Praktische KI-Tipps für Lehrkräfte – Teil 2

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Chat GPT Image Freinhofer Teil2

Auch im zweiten Teil der Serie gibt KI-Experte Dominik Freinhofer wieder fünf praktische und speziell für Lehrkräfte relevante Tipps, die die Nutzung von KI-Tools einfacher und effektiver machen.

Viele Lehrkräfte nutzen KI bereits im Unterrichtsalltag – dennoch kosten unpassende Tools oder zu allgemeine Eingaben oft mehr Zeit, als sie tatsächlich sparen. Die Ergebnisse sind ungenau, wenig praxistauglich oder erfordern aufwendige Nachbearbeitung.

Die folgenden Tipps von Dominik Freinhofer zeigen, wie Sie als Lehrkraft KI-Tools gezielter einsetzen, bessere Ergebnisse erzielen und sich die Arbeit im Schulalltag spürbar erleichtern können.

Teil 1

Hier geht es zu den Tipps 1–5 der Serie "KI-Tipps für Lehrkräfte" von Dominik Freinhofer.

Tipp 6: Lassen Sie der KI so wenig Interpretationsspielraum wie möglich

Chatbots sind ein wenig wie unsere Schüler*innen: Sie treffen Annahmen, anstatt nachzufragen (siehe früherer Tipp „Lassen Sie die KI Rückfragen stellen“). Daher sollte man ihnen von Anfang an alle relevanten Informationen mitgeben. Eine einfache Faustregel: Beantworten Sie alle W-Fragen!

  • Wer sind Sie? Eine Lehrperson, die Chemie in der AHS-Unterstufe unterrichtet.
  • Was möchten Sie erreichen? Neue Erklärungsansätze und Analogien finden, um die Darstellung chemischer Reaktionen besser zu erklären.
  • Warum / wozu benötigen Sie das Ergebnis? Weil die Schüler*innen den bisherigen Erklärungsversuchen nicht folgen können.
  • Für wen ist der Output gedacht? Einerseits didaktische Gedanken für die Lehrperson, andererseits konkrete Materialien für Schüler*innen der 7. Schulstufe, die geringe sprachliche Kompetenzen (geringes Leseniveau, Deutsch als Fremdsprache) haben.
  • Wie soll das Ergebnis klingen / aussehen / formatiert sein? Einerseits ein dialogisches Brainstorming zwischen Chatbot und Lehrperson, andererseits Unterrichtsunterlagen (Merkblatt mit Übungen) im DOCX-Format in einfacher Sprache.
  • Wo wird der Output eingesetzt? Als Material während des Unterrichts. Die Lehrperson gibt das Material aus und greift dieses auf (also keine reine Selbsterarbeitung).

Je mehr relevante Infos Sie der KI von Anfang an geben, desto besser sind die Ergebnisse.
Mehr Prompting-Tipps gibt es hier: https://freinhofer.substack.com/p/fuenf-prompting-prinzipien

Tipp 7: Stellen Sie der KI Quellen zur Verfügung

Sprachmodelle (die Basis für KI-Chatbots) wurden mit Unmengen an Daten (Texten) trainiert. Diese stehen nach dem Training aber nicht mehr zur Verfügung. So, wie wenn wir ein Buch gelesen haben – wir können viel darüber sagen, aber es nicht wortwörtlich wiedergeben. Und manchmal erinnern wir uns falsch.

Soll sich eine KI also auf konkrete Inhalte beziehen (Lehrplan, Studien, Ihre Unterrichtsmaterialien etc.), dann benötigt sie entsprechende Dokumente oder Links. Achten Sie dabei aber auch auf Urheberrechte und Nutzungsrechte – Schulbücher sind in der Regel ein No-Go in KI-Tools.

Tipp 8: Bereiten Sie Quellen maschinenfreundlich auf

Die meisten Dateien, mit denen wir hantieren (z. B. DOCX, PDF, XLSX) wurden für Menschen gemacht – wir müssen diese erstellen und analysieren können. KI-Chatbots haben damit teilweise Probleme. Dazu zählt z. B. der Lehrplan. Dieser ist viel zu lange, enthält zu viele irrelevante Informationen (z. B. von anderen Fächern, die Sie nicht unterrichten) und ist schlecht formatiert.

Ein einfacher Trick besteht darin, Screenshots eines Dokuments von der KI selbst in eine maschinenfreundliche Text-Datei (.txt) zu überführen, um diese in Zukunft bei Bedarf mit der KI teilen zu können.

Screenshot Tipp3

Tipp 9: Geben Sie der KI Beispiele

Von sich aus erzeugen KI-Chatbots generische Texte. Sie haben gesehen, wie diverse Texttypen – von Arbeitsblättern über Bewerbungsschreiben bis hin zu Programmcode – typischerweise aussehen. Daher klingen KI-Texte, die auf keinen eigenen Entwürfen oder Beispielen aufbauen, zwar (sehr) gut, aber häufig etwas langweilig. Zeigen Sie der KI also, wie Sie sich etwas vorstellen, wie Sie etwas erledigen: Ihre Arbeitsblätter, Präsentationen, Tests oder Schularbeiten.

Aber Vorsicht: Das können unsere Schüler*innen auch. Sobald unsere Schüler*innen fünf vergangene Hausübungen als Orientierung hochladen und die KI Schreibstil, Sprachniveau und typische Fehler übernimmt, können wir teilweise nicht mehr zwischen authentischen und KI-generierten Texten unterscheiden.

Tipp 10: Testen Sie unterschiedliche Chatbots

Die überwiegende Mehrheit der Nutzer*innen setzt noch immer fast ausschließlich ChatGPT ein. Doch ChatGPT ist schon lange nicht mehr der einzige oder „beste“ Chatbot. Was die Chatbots können und welcher gerade die Nase vorn hat, ändert sich ständig.

Probieren Sie (für die eigene Nutzung) auch mal Le Chat von Mistral (eine französische KI-Firma) und Claude von Anthropic (eine US-Firma). Vor allem Claude ist bei Brainstorming, Textgeneration und bei der Erstellung von visuell ansprechenden und druckfertigen Dokumenten (sogar ganzen Arbeitsblätter und Präsentationen) häufig besser als ChatGPT. ChatGPT ist dafür viel besser im Erstellen von Bildern als die meisten anderen Tools. Das kann in 6 Monaten aber wieder ganz anders aussehen.

Screenshot Tipp5

Zum Autor

Nachdem Dominik Freinhofer in der Sekundarstufe als Lehrer tätig war und die Chancen von Generativer KI für den Bildungsbereichen erkannt hat, begann er, sich intensiver mit Tools wie ChatGPT auseinanderzusetzen. Aktuell ist er als Vortragender in der Erwachsenen- und Pädagog*innenbildung sowie als Forschender und Lehrender an der Universität Graz tätig, wo er sich mit den ethischen und bildungswissenschaftlichen Aspekten von KI beschäftigt.

Portrait Freinhofer quadr

In seiner Arbeit verbindet er drei zentrale Bereiche – Bildung, Ethik und Künstliche Intelligenz – mit dem Ziel, einer breiten Öffentlichkeit Zugang zu einer verständlichen KI-Grundbildung zu verschaffen. Besonders am Herzen liegt ihm, dieses Wissen an seine Kolleg*innen an Schulen weiterzugeben, damit Lehrkräfte KI verantwortungsvoll im Unterricht einsetzen und ihre Schüler*innen bestmöglich auf eine stark von KI geprägten Zukunft vorbereiten können.

Freinhofer Buch hoch2

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