosten unpassende Tools oder zu allgemeine Eingaben oft mehr Zeit, als sie tatsächlich sparen. Die Ergebnisse sind ungenau, wenig praxistauglich oder erfordern aufwendige Nachbearbeitung.
Die folgenden Tipps von Dominik Freinhofer zeigen, wie Sie als Lehrkraft KI-Tools gezielter einsetzen, bessere Ergebnisse erzielen und sich die Arbeit im Schulalltag spürbar erleichtern können.
Hier geht es zu den Tipps 1–5 der Serie "KI-Tipps für Lehrkräfte" von Dominik Freinhofer.
Chatbots sind ein wenig wie unsere Schüler*innen: Sie treffen Annahmen, anstatt nachzufragen (siehe früherer Tipp „Lassen Sie die KI Rückfragen stellen“). Daher sollte man ihnen von Anfang an alle relevanten Informationen mitgeben. Eine einfache Faustregel: Beantworten Sie alle W-Fragen!
Je mehr relevante Infos Sie der KI von Anfang an geben, desto besser sind die Ergebnisse.
Mehr Prompting-Tipps gibt es hier: https://freinhofer.substack.com/p/fuenf-prompting-prinzipien
Sprachmodelle (die Basis für KI-Chatbots) wurden mit Unmengen an Daten (Texten) trainiert. Diese stehen nach dem Training aber nicht mehr zur Verfügung. So, wie wenn wir ein Buch gelesen haben – wir können viel darüber sagen, aber es nicht wortwörtlich wiedergeben. Und manchmal erinnern wir uns falsch.
Soll sich eine KI also auf konkrete Inhalte beziehen (Lehrplan, Studien, Ihre Unterrichtsmaterialien etc.), dann benötigt sie entsprechende Dokumente oder Links. Achten Sie dabei aber auch auf Urheberrechte und Nutzungsrechte – Schulbücher sind in der Regel ein No-Go in KI-Tools.
Die meisten Dateien, mit denen wir hantieren (z. B. DOCX, PDF, XLSX) wurden für Menschen gemacht – wir müssen diese erstellen und analysieren können. KI-Chatbots haben damit teilweise Probleme. Dazu zählt z. B. der Lehrplan. Dieser ist viel zu lange, enthält zu viele irrelevante Informationen (z. B. von anderen Fächern, die Sie nicht unterrichten) und ist schlecht formatiert.
Ein einfacher Trick besteht darin, Screenshots eines Dokuments von der KI selbst in eine maschinenfreundliche Text-Datei (.txt) zu überführen, um diese in Zukunft bei Bedarf mit der KI teilen zu können.
Von sich aus erzeugen KI-Chatbots generische Texte. Sie haben gesehen, wie diverse Texttypen – von Arbeitsblättern über Bewerbungsschreiben bis hin zu Programmcode – typischerweise aussehen. Daher klingen KI-Texte, die auf keinen eigenen Entwürfen oder Beispielen aufbauen, zwar (sehr) gut, aber häufig etwas langweilig. Zeigen Sie der KI also, wie Sie sich etwas vorstellen, wie Sie etwas erledigen: Ihre Arbeitsblätter, Präsentationen, Tests oder Schularbeiten.
Aber Vorsicht: Das können unsere Schüler*innen auch. Sobald unsere Schüler*innen fünf vergangene Hausübungen als Orientierung hochladen und die KI Schreibstil, Sprachniveau und typische Fehler übernimmt, können wir teilweise nicht mehr zwischen authentischen und KI-generierten Texten unterscheiden.
Die überwiegende Mehrheit der Nutzer*innen setzt noch immer fast ausschließlich ChatGPT ein. Doch ChatGPT ist schon lange nicht mehr der einzige oder „beste“ Chatbot. Was die Chatbots können und welcher gerade die Nase vorn hat, ändert sich ständig.
Probieren Sie (für die eigene Nutzung) auch mal Le Chat von Mistral (eine französische KI-Firma) und Claude von Anthropic (eine US-Firma). Vor allem Claude ist bei Brainstorming, Textgeneration und bei der Erstellung von visuell ansprechenden und druckfertigen Dokumenten (sogar ganzen Arbeitsblätter und Präsentationen) häufig besser als ChatGPT. ChatGPT ist dafür viel besser im Erstellen von Bildern als die meisten anderen Tools. Das kann in 6 Monaten aber wieder ganz anders aussehen.
Hier zwei Beispiele (ein Arbeitsblatt und eine Präsentation), die von Claude erstellt wurden.
Nachdem Dominik Freinhofer in der Sekundarstufe als Lehrer tätig war und die Chancen von Generativer KI für den Bildungsbereichen erkannt hat, begann er, sich intensiver mit Tools wie ChatGPT auseinanderzusetzen. Aktuell ist er als Vortragender in der Erwachsenen- und Pädagog*innenbildung sowie als Forschender und Lehrender an der Universität Graz tätig, wo er sich mit den ethischen und bildungswissenschaftlichen Aspekten von KI beschäftigt.
Dominik Feinhofer (Foto: privat)
In seiner Arbeit verbindet er drei zentrale Bereiche – Bildung, Ethik und Künstliche Intelligenz – mit dem Ziel, einer breiten Öffentlichkeit Zugang zu einer verständlichen KI-Grundbildung zu verschaffen. Besonders am Herzen liegt ihm, dieses Wissen an seine Kolleg*innen an Schulen weiterzugeben, damit Lehrkräfte KI verantwortungsvoll im Unterricht einsetzen und ihre Schüler*innen bestmöglich auf eine stark von KI geprägten Zukunft vorbereiten können.
Im Februar 2026 ist sein Buch „KI in Lehre, Weiterbildung und Training“ erschienen.
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